Fußball Tim Wiese soll die SSV Dillingen retten

Wird Tim Wiese schon bald der Wrestling-Bühne den Rücken kehren und auf den Rasen zurückkommen? Der SSV Dillingen könnte zumindest Verstärkung gebrauchen.

(Foto: dpa)

Der Neu-Wrestler soll bald für den Kreisligisten als Torhüter auflaufen. Dessen Vorsitzender Christoph Nowak schildert im Interview, wie er es schaffte, einen Spielerpass für den einstigen Nationaltorhüter zu besorgen.

Interview von Matthias Schmid

Christoph Nowak ist Erster Vorsitzender des bayerisch-schwäbischen Kreisligisten SSV Dillingen. Er hat schon bessere Tage als Klubchef erlebt. Seine Mannschaft liegt in der Tabelle nach zwölf Spielen mit einem Torverhältnis von 8:33 Toren abgeschlagen auf dem letzten Platz. Aber es gibt noch Hoffnung - und die heißt Tim Wiese. Der frühere Nationaltorhüter und Neu-Wrestler soll mithelfen, den Abstieg zu verhindern. "In den nächsten Tagen wird sein Spielerpass bei uns eintreffen", sagt Nowak im Interview.

SZ: Herr Nowak, stimmt es, dass Sie beim ersten Auftritt von Tim Wiese als Wrestler Ihre eigenen Klubinteressen im Hinterkopf hatten?

Christoph Nowak: In erster Linie habe ich meinen Freund bei seiner Premiere unterstützt. Aber wenn Sie auf seine Unterschrift unter den Antrag für den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) anspielen, dann ist das richtig. Wir haben das Formular für seine Wiedereinsetzung als Amateur mittlerweile auch zum BFV nach München geschickt. Unterschrieben hat Tim den Antrag für seinen Spielerpass am frühen Freitagmorgen in der Bar eines Münchner Hotels nach seinem Fight in der Olympiahalle.

Wiese läuft also tatsächlich bald als Torhüter für Ihren Klub in der Kreisliga auf?

Ich hoffe, dass es so kommt. In einigen Tagen müsste sein Pass bei uns eintreffen. Aber ich gehe jetzt nicht davon aus, dass er jedes Spiel für uns mitmacht.

Aber ganz sicher sind Sie nicht, dass er sich in das Dillinger Trikot zwängt?

Bei ihm weiß man ja nie, was er als nächstes plant. Diese Renitenz zeichnet ihn ja aus und deshalb mag ich ihn auch so sehr als Typen. Wir kennen uns schon lange und sind gut befreundet miteinander, seit ich ihn als Marketing-Chef einer Torwarthandschuhfirma vor vielen Jahren in Bremen kennengelernt habe.

Seit wann versuchen Sie ihn denn schon für die SSV Dilllingen zu begeistern?

Ich liege ihm schon seit einem halben Jahr in den Ohren, dass er für uns spielen soll, genau genommen seit sein Profivertrag am 30. Juni beim Erstligisten 1899 Hoffenheim endete. Deshalb habe ich bei seiner Premiere als Wrestler nun die einmalige Chance ergriffen und habe den Antrag für den Bayerischen Fußball-Verband gleich mit in die Olympiahalle nach München genommen, damit er das Formular an Ort und Stelle endlich unterschreibt.

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Tim Wiese darf gewinnen

Der ehemalige Nationaltorwart und Neu-Wrestler tritt zu seinem ersten Kampf an - und darf die Premiere direkt mit einem Sieg krönen. Die Münchner Olympiahalle feiert ihn.

Wie hat er Ihnen als Wrestler gefallen?

Er hat das richtig gut gemacht. Das war eine super Performance von ihm. Das hat man auch daran erkennen können, wie die Menschen in der Halle mit ihm lautstark mitgegangen sind. Das ist genau sein Ding.

Als Torhüter könnten Sie ihn gut gebrauchen, Ihr Verein hat schon 33 Tore in dieser Saison hinnehmen müssen und nur acht Treffer selber geschossen.

Es ist bei uns wie überall im unterklassigen Amateurfußball, wir haben Probleme mit der Motivation, wenn die Siege ausbleiben.

Da wäre Wiese also genau der richtige Motivator?

Klar, das wäre ein Highlight für uns alle: für den Klub, für die Mitspieler und für den ganzen Amateurfußball, der es immer schwerer hat, sich gegenüber dem Profifußball zu behaupten.

Wiese lebt in Bremen. Wird er für die Spiele eingeflogen?

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Es geht ja bei der ganzen Sache auch nicht ums Geld, sondern darum, ein bisschen Aufmerksamkeit für uns Amateure zu erreichen.

Eine letzte Frage noch: Ist die ganze Sache denn mit dem bisherigen Stammkeeper abgesprochen - oder ist der nun sauer, weil er degradiert wird?

Da gibt es überhaupt keine Probleme. Unser Stammtorhüter ist gleichzeitig auch mein Zweiter Vorsitzender und der hat nichts dagegen, wenn er sich das eine oder andere Spiel von der Bank aus anschauen muss.

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