Golf:Geld kämpft gegen Geld

43rd Ryder Cup - Afternoon Fourball Matches

Gefragter Muskelmann: Der US-Amerikaner Bryson DeChambeau, hier beim Ryder Cup, gehört zu den bekanntesten Spielern der Tour.

(Foto: Stacy Revere/AFP)

Auf obszöne Weise schüttet die US-Golftour ihre Spieler gerade mit immer höheren Gagen zu. Hintergrund: Sie will die Topstars davon abhalten, auf anderen Profiserien zu spielen - etwa in Saudi-Arabien.

Kommentar von Gerald Kleffmann

Zu den großen Monologen der deutschen Fernsehgeschichte zählt zweifellos jener von Heinrich Haffenloher. In Helmut Dietls "Kir Royal" baut sich der Kleberfabrikant (Mario Adorf) vor Klatschreporter Baby Schimmerlos (Franz Xaver Kroetz) auf und posaunt: "Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash im Koffer. Das schickste zurück, einmal, zweimal, vielleicht sogar ein drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr. Und irgendwann kommt einmal der Punkt, da biste so mürbe und so fertig, und die Versuchung ist so groß: Da nimmste es. Und dann habe ich dich." Sein Fazit: "Gegen meine Kohle haste doch gar keine Chance."

Sollte es je eine internationale Neuverfilmung geben, würde sich freilich ein zeitgemäßerer Posten für den Haffenloher von 2021 eignen: Chef der US-Golftour etwa. Der Monolog müsste nicht mal umgeschrieben werden. Wäre alles realistisch.

Es sind durchgeknallte Zeiten im globalen Golf-Geschäft. Das Werben und Ringen um Stars, Turniere, Serien ist ausgeufert, rein marktkapitalistische Gesetze von Angebot und Nachfrage greifen zu kurz. Es geht um Macht, politische Manöver, männliche Egos von Führungsbossen. Das Aufrüsten - mehr Preisgeld, Boni, höhere Antrittsgagen - wurde maßgeblich durch einen neuen Player auf dem Markt angeheizt, der angesichts des relativ neuen Begriffs des Sportswashing ein alter Bekannter ist: Saudi-Arabien. Gut, im Wüstenstaat nimmt man es mit Menschenrechten nicht so genau. Aber Schwamm drüber. Dass dort eine aus Tradition gewachsene Liebe zum Golfsport schlummerte, ahnte man doch immer.

Fakt jedenfalls ist: Eine Profiturnierserie soll bald in Saudi-Arabien entstehen, im großen, im Millionen-Stil. Weil amerikanische Stars wie Dustin Johnson oder Justin Thomas offenbar noch nicht ganz von der Schönheit des Landes überzeugt sind, wurden ihnen angeblich Prämien bis zu 30 Millionen Dollar versprochen, Phil Mickelson gar 100 Millionen. Sollte doch auf die Sprünge helfen. Obszön mag das mancher finden, als einer der wenigen prangerte der Nordire Rory McIlroy die Herkunft der Gelder an - und ward branchenintern vielsagend alleingelassen mit seiner Kritik. Die Reaktion der US-Tour auf den neuen Golf-Gegner sprach dafür auch Bände: Ab sofort werden die Spieler mit noch mehr Millionen zugeballert. Notfalls grundlos. Ach, was würde Haffenloher frohlocken.

Die PGA Tour will den Spielern helfen, ihre Marken zu stärken - es kommen einem die Tränen bei so viel Fürsorge

Geld wird eben auf diese Ebenen immer noch am besten mit Geld bekämpft. Was sich zum Beispiel die US-Tour erdacht hat: 40 Millionen Dollar will sie laut ihres Player Impact Programs auf zehn Profis verteilen - deren Verdienste: einfach beliebt zu sein auf Instagram, bei Sponsoren, Kartenkäufern. Wenn sich Bryson DeChambeau und Brooks Koepka zoffen, kassieren sie quasi dabei - weil sie die sozialen Medien füllen und PR-Arbeit für die Tour leisten. Gaga? Jay Monahan, der Commissioner der US-PGA-Tour, sagte völlig ironiefrei: "Es geht uns einzig darum, dass sich unsere Spieler in unserem Spiel engagieren, helfen, dass die Tour wächst." Überdies wolle man den Spielern helfen, ihre Marken zu stärken. Es kommen einem die Tränen bei so viel Fürsorge.

Aber gut, der golfvernarrte Markt in den USA stellt nun einmal immer wieder neue Millionen bereit. 2022 fließen erstmals 20 Millionen Dollar Preisgeld beim Vorzeigewettbewerb, der Player's Championship, sieben Millionen mehr als bei jedem der vier Majors. Und der neueste Muntermacher, damit alle Profis, auch die aus den hinteren Rängen, partizipieren: Wer mindestens 15 Turniere pro Saison bestreitet, soll 50 000 Dollar erhalten. Weil man ein Opfer erbringt, bei millionenschweren Events um dicke Schecks zu kämpfen? Natürlich ist diese Prämie nichts anderes als eine Saudi-Arabien-Nichtantrittsgage - und drückt letztlich auch eines aus: In der Führungsetage der US-Tour geht die Panik um.

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