bedeckt München 17°

40. Todestag von Jesse Owens:Der Athlet, der Hitler düpierte

Jesse Owens gewinnt bei Olympia 1936 in Berlin vier Goldmedaillen und sorgt für die Bilder der Spiele. Zum 40. Todestag: ein Rückblick auf ein bewegtes Sportlerleben.

8 Bilder

-

Quelle: AFP

1 / 8

Vier Goldmedaillen gewinnt Leichtathlet Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und sorgt dabei für ein Bild, das um die Welt geht: Der schwarze Amerikaner flätzt mit seinem Weitsprung-Rivalen Luz Long, einem blonden Deutschen, im Gras des Olympiastadions und unterhält sich prächtig. Ein Schwarzer, der mit Leichtigkeit gegen die weißen Konkurrenten gewinnt und sich auch noch mit einem von ihnen anfreundet - das hat sich Adolf Hitler bei seinen Propagandaspielen anders vorgestellt. Vor genau 40 Jahren, am 31. März 1980, ist der außergewöhnliche Sportler, der in Berlin das NS-Regime brüskiert hat, gestorben. Ein Rückblick auf sein bewegtes Leben.

Jesse Owens

Quelle: imago stock&people

2 / 8

Owens kommt am 12. September 1913 in Oakville in Alabama auf die Welt. Schon sein Sportlehrer an der Schule erkennt, dass er außergewöhnlich schnell laufen und weit springen kann. Der schwarze Owens wächst in der Zeit der Rassentrennung auf und sieht sich immer wieder Anfeindungen und Beschränkungen ausgesetzt. Zum Studium zieht er an die Ohio State University in Columbus, in den Nordstaaten ist es ihm nun erlaubt, auch gegen Weiße anzutreten. Es dauert nicht lange, bis er Erfolg hat. Am 24. Mai 1935 stellt er bei einem Sportfest der University of Michigan innerhalb von 45 Minuten sechs Weltrekorde auf - und das, obwohl er sich am Tag zuvor bei einer Rangelei am Rücken verletzt haben soll. Um 15:15 Uhr läuft er die 100 Yard, das sind 91,44 Meter, in 9,4 Sekunden und stellt die bisherige Bestmarke ein. Um 15.25 Uhr springt er 8,13 Meter weit - ein Rekord, der 25 Jahre Bestand hat. Zwanzig Minuten später läuft er 220 Yards in 20,3 Sekunden, um 16 Uhr ist er der erste Athlet, der die 220-Yards-Hürden-Strecke in weniger als 23 Sekunden schafft. Die Zeiten über 220 Yards und 220-Yards-Hürden gelten auch als neue Bestmarken für die kürzeren 200-Meter-Strecken. Doch die Zuschauer reagieren verhalten auf seine Wahnsinnsleistung, die Zeitungen berichten in den Tagen danach kaum über ihn.

Jesse Owens

Quelle: imago stock&people

3 / 8

Es ist nicht mehr lang hin zu den Olympischen Spielen in Berlin. Owens und andere Athleten zögern lange, ob sie in die braune Diktatur reisen soll. Schließlich bestimmt Avery Brundage, der umstrittene und selbst als Rassist geltende Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, dass die Amerikaner teilnehmen. Owens steigt mit 382 anderen Sportlern in den Dampfer Manhattan und dieser bringt ihn von New York nach Hamburg. Owens kündigt an: Er will in Berlin drei Medaillen gewinnen.

Jesse Owens

Quelle: imago sportfotodienst

4 / 8

Die Nationalsozialisten sind von der Ankunft des schwarzen Ausnahmeläufers wenig begeistert. Owens gewinnt vier Goldmedaillen: über 100 Meter, im Weitsprung, über 200 Meter und mit der 100-Meter-Staffel - er ist der erfolgreichste Teilnehmer der Spiele. Die Berliner Zuschauer sind begeistert von dem 1,78 Meter großen Amerikaner, sie feiern seine Siege euphorisch, obwohl sie das eigentlich nicht sollen.

Jesse Owens

Quelle: imago sportfotodienst

5 / 8

Beim Weitsprung entsteht am 4. August das berühmteste Bild der Spiele. Der Wettkampf wird in deutschen Medien zum Duell zwischen dem schwarzen Owens und dem blonden Luz Long aus Leipzig inszeniert, es ist vom "Kampf der Farben" die Rede. Doch es kommt anders: Owens und Long gratulieren sich nach ihren Sprüngen gegenseitig. Einmal legen sie sich gemeinsam ins Gras des Olympiastadions, sie plaudern und scherzen. Die Kameras sind auf sie gerichtet. Owens springt 8,06 Meter weit, Long wird mit 7,87 Metern Zweiter, sie nehmen sich lange in den Arm. Es sind Szenen, die Adolf Hitler, der im Stadion sitzt, gar nicht gefallen. Propagandaminister Joseph Goebbels notiert über jenen Abend in sein Tagebuch: "Das ist eine Schande. Die weiße Menschheit müsste sich schämen."

Jesse Owens 1913 - 1980 American track and field athlete He participated in the 1936 Summer Olymp; Jesse Owens

Quelle: imago/United Archives Internatio

6 / 8

Gegen alle Widerstände entwickelt sich zwischen Owens und Long eine Freundschaft, sie schreiben sich in den folgenden Jahren immer wieder Briefe. Der viermalige Olympiasieger von Berlin sagt einmal: "Es kostete Luz viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden. Hitler muss wahnsinnig geworden sein, als er uns umarmen sah." Zum Wiedersehen zwischen den beiden Leichtathleten kommt es aber nicht, Long stirbt 1943 im Zweiten Weltkrieg auf Sizilien.

Jesse Owens

Quelle: dpa

7 / 8

Nicht nur in Berlin, auch in den USA ist der Olympiasieger nicht gern gesehen. Franklin D. Roosevelt weigert sich, ihn im Weißen Haus zu treffen. Der Präsident steckt im Wahlkampf, fürchtet negative Reaktionen aus den rassistischen Südstaaten, wenn er sich mit dem schwarzen Sportler zeigen würde. Die Anerkennung bleibt Owens verwehrt. Mit nur 23 Jahren beendet Owens seine Karriere. Geld verdient er fortan mit Schaurennen, er tritt gegen Motorräder, Pferde und Windhunde an. Nach seinem Uni-Abschluss arbeitet er als Kaufmann, schlittert jedoch Anfang der Vierzigerjahre in die Pleite.

Jesse Owens USA vierfacher Leichtathletikolympiasieger bei den Berliner Sommerspielen des Jahres; Jesse Owens

Quelle: imago/Ferdi Hartung

8 / 8

Erst Mitte der Fünfzigerjahre läuft es für den viermaligen Olympiasieger besser. Die Zeiten ändern sich endlich. Präsident Dwight D. Eisenhower schickt ihn als "Botschafter des Sports" um die Welt, der ehemalige Sportler schließt lukrative Werbeverträge ab. Er führt nun ein finanziell sorgenfreies Leben mit seiner Frau, seinen drei Töchtern und fünf Enkelkindern. Einmal kehrt er 1964 noch nach Berlin zurück, um einen Dokumentarfilm über sich zu drehen. Am 31. März 1980 stirbt Owens, der Kettenraucher ist, schließlich im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs. Die Berliner, die ihn 1936 feierten, obwohl sie es gar nicht hätten dürfen, verehren ihn noch immer. Ganz in der Nähe vom Berliner Olympiastadion führt die Jesse-Owens-Allee entlang.

© SZ.de/ska

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite