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Labbadia-Debüt:"In meinem Herzen ist immer Emotion"

Bruno Labadia beim Spiel in Sinsheim.

(Foto: AP)

Bruno Labbadia gewinnt gleich sein erstes Spiel als Trainer bei Hertha BSC - in Gedanken ist er aber weiter im Abstiegskampf.

Bruno Labbadia war nach dem 3:0-Sieg seiner neuen Berliner Mannschaft so gut gelaunt, dass er die erwartbare Frage nach den fehlenden Emotionen zu Corona-Zeiten mit einem sehr emphatischen Bekenntnis beantwortete: "In meinem Herzen ist immer Emotion. Ich mache mir die Gefühle selbst im Moment." Wobei: So ganz allein waren die Berliner Spieler bei ihrem überzeugenden Auftritt in Hoffenheim gar nicht. Neben dem von der DFL auf acht Personen begrenzten Block aus Offiziellen tauchte in Sinsheim auch ein in Shorts und Hertha-Trikot gewandeter Trucker auf, der sein Fahrzeug an der nahegelegenen Tankstelle abgestellt hatte und außerhalb des Stadions bis zum Schlusspfiff ausharrte.

Eine gute Entscheidung: Gleich drei Mal klangen schließlich Berliner Jubelschreie an sein 100 Meter Luftlinie entferntes Ohr. Auf dem Platz herrschte hingegen so etwas wie Bolzplatzatmosphäre - nur ohne Bratwurstgeruch und Werbedurchsagen. Fußball-Romantiker hätten aber wohl die deutlich hörbaren Zurufe und das charakteristische Geräusch geschätzt, das entsteht, wenn ein Kickschuh auf einen Ball trifft und der Torwart seinen Vorderleuten ein kerniges "Leo" zuruft. Da nützte auch die eigentlich recht kraftvolle Einlaufmusik "Sonne" von Rammstein nichts.

Irgendwann wurde es dann aber doch vergleichsweise laut. Als Schiedsrichter Christian Dingert Herthas Peter Pekarik nach zehn Minuten verwarnte, intervenierte Bruno Labbadia in gehobener Dezibelzahl: "Da muss man doch nicht gleich eine Gelbe Karte geben", rief er. Und: "Nee, das ist keine Gelbe Karte". War es aber doch. Einerlei war es aber letztlich auch angesichts des Großen und Ganzen. "Der Sieg heute war ein echter Brustlöser", fand Labbadia. "Machen wir uns nichts vor. Wir stecken mitten im Abstiegskampf. Und wenn ich mir unser restliches Programm anschaue, war der Sieg sehr wichtig."

Hertha wirkt entschlossener als Hoffenheim

Herthas neuer Trainer hatte mit seinen zahlreichen bisherigen Erstliga-Klubs schon sechsmal gegen Hoffenheim gewonnen und damit einen Bundesligarekord aufgestellt, sein Kollege Alfred Schreuder hatte solcherlei Zahlenmystik im Vorfeld hingegen als wenig aussagekräftig bezeichnet, was laut einer anderen Statistik auch wohlbegründet war. Denn labbadialos und auf sich allein gestellt hatte Hertha nur 5 von 19 Spielen gewonnen. Zudem hatte Schreuder bei der Analyse von Labbadias Wolfsburger Partien durchaus Systematiken erkennen können. Vielleicht war das ja der Grund, warum Labbadia am Samstag auf eine 4-2-3-1-Formation mit Vedad Ibisevic als einziger Spitze anstatt auf das wohl auch von Schreuder erwartete 4-3-3 setzte.

Und siehe da: Hertha war nicht erst im torreichen zweiten Durchgang die bessere von zwei Mannschaften, denen man wenig überraschenderweise anmerkte, dass die vergangenen Wochen eher ungewöhnlich waren. Schon im Zweikampfverhalten waren die Gäste stärker, Hoffenheims Sebastian Rudy wurde beim Spielaufbau nicht zum ersten Mal in seiner Karriere recht konsequent angelaufen, auch ansonsten ging die Hertha entschlossener zum Ball als Hoffenheim, das im zweiten Durchgang entkräftet und unkonzentriert wirkte, während man Hertha anmerkte, dass Labbadia hier einen Sieg mitnehmen wollte.

Maximilian Mittelstädt (49.) und Ibisevic (55.) übten noch, doch dann fielen binnen weniger Sekunden die ersten beiden Tore: Beim 0:1 fälschte Hoffenheims Kevin Akpoguma einen Schuss von Pekarik so dramatisch in den Torwinkel ab, dass ein Eigentor notiert werden musste (58.), kurz darauf köpfte Ibisevic das 0:2 (60.). Weder bei der Flanke von Marvin Plattenhardt noch im Abwehrzentrum schien man bei der TSG irgendetwas gegen ein Gegentor unternehmen zu wollen.

Auch das dritte und letzte Berliner Tor war traf nicht gerade auf erbitterte Gegenwehr der Hoffenheimer Defensive. Den bedauernswerten Akpoguma ließ Cunha doch ziemlich hilflos aussahen, bevor er aus spitzem Winkel das 0:3 erzielte (74.) und der eingewechselte Jessic Ngankam in der Nachspielzeit immerhin noch den Pfosten traf. Der Rest war Emotion. Zumindest bei Labbadia, seiner Mannschaft und einem Berliner LKW-Fahrer.

© SZ.de/schm

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