Hockey:Gemeinsam alt geworden

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Hockey: Sie haben zusammen ihre Geschichte geschrieben: Patrick Fritsche und die Hockey-Spieler des Münchner SC.

Sie haben zusammen ihre Geschichte geschrieben: Patrick Fritsche und die Hockey-Spieler des Münchner SC.

(Foto: Claus Schunk)

Nach vier Jahren harter Arbeit und voller Enttäuschungen kehren die Hockey-Spieler des Münchner SC in die erste Liga zurück.

Von Katrin Freiburghaus

Man sagt Menschen, die Geschichten schreiben, nach, alle von ihnen hätten ein Ewigkeitsprojekt in der Schublade, an dem sie stets arbeiteten, das aber niemals fertig werde. So ähnlich dürften sich die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs in den trüben Momenten der vergangenen vier Jahre gefühlt haben, von denen es einige gab. Umso größer war der Jubel am Sonntag, als die Mannschaft von Trainer Patrick Fritsche vier Spieltage vor Saisonende mit einem souveränen 4:1 (3:1) gegen Lichterfelde die Rückkehr in die erste Bundesliga perfekt machte. "Das ist die Belohnung für vier Jahre harte Arbeit und viele Enttäuschungen - ich bin völlig durch", sagte Fritsche.

Der 32-Jährige hatte das Team 2017 unmittelbar nach dessen letztem Aufstieg mit der Hypothek eines radikalen personellen Umbruchs übernommen und war direkt wieder abgestiegen. "Es gab damals zwei Optionen", sagte er, "entweder alte Spieler holen oder zusammen schnell alt werden." Mit "alt" meinte er in diesem Fall Spiel- und Hockeyerfahrung, und von beidem sammelten die Spieler, von denen die meisten Bundesliga-Neulinge waren, in vier Jahren zweiter Liga im Eiltempo reichlich. "Diese Mannschaft und ich wollten unsere gemeinsame Geschichte schreiben", sagte Fritsche, "deshalb steckt in diesem Erfolg heute alles drin: vom Corona-Training auf der Yogamatte zu Hause bis zum kampflosen Nichtaufstieg im letzten Frühjahr."

Damals war die Aufstiegsrunde der auf zwei Jahre gestreckten Pandemie-Saison wertungslos abgebrochen worden; nach der Hauptrunde war der MSC knapp Zweiter hinter Aufsteiger Frankfurt gewesen. Fritsche moderiert derartige Rückschläge meist progressiv. Von Lernzielen war die Rede und von Prozessen; von jenen Dingen also, die gemeinsame Geschichten länger machen, ihnen aber nicht immer zu einem glücklichen Ende verhelfen.

"Nachdem wir es zweimal so knapp nicht geschafft haben, ist heute von allen ein riesiger Ballast abgefallen"

Vor dieser Saison sei der Druck, das "Investment", wie er es nennt, endlich in den lang ersehnten Wiederaufstieg umzuwandeln, deshalb enorm gewesen, gab Fritsche zu. Dass der MSC nun verfrühte Planungssicherheit genießt, sei darum eher ein angenehmer Nebeneffekt. "Nachdem wir es zweimal so knapp nicht geschafft haben, ist heute von allen ein riesiger Ballast abgefallen", sagte er. Er freue sich auf den Moment, "in dem ich mal ein Glas Wein trinke und in den Münchner Himmel gucke und es genieße".

Die Kaderplanung hingegen sehe er gelassen, weil "die Jungs, die das erarbeitet haben, auch in der ersten Liga spielen". Punktuelle Verstärkung wird eine Option sein, denn der Sprung in die erste Liga ist unleugbar groß. Wenn das MSC-Team zusammenbleibt, dürfte es in puncto Erstligatauglichkeit jedoch das beste seit vielen Jahre sein. Der Kader ist voller U-Nationalspieler, die parallel in der ersten Hallenbundesliga vom Herzschlagfinale um den Klassenerhalt bis zur Endrunde alles mitnahmen. "Ich denke, dass wir gut aufgestellt sein werden", sagte der aus Zeitgründen scheidende Abteilungsleiter Frank Ommert.

Fritsche prognostizierte für die kommende Woche erst einmal nichts außer akuter Kopfschmerzgefahr - nicht nur für Marinus Mack, der während der Partie eine Platzwunde erlitt und mit Kopfverband zu Ende spielte. "Mit so einem Turban kann man immerhin gut auf die Party gehen, da hat man was zu erzählen", sagte Fritsche und lachte. Vor allem, wenn sich das vorläufige Ende so gut liest wie diesmal.

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