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Island vor den Play-Offs gegen Kroatien:Aufstand der Zwerge

Gylfi Sigurdsson

Islands populärster Spieler: Der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson (rechts).

(Foto: dpa)

In zwei Relegationsspielen gegen Kroatien kann sich Island erstmals für eine Fußball-WM qualifizieren. Egal wie die Playoffs ausgehen, bleibt jedoch eine Gewissheit hängen: Die Fußballzwerge sind näher an die Weltspitze herangerückt - vor allem dank ihres reformierten Ausbildungskonzeptes.

Es gibt eine Reihe guter Erklärungen, weshalb das kleine Island plötzlich nur noch zwei Relegationsspiele von seiner ersten der großen WM entfernt ist. Spontan würden einem zum Beispiel folgende fünf Gründe einfallen: Norwegen, Slowenien, Schweiz, Albanien und Zypern. Das war der erlauchte Kreis der Gegner in der Qualifikationsgruppe E, die Islands Nationalelf als Tabellenzweiter abschloss.

Wenn es im Fußball wirklich Todesgruppen gibt, dann war das wohl eine Geburtsvorbereitungsgruppe. "Ä bissle viel Glück" habe man diesmal bei der Auslosung gehabt, das räumt Asgeir Sigurvinsson gerne ein. Andererseits ist er schon der Meinung, dass Losglück alleine nicht ausreicht, um sich als Island für Brasilien zu qualifizieren. "Ä bissle was geschafft haben wir auch", sagt Sigurvinsson.

Man hört noch gut heraus, dass dieser 58-jährige Isländer zwischen 1982 und 1990 das Mittelfeld des VfB Stuttgart dirigierte, was ihm den bezaubernden Spitznamen "Zico vom Eismeer" einbrachte. Später arbeitete Sigurvinsson als Nationaltrainer seines Landes.

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Er coachte jene Elf, die der DFB-Auswahl 2003 ein 0:0 abrang - und dem deutschen Kollegen Rudi Völler seine berühmteste Weißbier-Rede, woraufhin Sigurvinsson den noch viel bezaubernderen Spitznamen "Rudi von Reykjavik" erlangte. Inzwischen arbeitet dieser Mann fernab von Spitznamen-Sphären. Er betreibt eine Fußballschule. Vor allem dort, an der Basis, hat der isländische Fußball zuletzt ä bissle was geschafft.

Egal wie es ausgehen wird in den beiden Play-Off-Spielen gegen Kroatien am Freitag in Reykjavik und am kommenden Dienstag in Zagreb, für die Isländer wird die Gewissheit hängen bleiben, dass sie dank ihres reformierten Ausbildungskonzeptes näher an die Weltspitze herangerückt sind. Island hat weniger Fußballer als Deutschland Fußballvereine hat, aber diese rund 22 000 Aktiven werden inzwischen von frühester Kindheit an von Fachkräften wie Sigurvinsson betreut.

Und was vielleicht noch wichtiger ist: Diese Betreuung findet ganzjährig statt. "Als ich aufgewachsen bin, konnten wir von Oktober bis April nicht draußen kicken", sagt Sigurvinsson. In den vergangenen zehn Jahren aber sind auf der Vulkaninsel am Polarkreis gut 100 schneesichere Bolzplätze und zahlreiche überdachte Fußballfelder entstanden. Sigurvinsson sieht darin einen unmittelbaren Zusammenhang zur Tatsache, dass isländische Talente inzwischen europaweit gefragt sind und bereits mit 15 oder 16 ins Ausland wechseln.