Handball:Viel los in der wilden Liga

THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt

Kiels Sander Sagosen zieht ab - und die Flensburger versuchen verzweifelt, ihn zu blocken.

(Foto: Frank Molter/dpa)

In der Handball-Bundesliga gibt es schon am dritten Spieltag Debatten: Flensburg verliert das Nordderby krachend, Aufsteiger Hamburg feiert den ersten Sieg - und Melsungen entlässt den Trainer.

Von Carsten Scheele

Eine Derby-Pleite in zweistelliger Höhe, heieiei, so heftig hat es die Handballer der SG Flensburg-Handewitt lange nicht erwischt. Zu Beginn der Saison 2011/12 war's richtig schlimm, 21:35 beim THW Kiel; es war jene Spielzeit, die der THW mit der perfekten Ausbeute von 68:0 Punkten beenden sollte.

Aber wehgetan hat es auch diesmal. Am Sonntag wirbelten die Kieler wieder wild durch die eigene Halle, erst im Spiel, dann beim Feiern - 33:23 gegen den alten Rivalen. "Wir haben unfassbar gut gespielt", erklärte Kiels Sander Sagosen, und das, dank der Corona-Lockerungen, in einer fast voll besetzten Halle vor 9000 Zuschauern. "Die Atmosphäre war der Wahnsinn, ein echter Traum", sagte der Norweger: "Für diese Kulisse arbeiten wir das ganze Jahr."

Die Flensburger wollten dieses Derby im Vorhinein natürlich nicht herschenken, eine echte Chance hatten sie aber schon beim Anpfiff nicht. Ohne eine komplette Rückraumbesetzung hat selten ein Team in Kiel gewonnen, bei der SG fehlen in Lasse Möller (Knorpelschaden), Franz Semper (Kreuzbandriss), Göran Sögard Johannessen (Leistenbeschwerden) sowie Magnus Röd (Patellasehne) langfristig tragende Kräfte. Trainer Maik Machulla konnte in Kiel nicht mal einen Linkshänder im Rückraum aufbieten. "Wir waren in vielen Bereichen nicht konkurrenzfähig", klagte der Coach, sein Team hat nun bereits drei Minuspunkte auf dem Tabellenkonto, drei mehr als der Titelfavorit aus Kiel. "Der ganze Verein wird jetzt eine schwierige Phase durchmachen müssen", kündigte Machulla angesichts der vielen, vielen Verletzten an: "Das Dümmste, das wir jetzt machen können, ist, über die Meisterschaft zu reden."

In Melsungen muss schon nach dem dritten Spieltag Trainer Gudmundsson gehen

Da Machulla vor Ende Oktober kaum Aussichten auf einen aufgefüllten, schlagkräftigen Kader hat, wird schon laut über Verstärkungen nachgedacht. Wilde Dinge werden die Flensburger transfertechnisch kaum anstellen, die Verpflichtung des talentierten Dänen Mathias Gidsel, er spielt momentan in seiner Heimat in Gudme, wäre für den rechten Rückraum aber ein logischer Schritt. "Wir denken über ganz viele Situationen nach", sagte Machulla und bestätigte: "Mathias ist natürlich auch jemand, wo wir uns Gedanken machen."

Während sich Flensburg sehr früh in der Saison aus dem engeren Kreis der Meisterschaftsanwärter verabschieden könnte, geht es auch anderswo in der Liga recht wild zu. Zuvorderst beim HSV Hamburg, dem Aufsteiger, der am Sonntag in eigener Halle zur allseitigen Überraschung die Rhein-Neckar Löwen furios 32:27 besiegte. Als der überragende Torwart Johannes Bitter nach Schlusspfiff mit seinen Teamkollegen über die Platte tanzte, wurden Erinnerungen wach an Zeiten, als die HSV-Handballer noch große Titel in Europa gewannen. Es war der erste Bundesligasieg des Klubs seit mehr als fünf Jahren.

Und auch aus dem ambitionierten Melsunger Handballprojekt gibt es früh aufsehenerregende Nachrichten: Nachdem es die Mannschaft mit ihren zahlreichen deutschen Nationalspielern auch im dritten Saisonspiel nicht geschafft hat, den ersten Sieg zu erzielen, musste Trainer Gudmundur Gudmundsson, der nebenbei auch Islands Nationalteam trainiert, gehen. Laut Geschäftsführer Axel Geerken lautet der triftige Grund: Trainer und Mannschaft hätten leider "nicht wie erhofft zueinander gefunden".

© SZ/bkl/tbr
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