Gewichtheber Matthias Steiner "Ich bin keiner, der Siebter oder Achter werden kann"

Die Leute haben an ihm einen Narren gefressen: Gewichtheber Matthias Steiner überraschte in Peking mit dem Gewinn der Goldmedaille, durch seine rührende Geschichte wurde er der prägende deutsche Athlet der Spiele. Was ist in London möglich? Medaillenchancen geben ihm nur wenige. Er sich jedoch durchaus.

Von Jürgen Schmieder, London

Die Briten, ja diese Briten, die haben's leicht. Die haben vor den Olympischen Spielen ein paar Athleten dazu auserkoren, Gesichter dieser Spiele zu sein. Die haben sie dann auf die Titelseiten ihrer Zeitungen gepackt oder auf Poster oder in Videofilme. Den Radfahrer Bradley Wiggins etwa, die Siebenkämpferin Jessica Ennis oder den Tennisspieler Andy Murray. Die gewannen dann auch Goldmedaillen, die britische Volksseele - nach den ersten Tagen noch gekränkt - ist mittlerweile fröhlich.

"Ich bin kein 08/15-Athlet": Matthias Steiner.

(Foto: dpa)

Die deutsche Delegation hat es da nicht ganz so einfach gehabt. Wen hätte man zum prägenden Akteur ausrufen können? Den Ruder-Achter, klar, und der hat dann ja auch gewonnen. Aber acht Athleten wirken eben selbst auf einer Titelseite nicht so groß wie ein einziger Sportler. Britta Steffen, auch klar, aber die hat dann eher nicht so gewonnen. Kugelstoßer David Storl, vielleicht, aber der mag das mit den Titelseiten nicht so gern.

Also vielleicht doch Matthias Steiner, dieser freundliche Gewichtheber. Er füllt - man kann das sagen, ohne ihm zu nahe zu treten - schon allein mit seiner Statur eine Titelseite. Er hat ein einnehmendes Wesen, es hat noch keinen Menschen gegeben, der nach einer Begegnung mit ihm gesagt hätte, ihn nicht zu mögen. "Die Leute haben an mir einen Narren gefressen", sagt er, "ich liebe es schon, ein außergewöhnlicher Olympiasieger zu sein."

Vor vier Jahren in Peking, da hatte er insgesamt 461 Kilo nach oben gewuchtet und wurde Olympiasieger. Dazu war diese rührende Geschichte hinzugekommen. Bei der Siegerehrung hielt er ein Foto seiner tödlich verunglückten Frau in die Kameras. Die Geschichte ist oft erzählt worden.

Ich rufe mir das in den Kopf, wenn es darum geht, motiviert zu sein", sagt Steiner, "die Erinnerungen von Peking bleiben natürlich für immer in meinem Kopf, die verdränge ich auf keinen Fall."

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