Fußball-WM 2010:Wie bei der WM 2006

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Das monopolistische, personell eng verwobene Verkaufssystem, das die Fifa-Oberen um zwei alte Geschäftsfreunde gestrickt haben - die mexikanischen Tickethändler Byrom -, dürfte auf dem Prinzip der Verknappung von Karten beruhen. Das war sogar bei der WM 2006 in Deutschland so, als plötzlich das aus Sicherheitsgründen angeblich unabdingbare Namensticketing nicht mehr galt, das die Fans monatelang zermürbt hatte: Zehntausende stürmten mit Karten unter fremden Namen in die Stadien.

Da hatten Grau- und Schwarzmarkt funktioniert, die man ja nicht ausschalten, sondern selbst kontrollieren will - damit kein anderer den Reibach macht. Dramatisch wird es, wenn der Kunde bemerkt, dass genug Karten da sind. "Wenn es überall selbst Kategorie-1-Tickets gibt", sagt ein Tour-Agent, "macht das die Hospitality-Programme kaputt."

Dass es gerade um die nicht gut steht, zeigt das interne Match-Papier von Januar. Darin sind selbst für das Finale nur 61 Prozent sogenannter "BSkyboxen" verkauft, rund 2000 Plätze standen demnach noch zum Verkauf. Dieser Trend zieht sich durch das vertrauliche Dossier: An vielen Spielorten waren 60 und mehr Prozent der Nobelboxen verfügbar. Aus den internen Daten lassen sich 115000 unverkaufte Sessel errechnen.

Für Agenten ist klar, dass nicht mal das Finale ausverkauft sei. Ein deutscher Operator sagt, ihm seien kürzlich Endspiel-Karten offeriert worden, zu happigen Preisen. Auch der Brief des Fifa-Ticketbüros schloss "alle Spiele" ein. Starke Risiken lasten also auf den offiziellen Agenten, die 30.000 Dollar nur für den Erwerb dieses Status' zahlen mussten. Anbieter, die nicht mit Match arbeiten, berichten, sie hätten vor Monaten noch juristische Drohungen erhalten für den Fall des für sie verbotenen Handels, nun versuche die Agentur sogar, sie mit Ticketagenten zu vernetzen.

Südafrikas Tourismus beklagt das Desinteresse europäischer Fans. Doch Reisen am Ort sind beschwerlich, sogar für Business-Gäste. Wer in Kapstadt logiert und ein Spiel in Johannesburg sehen will, verlässt das Hotel um 10.30 Uhr und kehrt am nächsten Morgen um 5.30 Uhr heim.

Dazu kommt die Überteuerung. Match und Konsorten bieten Quartiere wie Inlandsflüge zu stark erhöhten Preisen an. Aber auch lokale Airlines verlangen in der WM-Phase ein Mehrfaches der üblichen Preise. Jetzt ermittelt die staatliche Wettbewerbskommission, ihr liegt eine Mail zur Preisabsprache vor. Von einer Fluglinie, die sich Straffreiheit erhofft.

Und was, wenn VIP-Boxen leer blieben? Sie ließen sich nicht so leicht auffüllen wie normale Ränge; das könnte Gäste in Rage bringen, die ein Vermögen für ihre Boxen zahlen mussten. So oder so werden leere Logen bei Übertragungen wohl kaum zu sehen sein. Das Sendesignal produziert eine Tochter der Schweizer Firma Infront, Teilhaber an Match und geführt von Philippe Blatter, Neffe des Fifa-Bosses Sepp.

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