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Champions League:Lukaku und ein paar Millimeter

Borussia Mönchengladbach - Inter Mailand

Hat viel zu diskutieren: Gladbach-Trainer Marco Rose

(Foto: Marius Becker/dpa)

Borussia Mönchengladbach verpasst in einem furiosen Spiel knapp einen Punkt gegen Inter Mailand. Weil bei Pleas drittem Tor der Schiedsrichter auf Abseits entscheidet, kommt es nun zum Endspiel gegen Real Madrid.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Die berühmte Cola-Dose steht im Vereinsmuseum. Die Borussen verbinden nichts Gutes mit ihr: Beim 7:1-Sieg gegen Inter Mailand im Oktober 1971 hatte sie von der Tribüne aus den Italiener Roberto Boninsegna getroffen. Das Ergebnis damals wurde annulliert, im Wiederholungsspiel schied Gladbach aus. Am Dienstagabend hat die Borussia 49 Jahre später wieder gegen Inter gespielt, aber wieder gab es ein ernüchterndes Erlebnis. Obwohl schon ein Punkt weitergeholfen hätte beim Traum vom Achtelfinale, droht den Borussen durch die 2:3 (1:1)-Niederlage stattdessen nun das Champions-League-Aus und damit das Abrutschen in die Europa League.

Gladbach geht zwar als Tabellenführer ins letzte Spiel, sollte dieses am nächsten Mittwoch bei Real Madrid allerdings verloren gehen, dann müssten die Borussen darauf hoffen, dass Inter Mailand gleichzeitig gegen Schachtjor Donezk Unentschieden spielt. Nur dieses Ergebnis könnte ihnen dann noch helfen. Gäbe es im Parallelspiel einen Sieger, müsste Gladbach bei einer Niederlage in Madrid im nächsten Jahr in der Europa League weiterspielen. Ein Punkt bei Real hingegen reicht ihnen zum Einzug ins Champions-League-Achtelfinale. Eine irre Konstellation.

Die Dosen-Geschichte von damals zieht Kreise bis in die Gegenwart. Tief in der Nacht vor dem Spiel hatten Unbekannte an jenem Hotel, in dem die Mailänder wohnten, ein Feuerwerk angezündet und massenhaft Cola-Dosen vor den Eingang geschüttet. Die Polizei ermittelt. Man spürte Inters Fußballern die hinterhältige Schlafunterbrechung nicht an. Umso größer war die Herausforderung für die Gladbacher Innenverteidigung, in der der Schweizer Nationalspieler Nico Elvedi verletzt fehlte und als Nebenmann von Matthias Ginter durch Tony Jantschke ersetzt wurde.

Sie wissen, dass sie da mithalten können

Der zweite Sieg von Donezk gegen Madrid am frühen Dienstagabend hatte aus der Gruppe eine Lotterie gemacht. Hier war vor dem finalen Spieltag noch so viel möglich, dass die Nerven der Beteiligten im Borussia-Park strapaziert waren. Für Mailand war die Partie die letzte Gelegenheit, Chancen auf die K.o.-Runde zu wahren. Man spürte das dieser Partie von der ersten Sekunde an. Im leichten Dunst der feuchten Stadion-Luft, passende Bezeichnung: Nebelchen des Grauens, standen sich die Spieler regelrecht auf den Füßen.

Mailand übernahm die Regie. Man merkte den Italienern an, dass sie unter höherem Zugzwang standen. Sie brachten die Borussen routiniert in die Bredouille und profitierten bei einem Ball über rechts davon, dass Matteo Darmian dort sehr viel Platz hatte, noch vor dem herangrätschenden Linksverteidiger Oscar Wendt abschließen und dem Torwart Yann Sommer den Ball zum 1:0 durch die Beine schießen konnte (17.). So ein Rückstand gegen konterstarke Mailänder ist keine ganz glückliche Konstellation, zumal sich die Gladbacher in der ersten Halbzeit zunächst schwer taten mit kreativer Torannäherung. Jantschke und Sommer mussten sogar einen höheren Rückstand verhindern.

Gegen Ende der ersten Halbzeit war bei den Gastgebern dann langsam jenes Selbstbewusstsein zu erkennen, dass sie sich in den beiden 2:2-Unentschieden zum Auftakt gegen Inter und Real sowie den beiden Kantersiegen gegen Donezk erworben hatten. Sie wissen, dass sie da mithalten können und erarbeiteten sich nun auch Chancen. Als Antwort auf das späte Gegentor im Hinspiel warteten sie mit ihrem 1:1-Ausgleich knapp bis in die Nachspielzeit des ersten Durchgangs. Valentino Lazaro flankte von rechts und fand im Zentrum einen erstaunlich freien Alassane Pléa, der per Kopfballaufsetzer traf. Ein wichtiges Tor.

Mit dem Wiederanpfiff wiederholte sich also die ursprüngliche Ausgangssituation: Inter brauchte unbedingt einen Sieg, um international nicht frühzeitig aus dem Rennen zu sein. Bei den Gladbachern hatten sie es in der Innenverteidigung fortan mit Denis Zakaria zu tun, der für Jantschke kam - sowie mit einer Fünferkette. Die Borussen machten jetzt nicht wieder den Fehler, den Italienern viel Raum zu überlassen. Sie suchten ihr Glück nun mehr in Eigeninitiative. In der 51. Minute hätte Marcus Thuram um ein Haar zum Führungstor getroffen, verzog aber leicht. Den Siegtreffer zu probieren gegen latent lauernde Mailänder ist ein hochgefährlicher Balance-Akt. In der 61. Minute hatten sie noch Glück: Ein Schlenzer von Lautaro Martinez klatschte gegen den Pfosten. In der 64. Minute half hingegen kein Glück mehr: Romelu Lukaku setzte sich kraftvoll in den Strafraum durch und schoss flach zum 2:1 ein.

In der 73. Minute machte Lukaku mit dem 3:1 und seinem zweiten Treffer scheinbar alles klar. Doch Pléa verkürzte auf 2:3 (76. Minute) und erzielte in der 83. Minute sogar den vermeintlichen Ausgleich, doch weil Breel Embolo Millimeter im Abseits stand und der Schiedsrichter nach Ansicht der Videobilder der Meinung war, dass er dabei Inter-Torwart Handanovic behinderte, fand der schöne Treffer keine Anerkennung.

© SZ vom 02.12.2020/ska/sonn
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