Geher Alex Schwazer:Erst negativ, dann positiv

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Merkwürdigkeiten passierten aber auch im Anschluss. Der erste Test der Schwazer-Probe Anfang Januar ergab nichts Auffälliges, auch nicht beim sogenannten Testosteron/Epitestosteron-Quotienten. Hier beträgt der offizielle Grenzwert 4:1, Schwazer lag darunter (3,5:1). Manche Verbände wie die IAAF legen von ihren Athleten jedoch Steroidprofile an, um die Entwicklung individueller Werte abgleichen zu können. Verfehlt bei einem Negativtest der Testosteron-Quotient die übliche Norm eines Athleten, erhalten Verband und einige Laborexperten nach rund zehn Tagen Bescheid. Und können weitere Analysen tätigen.

Die IAAF beauftragte allerdings erst im April, kurz vor Ende der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist für Negativproben, das Kölner Labor mit einem verfeinerten Nachtest. Und jetzt fiel der Test positiv aus. Bereits am 13. Mai erhielt die IAAF aus Köln den Bescheid - danach aber tat sich wieder lange nichts, obwohl sich Schwazer an der Olympia-Qualifikation versuchte.

Mysteriöse Anrufe

Allerdings erhielt sein Trainer Donati in dieser Zeit Anrufe, dass sein Schützling andere Athleten siegen lassen solle. Diese Drohungen, sagt Donati, hätten ihn aus Kampfrichter-Kreisen erreicht, er schnitt die wiederholten Anrufe mit und übergab das Audiomaterial den Strafbehörden. Schwazer qualifizierte sich für Rio. Aber dann folgte der Schock: Am 21. Juni - erst 39 Tage nach Erhalt des Befundes - informierte die IAAF den Athleten und sperrte ihn.

Womöglich kann die beschlagnahmte Probe jetzt helfen, das Mysterium aufzuhellen. Eine Grundsatzfrage ist ja seit Aufdeckung des russischen Staatsdopings schon geklärt: Dopingproben-Behälter lassen sich diskret öffnen und wieder verschließen. Befände sich in Schwazers Probe eine andere DNA, wäre der Fall klar. Ließe sich aber nur Schwazers DNA feststellen, hieße auch das nicht zwangsläufig, dass der Geher gedopt hat. Die Probe könnte auch auf andere Weise manipuliert worden sein, etwa durch Hinzugabe von verbotenen Substanzen. Donati ist gerade dabei, eine Liste zusammenzustellen, welche Tests an der beschlagnahmten Probe durchzuführen seien.

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