Hannover 96 Erst in die Kabine, dann zur Kontrolle

Die Hannoveraner bejubelten den Siegtreffer von Martin Harnik (links), nach dem Spiel verstieß einer von ihnen jedoch gegen die Anti-Doping-Richtlinien.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Beim Bundesliga-Auftakt in Mainz verstieß ein Spieler von Hannover 96 gegen die Anti-Doping-Regeln.
  • Dass nichts passierte, zeigt den laxen Umgang mit dem Thema Doping.
  • In der Branche wird das Thema noch immer klein geredet.
Von Johannes Aumüller

Beim Auftakt der Bundesliga-Saison zwischen Mainz und Hannover (0:1) ist es bei der anschließenden Dopingkontrolle zu Abweichungen gegenüber dem vorgeschriebenen Ablauf gekommen. Das bestätigte die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) am Mittwoch auf Anfrage. Nach SZ-Informationen suchte ein für die Probe ausgeloster Gäste-Spieler nach der Partie erst einmal die Kabine auf, ehe er zum Dopingkontrollraum ging, um eine Urinprobe abzugeben. Beim Zusammentreffen fragte der Kontrolleur demnach den Spieler mahnend, ob er denn die Regeln kenne.

Diese Regeln sind recht klar. Nach jeder Bundesliga-Partie geben pro Klub zwei ausgeloste Spieler eine Dopingprobe ab. Ab dem Schlusspfiff müssen sie durchgehend unter Beobachtung eines sogenannten Chaperons stehen, damit Manipulateure keine Vorkehrungen für einen Negativtest treffen können. Zudem sollen sich die Spieler sofort in den Dopingkontrollraum begeben. Gemäß Reglement ist es den Athleten unter gewissen Umständen erlaubt, vorher noch einmal die Kabine aufzusuchen - in Begleitung eines Chaperons. Anders als in anderen Sportarten braucht es in der Bundesliga dazu allerdings die Genehmigung des Dopingkontrollarztes.

Die Fußballbranche redet das Dopingthema generell klein

"Diese wurde im vorliegenden Fall möglicherweise nicht rechtzeitig eingeholt, sodass der Dopingkontrollarzt Sportler und Chaperon davon erneut in Kenntnis setzen musste", teilt die für Bundesliga-Proben zuständige Kontrollfirma SMS mit. Trotz dieses Eingeständnisses kommt sie zu dem Schluss, es habe keine Abweichung vom Dopingkontroll-Standard gegeben; "eine lückenlose Überwachung war jederzeit gewährleistet". Hannover 96 sagte zum konkret geschilderten Vorgang nichts, teilte aber generell mit: "Fakt ist, dass sich beide ausgelosten Spieler nach dem Abpfiff immer unter Aufsicht eines Doping-Verantwortlichen befanden, also des Chaperons oder des Kontrollarztes."

In jedem Fall ist der Umgang mit dem Vorfall bemerkenswert. Denn der Kontrolleur vermerkte ihn in seinem ursprünglichen Bericht an die Nada nicht. Auf eine erste SZ-Anfrage hin hatte die Nada am Dienstag noch mitgeteilt: "Die Aussage unserer Kontrollfirma und die Auswertung der uns vorliegen Kontrolldokumente lassen keine Unregelmäßigkeiten bei der Organisation und Durchführung der Kontrolle erkennen." Erst am Mittwoch stellte sich heraus, dass der Kontrolleur in Folge der SZ-Anfrage nun doch einen Sonderreport zu dem Vorfall in Mainz anfertigen wird - fast drei Wochen nach dem Spiel. Angaben zur konkreten Bewertung des Sachverhaltes sowie möglichen Folgen wollte die Nada aber noch nicht machen. Dafür müsse sie erst den Bericht des Kontrolleurs abwarten, der sich derzeit im Urlaub befinde; sie wolle diesen jedoch "unverzüglich" haben.

Die Fußballbranche redet das Dopingthema generell klein. Dazu passt auch ihr oftmals laxer Umgang mit dem Anti-Doping-Reglement bei der ohnehin nur geringen Anzahl an Tests. 2011 etwa wollten Kontrolleure von Europas Fußball-Union (Uefa) zehn Spieler von Bayer Leverkusen testen. Doch ein ausgesuchter Akteur fehlte: Michael Ballack. Er sei wegen seiner noch nicht auskurierten Grippeerkrankung auf der Anfahrt zum Training wieder zurück nach Hause beordert worden, teilte der Klub damals mit. Am Ende verhängte die Uefa eine Sanktion über 25 000 Euro wegen Verstoßes gegen die Meldepflicht.

Vor gut acht Jahren erschienen die Hoffenheimer Profis Christoph Janker und Andreas Ibertsberger nach dem Spiel nicht sofort im Dopingkontrollraum, sondern nahmen zunächst an einer Mannschaftsbesprechung in der Kabine teil. Die beiden Spieler erhielten letztlich keine Strafe, der Klub musste 75 000 Euro zahlen. Der damalige Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick empörte sich: Es sei doch gängige Praxis, dass der Spieler erst mal mit in die Kabine gehe. Nach dem Vorfall bei Mainz gegen Hannover stellt sich nun die Frage, wie viele Vereine das immer noch als gängige Praxis ansehen.

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