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Bakery Jatta beim HSV:Spiel unter falschem Namen?

HSV-Spieler Bakery Jatta

Bakery Jatta im Trikot des HSV.

(Foto: dpa)
  • Bakery Jatta kam als Flüchtling nach Deutschland, schnell wurde sein fußballerisches Talent entdeckt. Er bekam einen Profi-Vertrag beim Hamburger SV.
  • Nun tauchen Zweifel an seiner Identität auf. Laut eines Berichts der Sport-Bild sollen Name und Alter des Spielers nicht stimmen.
  • Der HSV vermerkt, man habe Bakery Jattas Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen.

An einem verschneiten Tag im Januar 2016 saß ein junger, schmaler und freundlicher Mann aus Afrika zwischen Betreuern und Beratern in einem Büro in der niedersächsischen Provinz, ein zeitgenössisches Märchen nahm seinen Lauf. Bakery Jatta sei 17 Jahre alt, unbegleiteter Flüchtling aus Gambia, habe Wüste und Meer hinter sich gelassen und nie in einem richtigen Verein gespielt, hieß es. Dennoch hatte er gerade ein Probetraining beim damals noch erstklassigen Hamburger SV absolviert und dabei sogar ein Tor geschossen. "Ein Traum", sagte er auf Englisch. Fünf Monate später, offiziell soeben volljährig, unterschrieb Bakery Jatta beim HSV.

Irre Geschichte, kannst du kaum erfinden. Ein Naturtalent aus einem armen Land gelangt durch die Sahara und über das Mittelmeer nach Deutschland, landet in einer Bremer Erstaufnahme und danach in der Botheler Akademie des früheren Boxers Lothar Kannenberg, einem Streetworker. Er fällt beim Fußballspielen auf und wird praktisch über Nacht Profi in der Bundesliga, nachdem er daheim dem Vernehmen nach nur in einer Art Fußballschule und vor dem Haus gekickt hatte. Stutzig macht am Anfang beim HSV zwar vor allem sein Alter, Jatta wirkt reifer - ist der wirklich erst 17, fast 18? Doch dann folgt dem Vertrag die Aufenthaltsgenehmigung, und die Zweifel verlieren sich auf dem Platz. Jetzt sind sie wieder da, obwohl der schlaksige Stürmer beim HSV längst eine Nummer ist.

Am Montag rannte er beim 4:0-Sieg in Nürnberg 65 Minuten lang übers Feld; die Franken legten am Mittwoch beim DFB Protest gegen die Wertung des Spiels ein - wegen Bakery Jatta, Nummer 18, der zur Stammbesetzung beim Zweitligisten gehört. Er hat den großen Umbau nach dem Abstieg gleich zweimal überstanden und erlebt schon seinen fünften HSV-Trainer. Nun allerdings äußerte die Zeitschrift Sport-Bild den Verdacht, dass Bakery Jatta in Wahrheit Bakary Daffeh heiße und nicht am 6. Juni 1998 zur Welt gekommen sei, sondern am 6. November 1995. Auch habe er in Gambia bei mehreren Klubs gespielt sowie in Nigeria, im Senegal und 2014 in der gambischen U20-Auswahl. Zwei seiner ehemaligen Trainer wollen ihn auf einem Bild erkannt haben, berichtet das Blatt.

Daffeh und Jatta sehen sich auf Fotos ziemlich ähnlich

Tatsächlich gibt es ältere Zeitungstexte aus Gambia und ein Facebook-Profil unter dem Namen Bakary Kanu Daffeh. Der Daffeh auf den Fotos sieht Jatta ziemlich ähnlich, was natürlich täuschen kann. Zum Punkt "Arbeit" steht da bei Facebook: "Professional footballer, 2012 bis heute". Kanu soll sein Spitzname sein. "Congrats Kanu", twittert zum Beispiel ein Fan am 24. Februar 2018, als Jatta bei der 0:1-Niederlage in Bremen in der Hamburger Startelf steht. Die Spur von Bakary Daffeh dagegen verliert sich offenbar, als Bakery Jatta in Deutschland aufgetaucht ist, alles Zufall oder eben nicht. Das Portal transfermarkt.de, das dem vor seiner Ära beim HSV völlig unbekannten Jatta unterdessen einen Marktwert von 2,50 Millionen Euro zuschreibt, nennt Bakary Daffeh als Spieler mit der Nummer 29 von Brikama United. Doch in den Archiven finden sich keine aktuellen Hinweise mehr zu einem Fußballspieler Bakary Daffeh, der inzwischen 23 wäre.