Hertha BSC:"Schmutziges Geld" und die zweite Pleite

Hertha BSC: Damals neugewählter Präsident von Hertha BSC: Kay Bernstein im Jahr 2022.

Damals neugewählter Präsident von Hertha BSC: Kay Bernstein im Jahr 2022.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Bei Bundesliga-Absteiger Hertha BSC ist die Aufregung schon wieder groß. Er blamiert sich beim 0:1 gegen Wehen - und erzürnt seine Fans mit einem neuen Trikotsponsor, der aus mehreren Gründen umstritten ist.

Von Javier Cáceres, Berlin

Die Revolution sei längst im Gange, tönte Hertha-Präsident Kay Bernstein Anfang Juli im einem Interview mit n-tv, und sie sei auch "nicht mehr aufzuhalten". Damals konnte man der Verlockung erliegen, im Wahlprogramm des früheren Ultra-Chefs aus dem Sommer 2022 nachzuschauen, wo auch ein "Sponsoring-Kodex" zu finden war, in dem unter anderem stand: "Grundsätzlich müssen alle Sponsorings auf Ethik und Zukunftsfähigkeit überprüft werden. Die Ausrede ,Wir brauchen aber das Geld!' ist eines Vereins wie Hertha BSC nicht würdig."

Was das konkret heißen solle, wurde auch erläutert: Der "Big Bang" dieser Haltung sei die "Ablehnung der schmutzigen Sportwetten-Kohle". Am Freitag war dann die Frage, ob man sich an Ovid ("Die Zeiten ändern sich") oder an Altkanzler Adenauer ("Was schert mich mein Geschwätz von gestern") erinnert fühlen sollte. Denn der finanziell klamme Erstliga-Absteiger stellte einen neuen Trikotsponsor vor. Und siehe: Es war ein Sportwetten-Anbieter.

Der Vertrag läuft "nur" für eine Saison

Wie der neue Partner ankommt, ließ sich gleich am Abend beobachten. Da verlor die Hertha wegen eines Gegentors in der Nachspielzeit gegen den Aufsteiger SV Wehen auch das zweite Saisonspiel (0:1) - und machte den Fehlstart in die Zweitliga-Saison damit perfekt. Und es gab im mit mehr als 40 000 Zuschauern besetzten Olympiastadion nicht nur Unmut über den Auftritt, sondern auch wiederholt Pfiffe und Banner gegen den neuen Sponsor.

Ausweislich der Bild und des Kicker kann Hertha relativierend einwerfen, dass man nur ganz wenig "schmutziges Sportwetten-Geld" nehmen wird - knapp zwei Millionen Euro -, und das dann auch nicht so lange. Der Vertrag läuft "nur" für eine Saison. Unter den Hertha-Anhängern sorgte der neue Hauptpartner des Klubs aus einem weiteren Grund für ein großes Hallo. Das Logo des Sponsors ist ein großes, weißes "B", das man mit wenig Phantasie dem Autokennzeichen Berlins zuordnen könnte. Oder steht es doch für Big City Club? Für Hertha?

Das Problem, aus Sicht der Hertha-Gläubigen: Das weiße B prangt halt auf einem Grund, der so knallrot ist wie das neue Trikot von Union Berlin. Dort wiederum ist das Logo eines US-Filmstudios zu sehen, was noch ein Mysterium birgt. Denn dass in der deutschen Hauptstadt vor allem Hertha beständig für großes Kino bürgt, sollte sich eigentlich bis Hollywood herumgesprochen haben.

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