Großkreutz-Debatte beim DFB:Uli Stein und der Suppenkasper

  • Nicht viel besser erging es 2006 Christian Wörns, der Jürgen Klinsmanns "Laden auseinander nehmen"-Revolution zum Opfer fiel und dem Bundestrainer "ein ganz linkes Ding" vorwarf - Wörns war damit genauso raus wie ...
  • ... 1994 Stefan Effenberg nach seinem Stinkefinger gegen deutsche Fans bei der WM. Wer jetzt denkt, DFB-Eklats seien eine Sache der Moderne, der sei an weitere historische und zeitgenössische Ausrutscher erinnert.
  • 1986: Uli Stein kanalisiert seinen Frust über sein Dasein als Nummer zwei bei der WM in eine präzise Tirade gegen den "Suppenkasper" Franz Beckenbauer, der einst für, nunja, Suppe geworben hatte. Stein musste nach Hause fahren, der "Kaiser" wirbt seitdem für Weißbier, Handyanbieter und alles, was nichts mit klarer Brühe zu tun hat.
  • 1982: Während der Vorbereitung auf die WM in Spanien logiert der DFB-Tross am Schluchsee im Schwarzwald, der bald in "Schlucksee" umgetauft wird und zum Schauplatz ausufernder Glücksspiel-Eskapaden der Nationalspieler mutiert.
  • Oder 1974: Als Sepp Maier und Uli Hoeneß vom Trainingslager in der trostlosen Sportschule Malente so die Nase voll haben, dass sie sich nachts davonschleichen. Ein Ausflug nach Hamburg zu ihren Frauen endet damit, dass bei der Autofahrt die Bremsen streiken und Maier per Handbremse operiert. Maiers Torwartpranken sind versehrt - Weltmeister werden die Deutschen trotzdem.

Die Kulturgeschichte der DFB-Fehltritte ist ein Sammelsurium an Frustbewältigungen, Dummheiten, Langeweile-Ausflüchten, Pennälerstreichen und Strizitum. Obendrauf ein wenig feuchtfröhlicher Eskapismus und fertig ist das Psychogramm einer Zunft, die eigentlich zu bemitleiden ist. Fußballer stehen unter Dauerdruck, die Erwartungen sind riesig, die Verheißungen groß - gleichzeitig staut sich durch die Eintönigkeit des Alltags allerhand auf. Kein Wunder, dass da mal was daneben geht. Dass man irgendwann den lieben Gott einen alten Mann sein lässt.

Die Hindernisse lauern schließlich überall, das wusste schon der legendäre britische Fußballer George Best, der einst erklärte: "Als ich in den Vereinigten Staaten spielte, wohnte ich in einem Haus direkt am Meer. Ich war nie im Wasser. Auf dem Weg war eine Bar." So wird es Kevin Großkreutz an jenem Abend in Berlin auch ergangen sein.

Er wollte nichts Böses, doch dann landete er unversehens auf der Pokalfeier des BVB im Berliner "Kraftwerk". Was er dort zu sich nahm, musste eben wieder weichen. Ist das jetzt wirklich so schlimm? "Jeder weiß ja, dass unter Alkohol-Einfluss so einiges passiert. Unschön ist nur, wenn es rauskommt", meinte DFB-Kollege Per Mertesacker - dieser herrlichen Zweideutigkeit ist nichts hinzuzufügen.

© SZ.de/jkn/leja
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