Spitzensportler in Iran:Die Machthaber in Teheran verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge

"Es geht nicht um mich, nicht um uns. Wir sind nur Werkzeuge", schrieb sie bei Instagram in Richtung der politischen und sportpolitischen Führung und warf ihnen Lügen, Korruption und Unterdrückung vor. Sie wünsche sich nichts mehr als "ein Leben mit Taekwondo, in Sicherheit und Gesundheit". Die Entscheidung, ihre Heimat zu verlassen, sei schwieriger "als ein Kampf um die olympische Goldmedaille. (...) Ich bleibe eine Tochter Irans, wo auch immer ich bin".

Die Machthaber in Teheran verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge; der Sport ist für sie gemeinhin eine willkommene Gelegenheit für eine erfolgreiche internationale Selbstdarstellung. Aber der Exodus der Spitzenathleten passt nur zu gut zur gesamten Entwicklung im Land. Viele junge und gebildete Iraner zieht es aufgrund der politischen Unterdrückung und der extrem schwierigen wirtschaftlichen Situation ins Ausland; sie sehen für sich keine Perspektive mehr in Iran.

Aus den großen internationalen Sportverbänden wiederum gibt es nur sehr überschaubare Unterstützung für die iranischen Sportler. Und obwohl das Regime etwa mit seinem Verbot von iranisch-israelischen Duellen oder dem langjährigen Stadionverbot für Frauen zentrale Werte des Sports bricht, führte das bisher kaum zu nennenswerten Sanktionen. Nur der Welt-Judoverband hat Iran gerade suspendiert.

Der populäre Volleyballer Saeid Marouf veröffentlicht ein bemerkenswertes Statement

Zugleich setzt auch die Protestbewegung auf Unterstützung durch die Spitzensportler. Das zeigte sich schon vor einem Jahrzehnt, als sich die oppositionelle "grüne Bewegung" formierte. Damals trugen bei einem Länderspiel der iranischen Fußballnationalelf verschiedene Spieler grüne Bänder - bis ein Abgesandter des Regimes in der Halbzeitpause einschritt. In den vergangenen Monaten äußerte sich unter anderem Kapitän Masoud Schodschaei in der Debatte um das Stadionverbot für Frauen klar. Dieses entstamme einer "verfaulten und ekelhaften Denkweise".

Im Kontext der aktuellen Proteste, die nach dem Abschuss eines Passagierflugzeuges und dem Tod von 176 Menschen wieder anschwollen, veröffentlichte der populäre Volleyballer Saeid Marouf ein bemerkenswertes Statement. Als dem Nationalteam zu Wochenbeginn die Qualifikation für die Sommerspiele in Tokio gelang, schrieb der Kapitän: "Heute gibt es in unserer Trauer und Verzweiflung keinen Raum für Freude über unseren Erfolg, für den wir jahrelang gekämpft haben." Die Verzweiflung beziehe sich nicht nur auf das Leid und die Trauer, sondern auch auf die Zukunft, an die er nicht mehr glaube.

Es ist die Frage, ob er auch in Tokio noch der Kapitän der iranischen Mannschaft sein wird.

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