Handball-Torhüter Dario Quenstedt:"So ein gehaltener Siebenmeter ist das Geilste"

Germany v Croatia - Handball Friendly Match

Das Publikum jubelt, der Torhüter auch: Dario Quenstedt gegen Kroatien.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Dario Quenstedt rettet den deutschen Handballern den Testspielsieg gegen Kroatien - mit einem gehaltenen Siebenmeter in letzter Sekunde.
  • Er ist nun der Favorit für einen Platz im EM-Kader hinter Stammtorhüter Andreas Wolff. Für Silvio Heinevetter wird es eng.

Von Carsten Scheele, Hannover

Falls Silvio Heinevetter das Länderspiel der deutschen Handballauswahl am Samstag, am "Tag des Handballs", gegen Kroatien im Fernsehen verfolgt hat, wird er sich seinen Teil gedacht haben. Da stand sein Konkurrent Dario Quenstedt im Tor, die Spielzeit war gerade abgelaufen, es hieß 24:23 für das deutsche Team, allerdings: Die Kroaten durften noch einen Siebenmeter werfen. Sieg oder Ausgleich, es lag an Quenstedt. Der wackelte mit dem ganzen Körper, ging die erste Wurftäuschung des Schützen Vlado Matanovic mit, ließ seine linke Hand nach oben schnellen - dann hatte er den Ball.

Für die Handballer sind es noch etwas mehr als zwei Monate bis zur Europameisterschaft in Schweden, Norwegen und Österreich. Bundestrainer Christian Prokop wird den Kader vor dem Turnier erheblich reduzieren müssen, auch bei den Torhütern, bei denen Prokop in der WM-Analyse Steigerungspotenzial ausmachte. Da war es für Heinevetter, 35 Jahre, 192 Länderspiele, ein Schlag, dass Prokop für den letzten wichtigen Lehrgang vor der EM hinter dem gesetzten Andreas Wolff den Neu-Kieler Quenstedt nominierte, dem dann auch noch dieser Siebenmeter kredenzt wurde: Nach der Parade entlud sich ein Jubelgebrüll über Quenstedt, als habe der neben dem Ball auch den EM-Pokal festgehalten.

War es das schon, das Ticket zur EM? "Nein, noch nicht", sagte Prokop. "Wenn man sich nur über einen gehaltenen Siebenmeter empfiehlt, wäre das ein bisschen dürftig", befand auch Quenstedt. Heinevetter und der Wetzlarer Till Klimpke gehören weiterhin zum engeren Kreis der Torhüter für die Europameisterschaft, doch Quenstedt ist hinter Wolff nun der Favorit.

Heinevetter hat Probleme im Verein - Quenstedt nicht

Für den erfahrenen Heinevetter, den Olympia-Dritten von 2016 und nach wie vor bekanntesten deutschen Handballer, wird es schwer, den Rückstand aufzuholen. Quenstedt spielt beim THW Kiel eine gute Saison, ist zwar die Nummer zwei hinter dem Dänen Niklas Landin, erhält aber viele Spielanteile, auch in wichtigen Phasen. In Berlin setzt Füchse-Trainer Velimir Petkovic hauptsächlich auf Dejan Milosavljev, Heinevetter bekommt seine Minuten eher gegen die mittel- und unterklassigen Teams. Zur kommenden Saison wechselt er nach Melsungen.

Prokop lobte Quenstedt insbesondere für seine Leistungssteigerung gegenüber dem knappen 26:25 beim Hinspiel in Zagreb, als Quenstedt einige unglückliche Aktionen hatte und anschließend harsche Selbstkritik übte. Im Rückspiel kam Quenstedt zur zweiten Halbzeit, ließ in den ersten zehn Minuten gerade mal einen Gegentreffer zu. "Diese Präsenz, die man braucht im Tor, die hat er sich erarbeitet", lobte Prokop. Dass Quenstedt in der Schlusssekunde dann auch noch den finalen Strafwurf parierte, überraschte dann niemanden mehr. "So ein gehaltener Siebenmeter ist das Geilste", sagte Quenstedt, "abgesehen vom Familienleben."

Die Entscheidung zwischen Heinevetter und Quenstedt (der Wetzlarer Till Klimpke dürfte eher ein Mann für die kommenden Jahre sein) bleibt für Prokop selbstredend eine Luxussituation. Ein weiteres Detail, das jedoch für Quenstedt spricht: Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat gerade Mattias Andersson als neuen Torwarttrainer verpflichtet. Aktuell coacht der Schwede bereits die Handballer des THW Kiel, also auch Quenstedt.

Zudem sieht Prokop, wie gut sein neues Duo harmoniert. "Andi ist jemand, der lebt von seinen Emotionen. Da versuche ich manchmal, ihn runterzuholen. Genauso brauche ich jemanden, der mich pusht", erzählte Quenstedt. Wolff sagte, Quenstedts Leistung gegen die Kroaten sei "ein Empfehlungszeugnis" gewesen. Laut, im Fernsehen, so dass es alle hören konnten.

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