Fußball:Umzug nach nebenan

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Fußball: Beim FC Ismaning trug Maximilian Siebald (am Ball) lange die Kapitänsbinde, auch hier gegen den Unterföhring (Pascal Putta). Künftig wird er selbst ins rote Trikot schlüpfen.

Beim FC Ismaning trug Maximilian Siebald (am Ball) lange die Kapitänsbinde, auch hier gegen den Unterföhring (Pascal Putta). Künftig wird er selbst ins rote Trikot schlüpfen.

(Foto: Claus Schunk)

Eine Frage der Wertschätzung? Der Bayernligist FC Ismaning verliert gleich fünf Spieler an den benachbarten Landesligisten FC Unterföhring

Von Christoph Leischwitz, Ismaning/Unterföhring

Zivan Zivanovic ist "zu hundert Prozent Unterföhringer", und da gehört es zum guten Ton, auch ein bisschen in Richtung Ismaning zu sticheln. Das sei für ihn "nicht der beliebteste Ort", sagt der 23-Jährige, er habe ja selbst als Jugendlicher das eine oder andere Derby gegen den Lokalrivalen gespielt. Mal ehrlich: Woher soll sportliche Brisanz im Fußball auch herrühren, wenn nicht von solchen Vorgeschichten?

Zivanovic ist erst seit kurzem Sportlicher Leiter beim FCU, zuvor war er Trainer im Jugendbereich, als Coach der zweiten Mannschaft feierte er gerade einen Aufstieg, zurück in die Kreisklasse, dank der Quotientenregel. Es läuft also gut für den Roten. Vor allem konnte er jetzt den Blauen eins auswischen, obwohl die zurzeit sogar noch eine Liga höher stehen: Nicht weniger als fünf Spieler wechseln vom Bayernliga-Zehnten zum Landesliga-Neunten. Mit Torwart Sebastian Fritz sei man schon länger in Kontakt gestanden, sagt Zivanovic. Seiner Meinung nach hätten Spieler wie Fritz in Ismaning nicht mehr "die Wertschätzung bekommen, die sie verdient haben". Dazu wechselten auch Nils Ehret, Bastian Fischer, Maximilian Siebald und Fabio di Salvo von der Leuchtenbergstraße an die keine fünf Kilometer südlich gelegene Bergstraße. "Das sind Bayernligaspieler, die uns auf jeden Fall verstärken", freut sich Zivanovic.

Mittlerweile konnte der Klub auch noch einen weiteren Bayernligaspieler verpflichten: den Angreifer Robin Volland. Der 27-jährige Bruder des gerade zur EM berufenen Kevin Volland kommt von 1865 Dachau, ein Jahr hat auch er schon in Ismaning gespielt. Damit hat Unterföhring nun jeden einzelnen Mannschaftsteil verstärkt, auf Trainer Zlatan Simikic dürfte die Aufgabe zukommen, eine Spitzenmannschaft zu moderieren. Es gehe aber nicht unbedingt um den sofortigen Aufstieg, eher um einen einstelligen Tabellenplatz, behauptet der Sportliche Leiter. In möglicherweise zwei Jahren, wenn der neue Unterföhringer Sportpark fertiggestellt sei, würde man freilich gerne höherklassig spielen. Ismanings Trainer Mijo Stijepic findet wiederum, dass seine Mannschaft einige "Gesichter des Vereins" verliere. Man müsse es akzeptieren, dass sie Angebote nicht angenommen hätten, und man könne Unterföhring nur gratulieren. Er findet die verlorenen Söhne aber eben auch so gut, dass Unterföhring jetzt quasi um den Aufstieg spielen müsse.

Das hänge auch ein bisschen "mit finanziellen Dingen zusammen", heißt es in Ismaning

Zivanovic betont aber auch, dass es sich bei Spielern wie Fritz ja auch um Rückkehrer handele, ebenso wie bei di Salvo, dem zweiten Torwart, der früher für die Unterföhringer in der Kreisklasse kickte. Bleibt jedoch die Frage, was eigentlich mit besagter "Wertschätzung" gemeint war, die angeblich in Ismaning gefehlt habe. Dort sei man nicht überrascht gewesen von den Weggängen. Der Sportliche Leiter Walter Werner arbeitet seit dem Winter am neuen Kader, auch er räumt ein, dass die Spieler, die nun den Verein verlassen, "nicht ganz zufrieden" gewesen seien. Das hänge auch ein bisschen "mit finanziellen Dingen zusammen", auch wegen Corona. Mit anderen Worten: Die Aufwandsentschädigung ist, wie bei vielen anderen Vereinen auch, stark heruntergefahren. Spieler betonen in solchen Fällen immer gerne, dass sie wegen ihrer Vergangenheit zu einem Verein zurückkehren. Es ist gleichzeitig aber auch so, dass man in Unterföhring finanziell nicht so hart getroffen zu sein scheint von der Pandemie. Zumindest sagt Zivanovic, dass man es sich auch in den ersten Wochen der kommenden Saison leisten könne, ohne Zuschauer zu spielen, "Hauptsache, wir spielen endlich mal wieder", sagt er. Wann die neue Saison eigentlich startet, ist im Moment noch offen, alle Beteiligten hoffen auf Mitte Juli.

In Ismaning ist die Kaderplanung noch nicht abgeschlossen, aber Walter Werner ist schon recht weit. Im Tor wird Cedomir Radic den Weggänger Fritz ersetzen. In Abwehrspieler David Tomasevic empfängt auch der FCI einen Rückkehrer, der vom SV Sulzemoos wieder in den Münchner Norden wechselt. Vom Landesligisten SE Freising kommt Offensivspieler Daniel Gaedke. Man werde aber auch fünf, sechs Jugendspieler hochziehen, die freilich die Herausforderung Bayernliga annehmen müssten, sagt Werner. Es fällt in diesen Tagen leicht, sich auf Eigengewächse zu besinnen.

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