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DFB-Pokal:"Das war mit das Extremste, was ich mitgemacht habe"

1. FC Kaiserslautern - 1. FC Nürnberg

Christoph Hemlein küsst Torwart Lennart Grill - zumindest angedeutet.

(Foto: dpa)
  • Der 1. FC Kaiserslautern schlägt den 1. FC Nürnberg in der zweiten Runde des DFB-Pokals nach Elfmeterschießen.
  • Lauterns Torwart Lennart Grill hält den entscheidenden Versuch - nachdem er in der 90. Minute ein unglückliches Gegentor verschuldete.
  • Beim 1. FC Nürnberg muss Außenverteidiger Enrico Valentini ins Tor, weil sich Torhüter Patric Klandt verletzt und Nürnberg nicht mehr auswechseln kann.

Lennart Grill und Enrico Valentini klatschten ab, bevor das Spiel zwischen Kaiserslautern und Nürnberg ins Elfmeterschießen ging. In ihren Gesichtern konnte man die Absurdität der Situation sehen - trotz des Drucks, der vor so einer Entscheidung in der zweiten DFB-Pokalrunde zwischen Kaiserslautern und Nürnberg auf Torhütern lastet. Wobei: Da geht es ja schon los. Der eine, Valentini, ist eigentlich gar kein Torwart, er ist Außenverteidiger, aber er musste sich ins Tor stellen, weil sich Nürnbergs ausgebildeter Torwart Partric Klandt kurz vor Ende der Verlängerung verletzt hatte - und FCN-Trainer Damir Canadi nicht mehr auswechseln konnte. "So ein bisschen surreal", sei das gewesen, sagte Valentini später in der ARD. "Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben als Torwart eingesetzt worden."

Der andere, Lennart Grill, U21-Nationaltorwart und Schüler des berühmten Gerry Ehrmanns, hatte sich kurz vorher, man kann das im Nachhinein so deutlich sagen, zum Deppen gemacht. Der arg gebeutelte FCK (derzeit auf einem Abstiegsrang in der dritten Liga) führte in der 90. Minute mit 2:1, Grill fing eine Flanke ab, versuchte, noch ein paar Sekunden zu gewinnen, legte sich den Ball vor die eigenen Füße - und übersah Nürnbergs Angreifer Michael Frey, der sich hinter seinem Rücken versteckte. Frei luchste ihm den Ball ab und traf zum Ausgleich.

"Wann passiert sowas mal, dass du so ein Ding kriegst?", fragte sich Grill später im SWR. "Ich glaube, das wird auch nicht mehr passieren, weil du daraus ganz schnell lernst. Im Endeffekt war es einfach dumm von mir, dass ich nicht richtig geguckt habe." Was Grill nicht sagte, weil er ein anständiger Teamplayer ist: Es hatte ihn auch kein Mitspieler auf den Nürnberger in seinem Rücken aufmerksam gemacht.

Zwei Elfmetertore von Timmy Thiele (8./74.) brachten die Pfälzer zuvor vor 21 714 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion jeweils in Führung. Den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich hatte Lukas Jäger (15.) erzielt. Und so ging das Spiel in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen und plötzlich standen sich da der Aushilfs-Torwart und der U21-Nationaltorwart gegenüber. Valentini wurde von den Nürnberger Fans gefeiert, den ersten Versuch von Kevin Kraus hätte er sogar fast abgewehrt - am Ende hielt aber nur ein Torwart einen Elfmeter. Grill parierte den Versuch von U21-Nationalmannschaftskollege Tim Handwerker - und machte seinen Aussetzer wieder wett.

"Ich habe es mir in der Verlängerung und dem möglichen Elfmeterschießen zur Aufgabe genommen, einfach für die Mannschaft das Spiel zu gewinnen. Das hat zum Glück geklappt", sagte Grill. Und als Abendfazit: "Das war mit das Extremste, was ich in meiner noch jungen Karriere mitgemacht habe. Da haste mal gesehen, wie schnell du in einer halben Stunde vom Buhmann zum Helden werden kannst."

Die Pfälzer ziehen damit erstmals seit der Saison 2014/2015 wieder ins Achtelfinale des Pokalwettbewerbs ein und sind in diesem Jahr der letzte verbliebene Drittligist. "Es gab einige dramatische Situationen - mehr geht in einen Pokalabend nicht rein", sagte Lauterns Trainer Boris Schommers. Für den 1. FC Nürnberg ist der Abend eine weitere Enttäuschung, seit deutlich wird, dass der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga kaum zu realisieren sein wird. "Es war Dramatik pur, für die Zuschauer war es ein Riesenspiel. Für uns war es natürlich sehr enttäuschend", befand Trainer Damir Canadi. Dazu kommt noch: Torwart Klandt könnte sich die Achillessehne gerissen haben, wie der Klub auf Twitter mitteilte. Mit Andreas Lukse hat Nürnberg jetzt nur noch einen gelernten Torwart im Kader.

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