Handball:Doping-Aufregung zur Unzeit

Saskia Lang HCL 18 beim Spiel Handballclub Leipzig HCL vs SG BBM Bietigheim Handball 1 Liga 1

Vorläufig suspendiert: Nationalspielerin Saskia Lang.

(Foto: imago/Eibner)
  • Nationalspielerin Saskia Lang wird positiv getestet und von der Handball Bundesliga Frauen vorläufig gesperrt.
  • In einer Blut- und Urin-Probe vom 25. April hätte sich "eine geringe Spur des pflanzlichen Stoffs Higenamin" befunden, teilt der Deutsche Handballbund mit. Dieser steht seit Januar auf der Verbotsliste der Wada.
  • Weil im Dezember die WM im eigenen Land stattfindet, könnte der Fall größere Tragweite für den Sport in Deutschland besitzen.

Von Saskia Aleythe

Sich beim neuen Arbeitgeber in bestmöglicher Manier zu präsentieren, ist auch unter Sportlern ein präsenter Wunsch. Saskia Lang, Handballspielerin im Hauptberuf, hat nun sechs Jahre mit Bällewerfen beim HC Leipzig verbracht, nur wenige Kilometer entfernt beim Thüringer HC beobachtete man das ganz genau: Mitte März unterzeichnete die 30-jährige Nationalspielerin dort einen Zweijahresvertrag, in wenigen Tagen startet die Saisonvorbereitung bei ihrem neuen Klub. Nur mit dem guten Eindruck zum Arbeitsstart wird es nun schwierig: Lang wurde auf eine verbotene Substanz positiv getestet und steht nun unter Dopingverdacht.

Seit fünf Monaten hat Lang nicht mehr Handball gespielt, im Januar erlitt sie schlimme Verletzungen im rechten Knie: Kreuzband, Innenmeniskus und Außenband waren gerissen. Lang wurde operiert, machte seitdem Reha. Am 25. April schaute die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) vorbei und fand bei der Untersuchung von Blut- und Urinproben "eine geringe Spur des pflanzlichen Stoffs Higenamin", wie es in der Mitteilung des Deutschen Handballbundes (DHB) heißt.

Es ist ein Stoff, der in Nahrungsergänzungsmitteln, auch zur Diätunterstützung, vorkommen kann, mit positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Bronchien. Erst im Januar war es in die Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur aufgenommen worden. Lang selber wollte zum laufenden Verfahren keine Angaben machen, ließ aber mitteilen, dass sie "eine Überprüfung aller aufgrund ihrer Rekonvaleszenz ärztlich verordneten Medikamente und eingenommenen Nahrungs- und Getränkeergänzungen veranlasst" habe.

Sportlich ist das deutsche Team im Aufschwung

Der Fall ist speziell, die Tragweite unbekannt, aber er könnte Auswirkungen auf den gesamten deutschen Frauenhandball haben. 2017 ist ein besonderes Jahr für den Sport, im Dezember startet die WM im eigenen Land. Sechs Standorte, 84 Spiele, mehr Aufmerksamkeit geht nicht für den Sport - und an Aufmerksamkeit ist der Frauenhandball in Deutschland nicht gerade reich. Was sich in etwa daran zeigt: Dass mit dem sechsmaligen deutschen Meister HC Leipzig der über Jahre hinweg dominierende Traditionsklub gerade wegen Finanzproblemen wohl in die dritte Liga abstürzt, sorgt nur unter Handball-Insidern für Bestürzung. Umso bedrohlicher wirkt die Macht eines möglichen Skandals: Im Jahr der Heim-WM als Gastgeber mit Dopingfall auftreten? Für das eigene Image wäre das ein massiver Schaden.

Dabei wurde der Image-Fortschrittsbalken der deutschen Nationalmannschaft gerade erst länger: Im Dezember präsentierte sich das Team unter seinem neuen Trainer Michael Biegler bei der EM in Schweden gestärkt, erreichte mit nur einer Niederlage Rang sechs, die beste EM-Platzierung seit 2008. "Das lässt hoffen auf die WM", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann damals und war imponiert von der Leistung der Frauen. Saskia Lang hatte im Rückraum 20 Tore beigetragen, mit der zweitmeisten Einsatzzeit aller deutschen Spielerinnen bei der EM.

Handballspielen wird Lang vorerst nicht, die Handball Bundesliga Frauen (HBF) sperrte sie vorläufig. "Wie das Kontrollergebnis zu bewerten ist und zu welcher Entscheidung es führt, wird das weitere Verfahren zeigen", sagte DHB-Präsident Michelmann. Nun liegt es beim Verband, über weitere Sanktionen zu entscheiden, auf die hauseigene Anti-Doping-Kommission kommt nun mehr Arbeit zu als gewohnt. Über Dopingfälle ist in dem Sport wenig bekannt, am prominentesten machte in Deutschland noch der Fall Michael Kraus die Runde. Weil der Weltmeister von 2007 drei Mal bei Kontrollen innerhalb von 18 Monaten nicht aufzufinden war, wurde er 2014 für drei Monate gesperrt. Was man aus dieser Geschichte ablesen kann, dürfte dann auch den DHB beunruhigen: Selbst ein Dopingverdacht bleibt immer hängen.

© SZ vom 22.06.2017/ska
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