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Interview mit Timoschtschuk:"Van Bommel ist ein Partner wie jeder andere auch"

sueddeutsche.de: Gab es schon Momente, in denen Sie bedauert haben, dass sie zu Bayern gewechselt sind?

Timoschtschuk: Ich bedauere im Leben nie irgendetwas. Ich reflektiere eine Entscheidung, ich denke über sie nach, aber ich bedauere sie nicht. Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, halte ich sie für richtig und versuche alles zu machen, um das Angedachte zu erreichen.

sueddeutsche.de: In einer russischen Zeitung war die Aussage ihrer Frau zu lesen, dass auch andere europäische Klubs gute Spieler auf Ihrer Position bräuchten ...

Timoschtschuk: Falls sie das gesagt haben sollte, wird das schon seine Gründe gehabt haben. Sie können sie immer direkt dazu fragen.

sueddeutsche.de: Sind Sie überzeugt, dass Sie Ihre Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld einnehmen werden, wenn van Bommel zurückkommt?

Timoschtschuk: Ich bin nur überzeugt von mir und von meiner Arbeit, weil ich immer 100 Prozent gebe. Alles weitere und die Frage, welcher Spieler auf dieser oder jener Position spielt, ist die Entscheidung des Trainers. Man kann mich auf verschiedenen Position ausprobieren, aber ich sage: Ich spiele seit vielen Jahren auf der Sechs und auf dieser Position bin ich effektiver für die Mannschaft.

sueddeutsche.de: Van Bommel ist Ihr großer Konkurrent im Kampf um einen Stammplatz. Worin unterscheidet sich Ihr Spiel vom Spiel van Bommels?

Timoschtschuk: Solche Vergleiche will ich nicht ziehen. Für mich ist van Bommel ein Partner in der Mannschaft wie jeder andere auch. Ich kenne mein Spiel, ich bin bereit, auf dem Platz 90 Minuten zu fighten und zu kämpfen. Und gerade dieser Kampfgeist ist das, was man meiner Meinung nach von einem Sechser fordert. Diese Position ist erstens sehr wichtig, weil in der Mitte des Feldes sehr viel entschieden wird, und zweitens nicht sehr leicht. Es gibt nicht viele Spieler, die diese Position auf einem hohen Niveau ausfüllen können.

sueddeutsche.de: Es heißt, van Gaal plane Sie auch als Rechtsverteidiger ein, falls Philipp Lahm ausfällt oder auf der linken Seite verteidigen muss. Wären Sie bereit, als rechter Verteidiger zu spielen?

Timoschtschuk: Sagen wir so: Ich habe in meiner Karriere vom Linksverteidiger bis zum Angreifer schon alles gespielt, sowohl in der Nationalelf als auch bei Schachtjor Donezk auch auf der rechten Verteidigerposition. Schachtjor hat mich als Stürmer gekauft, als ich 18 war. Danach, mit 20, 21, habe ich angefangen, im Mittelfeld zu spielen, schließlich als Sechser. Doch jeder Spieler sollte eine Rolle haben, in der er seine Qualitäten am besten zeigen kann. Deswegen denke ich nicht, dass man für einen Spieler irgendetwas ausdenken oder Neues finden muss. Erst recht nicht für einen Spieler, der in seiner Karriere mehr als 600 Spiele bestritten hat, darunter rund 200 internationale.

sueddeutsche.de: Hat es Sie gefreut, dass nach dem Kauf von Robben van Gaal das System auf 4-3-3 umgestellt hat?

Timoschtschuk: Natürlich ist das 4-3-3 bequemer für mich, weil ich in den vergangenen Jahren bei Zenit genau so gespielt habe wie jetzt Bayern spielt.

sueddeutsche.de: Viele sagen, dass der FC Bayern Probleme in der Abwehr hat. Dennoch ist er offensiv aufgestellt, mit nur einem "Sechser" und fünf mehr oder weniger nach vorne orientierten Spielern.

Timoschtschuk: Fußball ist heutzutage ein Spiel, in dem die ganze Mannschaft verteidigt. Aber alles muss ausbalanciert sein. Wenn es die Situation und der Gegner erlauben, dass fünf Spieler in der Offensive spielen können, warum sollte man nicht so spielen? Man muss schauen, gegen wen man spielt und in welche Richtung das Spiel angelegt ist. Wie viele Mittelfeldspieler und wie viele Angreifer spielen, ist nicht wichtig.

sueddeutsche.de: Stimmt es, dass Sie überhaupt keinen Alkohol trinken?

Timoschtschuk: Ja.

sueddeutsche.de: Das heißt, Sie gewinnen vielleicht die Meisterschaft oder die Champions League und Sie feiern ohne Weißbier?

Timoschtschuk: Nicht nur ohne Weißbier, sondern mit überhaupt keinem alkoholischen Getränk. Ich lebe nun mal so. Ich kann mich am Leben erfreuen, dafür brauche ich nicht irgendwelche zusätzliche Stimulatoren in Form von Alkohol.

© sueddeutsche.de/hum
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