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HSV nach dem 0:8 in München:"Eine beschämende Niederlage"

FC Bayern Muenchen v Hamburger SV - Bundesliga

Acht Mal griff er hinter sich, acht Mal: HSV-Keeper Jaroslav Drobny.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Viele Gegentore in München ist der Hamburger SV seit Jahren gewohnt - aber dieser 0:8-Magenschwinger lässt die Spieler verstummen.
  • Manch einer wirkt, als sei er von den Bayern verprügelt worden.
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Es lief die 71. Spielminute, da schweiften die Gedanken von Dietmar Beiersdorfer ab. Sein Hamburger SV lag 0:7 zurück, doch kurz rückte für den Vorstandsvorsitzenden das Leid seines Klubs in den Hintergrund. Unten wechselte der Gegner gerade Arjen Robben aus. Beiersdorfer erzählte später, er habe sich überlegt, ob er zusammen mit den knapp 70.000 Bayern-Fans klatschen solle für den besten Spieler auf dem Platz. "Ich habe mich dann dazu entschlossen, denn man muss ihm einfach diese Ehre erweisen."

Der Hamburger SV hatte auch mal Spieler, für die selbst der Gegner schwärmte. Doch von dieser Zeit erzählen bald nicht mehr die Väter, sondern nur noch die Großväter. Bei jüngeren Beobachtern des Klubs hingegen führt allein der Name FC Bayern zu leichtem Herzrasen. 0:8 hieß es diesmal. Nullzuacht! Ein Ergebnis wie ein Alptraum. Normalerweise. Doch beim HSV ist das bei einem Ausflug nach München fast schon betrübliche Normalität.

3:31 lautet das Torverhältnis der vergangenen fünf Auswärtsspiele des HSV in München. Das sind im Schnitt mehr als sechs Gegentore.

Verteidiger Heiko Westermann hatte mal ein 2:9 kommentieren müssen, auch Rafael van der Vaart oder René Adler waren damals schon dabei gewesen. Diesmal sagten sie: nichts. Kein HSV-Spieler wollte sich nach der neuerlichen Blamage äußern. Die meisten wählten Umwege zwischen Kabine und Mannschaftsbus, um nur keinem Mikrofon zu begegnen. Westermann, der normalerweise immer was zu sagen hat, humpelte mehr als er ging Richtung Ausgang, den Blick gesenkt, nur ja niemandem in die Augen schauen. Er wirkte, nunja, als wäre er gerade verprügelt worden.

"Wir müssen das schnell abschütteln", fordert Zinnbauer

Für Trainer Josef Zinnbauer war es der erste Untergang in München, er ist noch nicht lange dabei. Deshalb fielen bei ihm noch Sätze wie: "8:0 - das hört sich unglaublich an." Oder: "Das ist ein sehr bitterer Tag in meinem Leben, den werde ich nicht vergessen." Vielleicht bereute er auch ein paar Entscheidungen, die seine Aufstellung betrafen.

In Ashton Götz und Ronny Marcos spielten zwei Jungprofis links und rechts in der Viererkette, vor allem Marcos erlebte gegen Arjen Robben ein Desaster. Wobei das allerdings weniger seine Schuld war als die seiner Mitspieler, die ihn gegen den Irrwisch aus Holland regelmäßig alleine ließen. Dann schickte Zinnbauer recht viele offensive Spieler auf das Feld, in der defensiven Zentrale werkelte eigentlich nur Marcelo Diaz, doch der chilenische Winterzugang war mit all den Müllers, Götzes oder Alabas völlig überfordert. Die dadurch ungeschützte Abwehr hatte gegen den zunehmend mit voller Fahrt rollenden Bayern-Express keine Chance.

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