Pyrotechnik im Fußball Ist verboten, bleibt verboten - egal mit welcher Technik

Fußball "Gewalt ist keine Pflicht"
Ultras im Fußball

"Gewalt ist keine Pflicht"

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Über eine Fanvereinigung landete Cordsens Prototyp beim dänischen Traditionsklub Brøndby IF, der Schwung in das Projekt des Tüftlers brachte, es in die Öffentlichkeit hievte. Der Verein handelte auch aus monetären Zwängen. "Sie haben wie alle Klubs Probleme mit Pyros und Bußgeldern", weiß Cordsen. Diese Situation kennen auch die Profi-Klubs in Deutschland. Mehr als 1,3 Millionen Euro verhing das DFB-Sportgericht in dieser Saison bereits an Strafen in den ersten drei Ligen. Das Abbrennen eines pyrotechnischen Gegenstands kostet in der ersten Liga 1000 Euro; wird er geworfen, erhöht sich die Strafe auf 3000 Euro. Gezündelt wird trotzdem munter. "Die Sanktionspolitik ist offensichtlich wirkungslos und vielleicht auch kontraproduktiv", sagt Sven Langner, Fanbeauftragter des FC St. Pauli.

Er hat sich im Winter 2018 die "kalten Pyros" auf einem Kongress in Schweden angesehen, auch aus Bremen, Schalke und Mainz waren Fanvertreter dabei. Er betont immer wieder, man müsse "lösungsorientiert" und "ergebnisoffen" an die Debatte rangehen, was auch zeigt, wie festgefahren die Positionen sind. Dabei kamen auch von Klubvertretern schon Vorstöße. Anfang des Jahres wurden "kalte Pyros" von Fortuna Düsseldorf als Alternative genannt. Die Fackeln von Cordsen haben mittlerweile das CE-Kennzeichen, können theoretisch in Supermärkten verkauft werden. Der Däne arbeitet mit einer Berliner Firma für Pyrotechnik zusammen, um sein Produkt zu produzieren.

Doch die Innovation ändert nichts an der Sicht des DFB. Er habe seine "Position zum Thema Pyrotechnik mehrfach dargestellt und die ist unverändert", teilt der Verband auf Anfrage mit. Soll heißen: Ist verboten, bleibt verboten - egal mit welcher Technik. Dass die "kalten Pyros" nun auf illegalem Weg Einzug in die Kurven erhalten, hält Sven Langner für unwahrscheinlich. "Da wird man bei den etablierten Pyros bleiben", sagt er. Der Fanbeauftragte glaubt auch nicht, dass die Einführung von kalter Pyrotechnik die alte komplett ablösen würde. "Weil auch der Reiz des Verbotenen eine Rolle spielt und der Effekt noch ein bisschen besser ist als bei den neuen Fackeln." Es könne aber eine Ergänzung sein, "die den Einsatz von gefährlicherer Pyrotechnik ein bisschen zurückdrängen oder minimieren könnte".

In Deutschland wäre von einem längeren Prozess auszugehen, wollte man die "kalten Pyros" tatsächlich einführen. Mit Pilotprojekten und vielen Gesprächen zwischen Fans, Vereinen, Polizei, Feuerwehr und DFB. Gespannt gehen die Blicke deswegen immer wieder nach Dänemark, zu Brøndby IF. Dort ist die Entwicklung am weitesten, gerät aber auch ins Stocken. Ein großflächig geplanter Test im Stadion wurde zuletzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch die Richter in Dänemark werden in unmittelbarer Zukunft noch viel zu tun haben.

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