HSV schlägt Augsburg 3:2 Ein Sieg für den Glauben

Nicht mehr Letzter: Der Hamburger SV zeigt Nehmerqualitäten und lässt sich beim Sieg gegen den FCA auch nicht dadurch verunsichern, dass er eine 2:0-Führung herschenkt. Trainer Labbadia bekommt "Gänsehaut".

Von Stefan Rommel, Hamburg

Womöglich hat sich der eine oder andere Anhänger des Hamburger SV während der Partie gegen den FC Augsburg gefragt, ob er nicht versehentlich im falschen Stadion gelandet ist. Der HSV lieferte nicht nur einen leidenschaftlichen Fight, er spielte in Ansätzen sogar durchdachten Fußball, erzielte ein paar Tore. Und feierte einen Sieg. Es war der erste Erfolg seit Anfang Februar, er befördert den HSV vier Spieltage vor Schluss zumindest wieder weg vom letzten Platz. "Ich habe immer gesagt, dass wir es sind, die liefern müssen. Und das haben wir getan", sagte der zurückgekehrte Trainer Bruno Labbadia nach der denkwürdigen Partie. "Wenn ich an die Atmosphäre im Stadion denke, bekomme ich Gänsehaut. So etwas kann entscheidend sein im Abstiegskampf. Aber wir müssen den Leuten den Glauben geben, wir als Mannschaft sind hier gefordert."

Von der ersten Sekunde waren die Gastgeber zumindest entschlossen aufgetreten. Mit großem Willen und einfachen spielerischen Mitteln schaffte es der HSV einige Male ins letzte Angriffsdrittel. So stand es nach 19 Minuten tatsächlich 2:0. Der HSV hatte sich nicht nur einige Chancen erkämpft, er konnte diese zur Krönung auch noch ins gegnerische Tor lenken. Wie auch immer.

Erst 595 Minuten ohne Tor - dann zwei binnen acht Minuten

Ivica Olic fälschte mit dem Knie einen Schuss von Zoltan Stieber zum 1:0 ab (11.) und beendete damit die Durststrecke von 595 torlosen Minuten. Nur acht Minuten später stand Pierre-Michel Lasogga nach einer Flanke völlig allein am Fünfmeterraum und erzielte per Kopf das 2:0 - es war, unglaublich genug, am 30. Spieltag das erste Kopfballtor überhaupt der Hamburger in dieser Saison.

Hamburg, mit Rafael van der Vaart zur Abwechslung doch wieder auf der Doppel-Sechs, erwartete den Gegner tief, um bei Ballbesitz mit langen Zuspielen nach vorne zu agieren. Das funktionierte deshalb erstaunlich gut, weil die Gäste große Probleme hatten mit den zweiten Bällen, die immer wieder flugs den Weg zu einem Hamburger fanden und somit zwangsläufig zu einigen Gelegenheiten für den Tabellenletzten führten. "Es war unerklärlich, wie wir einem Gegner, der total unter Druck stand und nervös war, voll in die Karten gespielt haben", zürnte Augsburgs Sportdirektor Stefan Reuter.

Erst nach dem Doppelschock brachte der FC Augsburg seine spielerische Überlegenheit auch gewinnbringend ein, Raul Bobadillas Kopfballtor nach einem Freistoß war die logische Folge (25.) und Auftakt einer Phase mit weiteren Chancen der Gäste, die aber von Bobadilla und Markus Feulner vor sowie Alexander Esswein unmittelbar nach dem Wechsel vergeben wurden.

Der HSV zeigt Nehmerqualitäten

Augsburg diktierte nun die Partie, brachte die Hamburger Defensive mit zahlreichen schnellen Spielverlagerungen auch ins Laufen. Die größte Chance Mitte der zweiten Hälfte hatten aber wieder die Gastgeber, Zoltan Stieber scheiterte aus fünf Metern frei an Torhüter Marwin Hitz. Stieber war es auch, der kurze Zeit später einen verhängnisvollen Fehlpass im Mittelfeld spielte, der die Partie beinahe kippte. Nach einem Konter über Højbjerg kam der Ball zu Tobias Werner, der den Ball fast vertändelte, ihn dann aber doch flach ins kurze Eck mogelte - HSV-Torhüter René Adler sah dabei nicht besonders gut aus. Im Stadion machte sich eine lähmende Stimmung breit, die Hamburger Mannschaft drohte körperlich und mental schwer angeschlagen zu sein.

Schema & Statistik

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Doch nur 72 Sekunden nach dem 2:2 erzielte erneut Lasogga das bis dahin wohl wichtigste Tor der Saison: Nach einer Kopfballvorlage von Stieber hämmerte der Angreifer den Ball aus acht Metern brachial unter die Latte. Es war ein Tor, das mehr bedeutete als die erneute Führung. Für Lasogga. Und für die gesamte Mannschaft. "Wir haben gewackelt, aber wir sind dieses Mal wieder aufgestanden", sagte Labbadia. "Die Mannschaft ist mit dem Druck und den Rückschlägen sehr gut umgegangen. Jetzt haben wir uns dadurch weitere Endspiele geholt."

Bevor es so weit war, bekamen die gut 50.000 Zuschauer aber noch eine wilde Schlussphase zu sehen. Der HSV wirkte in der letzten Viertelstunde stehend k.o., Augsburg rannte wütend an. Gelegenheiten boten sich noch beiden Mannschaften, Marcell Jansen traf den Innenpfosten (73.), ein 18-Meter-Schuss des Augsburgers Paul Verhaegh in der zweiten Minute der Nachspielzeit ging nur Zentimeter vorbei. Für den FC Augsburg war es ein neuerlicher Rückschlag im Kampf um den europäischen Wettbewerb, die fünfte Auswärtsniederlage in Serie ließ die Mannschaft fast ratlos zurück. "Offenbar taugen wir als perfekter Punktelieferant für die Mannschaften, die unten drin stehen", ärgerte sich Torhüter Hitz. Das könnte eine schlechte Neuigkeit für den HSV und die anderen Klubs im Abstiegskampf sein: Am 33. Spieltag misst der FCA sich daheim mit Hannover 96.