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FC Bayern:Boateng-Rückkehr gegen Gladbach: Reicht es für Madrid?

Bayern München - Bor. Mönchengladbach

Jérôme Boateng ist wieder da.

(Foto: dpa)

Auch wenn er gegen Gladbach hölzern wirkt, ruhen auf den breiten Schultern des Verteidigers Bayerns Hoffnungen gegen Atlético.

Aus dem Stadion von Jonas Beckenkamp, München

Noch hat keiner nachgemessen, welcher Profi in der Bundesliga das breiteste Kreuz hat, aber der Rücken von Jerome Boateng dürfte sicher zu den größten gehören. Boateng ist ein Riesenkerl, sein Körper bietet reichlich Fläche, um Bälle abzublocken. Am Samstag jedoch brachte Boateng ein Geschoss von Manuel Neuer zum Einknicken. Es war dieser Moment Mitte der ersten Halbzeit beim 1:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach, als plötzlich auffiel: Boateng ist wieder da. Und zur Begrüßung bekam er gleich mal unabsichtlich einen Abschlag in die Rippen geknallt.

Glücklicherweise ist Boatengs Athletik von solcher Ausprägung, dass ihn wohl nicht einmal eine Abrissbirne aus dem Weg räumen könnte. Und so schüttelte er sich nach diesem Schlag kurz, ehe er unbehelligt weiterspielte. Dass der Nationalspieler wieder da ist, war die prägende Nachricht dieses Münchner Frühlingsnachmittages, schließlich blieb ein weiteres, eigentlich wichtigeres Szenario aus: Die vorzeitige Meisterschaft des FC Bayern. Aber auf Boateng hoffen die Bayern natürlich inständig im Saison-Showdown. Sie brauchen ihren Abwehr-Leuchtturm in den Kracherspielen gegen Atlético Madrid am Dienstagabend und auch im Pokalfinale gegen Dortmund am 21. Mai in Berlin.

Er beginnt hölzern, doch hält lange durch

Der lange Vermisste hatte nach 20 verpassten Partien wegen eines Muskelbündelrisses ein ordentliches, wenn auch kein vollends überzeugendes Comeback gegeben. Er hatte etwas hölzern begonnen, sich dann aber hineingearbeitet in dieses seltsame Spiel. Er hatte 68 Minuten durchgehalten - und ausgerechnet als er vom Feld gegangen war, fiel das 1:1 durch André Hahn (72.). Die Biervergießerei und das offizielle Erreichen des ersten Saisonziels, mussten die Münchner damit vertagen. Doch sie haben Boateng zurück, das ist das Beste, was sich nach diesem Wochenende sagen lässt.

Trotzdem lief für ihn noch nicht alles wie in jenen Tagen des Über-Boatengs in der Hinrunde. Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge stellte zwar fest, dass "Jérôme hat sich gut bewegt" habe und "einige gute Bälle nach vorne gespielt" habe. Dass er damit nicht ganz richtig lag, korrigierte ausgerechnet Boateng selbst, als er sagte: "Es waren anfangs schon einige Fehlpässe dabei. Das Gefühl auf dem Platz ist für mich noch etwas neu nach so langer Pause." Tatsächlich geht es bei der Beurteilung seiner Leistung ja auch um die Frage, ob er nun gegen Atlético ein Allheilmittel für hinten ist? Hinten, da zwickt's ja noch ein bisschen bei den Bayern.

Reicht es für einen Einsatz gegen Madrid?

Und die Tendenz lautet angesichts einer für ihn mäßigen Passquote von 68% und einigen Ungenauigkeiten im Spielaufbau: Nunja, vielleicht kann er gegen Atlético. Zumindest Guardiola warf sich demonstrativ vor seinen Abwehrchef: "Er war fast vier Monate weg", erklärte der Coach, "und ich werde ihn schützen." Schützen vor Kritik, schützen vor Fehlern - und vielleicht auch vor einer zu großen Aufgabe gegen die rasenden Sauls und Griezmanns der Madrilenen? Das entscheidet nun allein der Katalane. Geht es nach Boateng, dann stünde einem Einsatz nichts im Weg: "Wenn der Trainer mich spielen lässt, werde ich bereit sein und alles geben - notfalls auch 120 Minuten", sagte der 27-Jährige.

Für Boateng spricht zudem das Formtief von Medhi Benatia, der gegen Gladbach erneut ziemliche Orientierungsprobleme offenbarte. Die Varianten mit Joshua Kimmich oder David Alaba in der Zentrale waren eigentlich eher aus der Not geboren. Eine Innenverteidigung mit dem Duo Martinez/Boateng wäre im Grunde das, was sich Guardiola die ganze Saison gewünscht hatte. Es geht also nur noch darum, ob der Trainer Boateng die Schlacht gegen Madrid nach nur einem Testlauf schon zutraut. Boateng vertraut auf sein Können, seine Präsenz, sein Raumgefühl - und er machte nach dem Gladbach-Spiel einen selbstbewussten Eindruck. "Dass ich noch nicht ganz bei voller Kraft bin, ist auch klar. Aber das ist in so einem Spiel egal. Da werde ich mich zerreißen." Und vielleicht ist es ja so: Wer einen Vollspannschuss von Manuel Neuer überlebt, der ist auch bereit für den Überlebenskampf gegen Atlético.

© SZ vom 01.05.2016

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