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Fußball:Hoeneß: "Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen"

Hoeneß bei FC Bayern Fanclub in Wunsiedel

Uli Hoeneß bei einem Fanclub-Treffen im November 2016.

(Foto: dpa)
  • Uli Hoeneß hat bei einem Vortrag in Vaduz ungewöhnlich offen über seine Zeit im Gefängnis und seine Meinung zum Steuerhinterziehungsprozess gesprochen.
  • Ein Freispruch wäre normal gewesen, er habe auf eine Revision verzichtet, weil er das seiner Familie nicht mehr antun habe wollen, so Hoeneß.
  • Im Gefängnis habe er Erfahrungen fürs Leben gemacht.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat ungewöhnlich offen über seine Zeit im Gefängnis, den Steuerhinterziehungsprozess und die aktuelle Lage beim FC Bayern gesprochen. Bei einem Vortrag in einem Restaurant in Vaduz/Liechtenstein sprach Hoeneß vor Gästen, die für 375 Schweizer Franken (etwa 343 Euro) beim Event "Meet the President" dabei sein konnten. Hoeneß spendete wie üblich seine Gage für diese Vorträge, diesmal an den Verein "Bayern-Hilfe e.V." Die Schweizer Zeitung Blick hat bei dieser Veranstaltung Protokoll geführt und Hoeneß' Aussagen veröffentlicht.

Über seinen Gerichtsprozess wird er von der Zeitung mit den Worten zitiert: "Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren. Täglich waren zehn bis zwölf Journalisten vor unserem Haus. Tag und Nacht. Sie haben in VW-Bussen übernachtet."

Uli Hoeneß Hoeneß auch wieder Chef des Aufsichtsrates
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Hoeneß auch wieder Chef des Aufsichtsrates

Uli Hoeneß ist endgültig wieder der starke Mann bei Fußball-Rekordmeister Bayern München. 73 Tage nach seiner Rückkehr auf den Präsidentenposten wurde der 65-Jährige erneut zum Aufsichtsratschef gewählt.

Sein wirtschaftliches Ergebnis zwischen 2001 und 2010 bei der Bank Vontobel sei ein Verlust von drei Millionen Euro gewesen. Er hat nach eigenen Angaben 40 Millionen Euro Strafe, 18 Millionen Euro Zinsen und zwei Millionen Euro Kirchensteuer bezahlt. "Trotzdem entschied ich mich, ins Gefängnis zu gehen", sagte Hoeneß. Im März 2013 sprach das Landgericht München Hoeneß wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig. Er wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und akzeptierte das Urteil. Hoeneß sagte, er hätte "Revision am Bundesgerichtshof machen können: Aber ich habe dies meiner Familie nicht mehr zumuten wollen."

Hoeneß sagte, er habe im Gefängnis Erfahrungen fürs Leben gemacht. Am Tag seiner Entlassung habe ihm die Direktorin gesagt, er habe zwei Fanklubs: einen bei den Beamten und einen bei den Gefangenen. Das sei das größte Kompliment für ihn gewesen. Nach seiner Entlassung sei er aber seiner Meinung nach nicht geächtet gewesen. In Bremen, wo früher die Fans "Hoeneß, du Arschloch" sangen, hätten viele mit ihm ein Selfie machen wollen. Hoeneß wurde am 29. Februar aus der Justizvollzugsanstalt Landsberg vorzeitig nach der Hälfte der Zeit entlassen.

"Die Medien machen ein Theater, wie wenn wir ein Altersheim hätten"

Auch zur aktuellen Saison des Rekordmeisters äußerte sich Hoeneß. Sportlich kann er die Kritik am Alter der Bayern-Mannschaft nicht nachvollziehen. "Die Medien machen ein Theater, wie wenn wir ein Altersheim hätten. Wir haben eine Mannschaft, die ein bisschen in die Jahre gekommen ist, aber für mich gibt's keine alten oder jungen Mannschaften, sondern nur gute und schlechte. Schauen Sie sich mal die Abwehr von Juventus Turin an", sagte Hoeneß. Turin zog am Dienstag mit einer Abwehr aus über 30-jährigen Spielern ins Finale der Champions League ein. Er moderiere außerdem immer noch Unmutsbekundungen von Franck Ribéry. "Jedes Mal, wenn der Ribéry nach 70 Minuten raus muss, ruft er mich am Abend an und sagt: 'Jetzt habe ich genug, ich gehe!'", erzählte Hoeneß.

Große Erwartungen hat Hoeneß an den chinesischen Markt: "Wir haben drei, vier Fußballschulen in China aufgebaut. Meine Idee ist: Irgendwann wird ein chinesischer Spieler beim FC Bayern spielen. Und wenn dieser Chinese bei uns spielt, wird der eine irre Nachfrage erzielen. Wenn wir am Samstag dann wahrscheinlich um zwei Uhr spielen, damit in Shanghai oder Peking in Primetime live übertragen werden kann, dann drücken 300 Millionen Chinesen auf ihr iPhone und zahlen je einen Euro, dann können sie sich etwa vorstellen, wo es hingeht."

Eine Europa-Liga mit den besten europäischen Vereinen, lehne er ab. "Das wollen einige große Vereine, die Spanier speziell, auch ein paar Engländer, der FC Bayern hat sich gerade kürzlich mit großem Theater in der Liga davon distanziert, denn eine Europa-Liga würde ja zwangsläufig dazu führen, dass die Bundesliga tot wäre. Und das wollen wir nicht", sagte Hoeneß. Zur aktuellen Saison wiederholte er seine Aussage, dass ein Titel auf die Dauer zu wenig sei - auch wenn die deutsche Meisterschaft ein fantastischer Erfolg sei. Der FC Bayern habe aktuell zusammen mit Real Madrid und Juventus Turin die beste Mannschaft Europas. Und daran werde sich so schnell auch nichts ändern.

© SZ.de/sid/schm/ebc
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