Fußball-Weltverband Die Fifa erlebt einen Imageverlust auf dem Werbemarkt

Infantino ist nach nur zwei Jahren dabei, das Werk des Vorgängers und Dorfnachbarn einem logischen Ende zuzuführen. Die WM ist die einzige echte Geldquelle der Fifa, nun aber schreitet parallel zur Verwässerung des Turniers auch rasant der Imageverlust auf dem Werbemarkt voran. Wo einst nur Firmen von Weltruf Schlange standen, werden jetzt aus der Not immer mehr gesichtslose Konzerne in China, Russland oder der Golfregion hofiert.

Ein halbes Jahr vor Beginn der WM 2014 in Brasilien waren sämtlich Werbekategorien ausverkauft - nun, vor dem Russland-Turnier bleibt gar ein Platz im Topsegment der "Fifa-Partner" frei. In Kategorie zwei sind nur fünf der erhofften acht WM-Sponsorplätze besetzt. Drei dieser fünf Firmen sitzen in China, zuletzt stieß an Weihnachten ein Joghurthersteller dazu. Derweil soll Dauerpartner McDonald's über einen Ausstieg nachdenken. Geradezu absurd ist die Lage in Kategorie drei, die für 20 Regionalsponsoren aus den Kontinenten vorgesehen ist: Hier macht nur die russische Alfa-Bank mit. Und für Späteinsteiger wäre es jetzt höchste Zeit, die kurze Werbe-Strecke bis Juni noch zu entwickeln und zu nutzen.

Ist Gianni Infantino der Mann, der die Marke Fifa entgiften kann? Seine Amtsführung steht in starkem Widerspruch zu Reformen und Transparenz, offen attackieren ihn führende Governance-Experten. Aus der Fifa gemobbte Top-Juristen wie Miguel Maduro (Portugal), Navi Pillay (Südafrika) und Joseph Weiler (USA) fordern, die Strafverfolgung im transnationalen Sport nun explizit dem künftigen Europäischen Staatsanwalt zuzuweisen. Auch der Europarat rügt Infantinos Regime, er regt ein externes Aufsichtsorgan an, das Integritätschecks und Wahlvorgänge überprüft.

All das hilft zu erklären, warum in der personell runderneuerten, kulturell unveränderten und finanziell klammen Fifa weiter diese dicken Saläre an kaum beschäftigte Funktionäre fließen. Geld ist seit jeher der Kitt, der die Wagenburgen des Sports schließt.

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