Handball:Weltrekord in der dritten Liga

HSV Hamburg - DHK Flensburg

Hamburgs Kapitän Lukas Ossenkopp vor einem Jahr beim Weihnachtspiel 2016.

(Foto: dpa)
  • Deutscher Meister, Champions-League-Sieger: Der HSV Handball war einmal die beste Mannschaft Europas.
  • Dann stürzte der Verein bis in die vierte Liga ab.
  • An Weihnachten wollen die Hamburger mit einem Zuschauer-Weltrekord auf sich aufmerksam machen.

Von Carsten Scheele

Die Prognose für die Zuschauerzahl steigt immer weiter. Auf der Homepage des HSV Handball tickt die Zahl der verkauften Tickets für das Weihnachtsspiel am zweiten Feiertag; es waren mal 5000 Zuschauer, dann 6000, mittlerweile sind es fast 9000. Ein Rekord für die dritte deutsche Handball-Liga, sehr wahrscheinlich auch ein neuer Weltrekord, jedenfalls wurde nie eine höhere Zuschauerzahl bei einem Amateurspiel gemeldet.

Der Drittliga-Tabellenführer Hamburg trifft auf den Zehnten VfL Fredenbeck, das ist nicht gerade ein sportliches Spitzentreffen. Doch die Symbolik zählt: Der Profihandball hat in Hamburg einen großen Absturz hinter sich, nun soll wenigstens einmal im Jahr gezeigt werden, dass man mit dieser Sportart noch große Hallen füllen kann. An Weihnachten, mit einer Zuschauerzahl, von der die meisten Bundesligisten nur träumen können. Wie im Vorjahr, als zum Weihnachtsduell mit Flensborg bereits über 8000 Zuschauer kamen.

Einst gewann der HSV die Champions League

Handball in Hamburg, das ist die Geschichte eines großen Scheiterns, aber auch eine der mühsamen Versuche, es nun besser zu machen. 1999 wurde der HSV gegründet, der Verein übernahm die Bundesligalizenz des VfL Bad Schwartau, kräftig subventioniert vom Mäzen Andreas Rudolph, der nach eigenen Angaben bis zu 50 Millionen Euro in Verein und Mannschaft steckte. Das ging lange gut, bis Rudolph sich irgendwann im Groll zurückzog.

Zunächst hatte sich unter Rudolph der gewünschte Erfolg eingestellt: In der Saison 2010/2011 wurde der HSV Deutscher Meister. Zwei Jahre darauf folgte der Gewinn der Champions League. Sogar den großen THW Kiel hatte man in dieser Zeit überholt. Dann ging es bergab. Es folgten der Rudolph-Abschied, die Insolvenz, der Neubeginn 2015 in der Oberliga, der vierten Spielklasse.

Seitdem ist alles mehrere Nummern kleiner. Die bekanntesten Namen sind seitdem Martin Schwalb, der frühere Meistertrainer, Nationalspieler und heutige Präsident. Dazu Stefan Schröder, der schon in der Bundesliga beim HSV spielte - und Torsten Jansen, der Weltmeister von 2007, der das Traineramt übernommen hat. Doch alles fühlt sich gesünder an als früher. Der HSV verlässt sich finanziell nur noch auf sich selbst, hat eine Mannschaft voller Talente, wie dem Nachwuchs-Spielmacher Leif Tissier, mit einem Trainer, der in der Branche zumindest als Spieler einen der größten Namen hatte. "Es gibt im Augenblick gar keinen spannenderen Verein als uns", sagte Schwalb der Zeitung Die Welt.

Es soll mehr werden als nur ein Handball-Spiel

Auf niedrigem Niveau stimmt das vielleicht, jedenfalls ist der HSV dabei, immerhin die Rückkehr in die zweite Liga klarzumachen. Ein Muss ist dieser Aufstieg nicht, der Etat beträgt rund eine Million Euro, das ist viel für diese Liga, aber nicht unanständig viel. Die Mannschaft könnte auch in der dritten Liga weiterspielen, betont der Präsident. "Vor zwei Jahren war der Spitzenhandball in Hamburg tot", sagt Schwalb, "da lasse ich mir jetzt nicht von außen erzählen, dass wir zum Aufstieg verdammt sind."

Doch nun erst mal das Handball-Fest am Dienstag (Anpfiff um 15 Uhr) in der großen Arena im Volkspark, mit Showacts und einer Charity-Aktion, bei der die Zuschauer alte Schuhe mitbringen und für einen gutem Zweck spenden können. Es soll mehr werden als nur ein Spiel, eine Werbung für die Sportart in der Stadt. Der Weltrekord gerät da zur Nebensache.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema