VfL Wolfsburg Wann kommt Kaylen Hinds?

Hat ein bisschen Verspätung: Kaylen Hinds vom VfL Wolfsburg.

(Foto: imago/Contrast)
  • Der VfL Wolfsburg startet mit einem Heimspiel gegen Schalke 04 in die Saison. Es besteht Hoffnung, dass es eine ruhigere Spielzeit wird als zuletzt.
  • Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat sich für einen moderaten Umbruch entschieden.
  • Aufregung gibt es allerdings um den Briten Kaylen Hinds, der angeblich in England feststeckt.
Von Carsten Scheele

Kaylen Hinds fehlt immer noch. Seit 29 Tagen schon. Da hätte der junge Brite zum Training beim VfL Wolfsburg aufschlagen sollen - er kam aber nicht. Angeblich, weil Hinds, 20, in seiner Heimat England feststeckt. Angeblich, weil er seinen Reisepass verloren hat. Was anfänglich nach einer kuriosen Geschichte klang, hat sich zum echten Ärgernis entwickelt.

Und die Nerven der Wolfsburger werden dünner. Hinds war gerade von einer Leihe von Greuther Fürth zurückgekehrt, der Verein könne die Angelegenheit "nicht einfach hinnehmen", sagte der neue VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer dem kicker. Es sei ja "kein Geheimnis, dass man nicht so lange braucht, einen Pass zu beantragen". Da gebe es "auch andere Wege und Möglichkeiten".

Schlecht für Hinds, eine Geldstrafe scheint dem Stürmer sicher, womöglich auch eine Abmahnung. Wolfsburg hat längst die Rechtsanwälte eingeschaltet.

Der große Umbruch, den viele erwarteten, bleibt aus

Die Geschichte passt zu einem recht kuriosen Sommer in Wolfsburg, der damit begann, dass der neue Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke als erste Amtshandlung das angekündigte Trainingslager absagte. Sei nicht nötig, erklärte Schmadtke, man habe in Wolfsburg ja die besten Bedingungen. Die Entscheidung war "ein Stück weit Symbolik", sagte Schmadtke. Denn: Der VfL hatte es auf der Ausgabenseite gerne mal übertrieben in den vergangenen Jahren. Mit solchen Extravaganzen soll erst mal Schluss sein. Dazu passt, dass Schmadtke nicht sofort den sechsten Cheftrainer in nur zwei Jahren verpflichtete, sondern weiter an Trainer Bruno Labbadia festhält, obwohl der unter weiten Teilen der Fans sehr wenig Vertrauen genießt - und der VfL in der Rückrunde unter Labbadia teilweise gruseligen Fußball spielte.

Auch in der Mannschaft blieb der große Umbruch, der von vielen erwartet worden war, unter Schmadtke bislang aus. Zweimal in Serie hatte der Bundesliga-Zweite aus der Saison 2014/15 zuletzt gegen den Abstieg gespielt; hätte Schmadtke gewollt, hätte er mit Unterstützung des mächtigen VW-Konzerns sicherlich größer einkaufen können - doch Schmadtke veränderte die Mannschaft vergleichsweise moderat.

In Daniel Ginczek (vom VfB Stuttgart) und dem Niederländer Wout Weghorst (AZ Alkmaar) kamen zwei Zehn-Millionen-Euro-Stürmer nach Wolfsburg, für sieben Millionen Euro wurde der bislang ausgeliehene Kongolese Marcel Tisserand fest vom FC Ingolstadt verpflichtet. Dazu ein paar Spieler, die in wilden Transfermarktzeiten in die Kategorie Schnäppchen fallen, wie der Hannoveraner Felix Klaus, der nur drei Millionen Euro kostete, der sich aber auch gleich einer Bauch-OP unterziehen musste.

Schmadtke versucht Ruhe auszustrahlen, wo er nur kann. Er weiß, über welche Möglichkeiten der VfL mit dem VW-Konzern prinzipiell verfügt. Er sieht aber auch, wie sehr der Klub in den vergangenen Jahren gelitten hat, als die Mannschaft vom ersten Bayern-Jäger zum Abstiegskandidaten zurückgeschrumpft ist. Schmadtke attestiert den Wolfsburgern eine "verletzte Struktur", für die er prinzipiell zwei Möglichkeiten sehe: "Die harte Tour ist extrem teuer, oder Sie machen es sanft und versuchen, die Verletzung, die Sie haben, zu heilen. Da sind wir gerade dabei", so Schmadtke gegenüber der dpa.

Das Ziel: Bloß nichts mit dem Abstieg zu tun haben

Etwas allergisch reagiert Schmadtke in dieser Situation auf Wortmeldungen aus dem VfL-Aufsichtsratspräsidium, von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der schon einen einstelligen Tabellenplatz fordert. Schmadtke hält derlei für verfrüht: "Wir sprechen davon, dass wir uns erst einmal stabilisieren wollen." Ein bis zwei Jahre könne dies dauern. Das Ziel in der kommenden Spielzeit dürfte erst einmal lauten: Bloß nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Am Samstag geht es mit einem Heimspiel gegen Schalke 04 los - ein einfacher Saisonstart sieht anders aus.

Kaylen Hinds wird diese Partie vermutlich noch von England aus verfolgen müssen. Sollte er jemals wieder einen Reisepass erhalten, stehen ihm in Wolfsburg unangenehme Gespräche bevor. Anschließend gilt er - wen wundert es - noch in diesem Sommer als klarer Wechselkandidat.

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