bedeckt München 14°

Fußball-EM:Kroatischer Trainer: "Das sind Terroristen"

Czech Republic v Croatia - EURO 2016 - Group D

Gefährliche Szenen auf dem Rasen in Saint-Étienne.

(Foto: REUTERS)
  • Sie werfen Fackeln und prügeln sich: Kroatische Fans sorgen im EM-Vorrundenspiel für eine mehrminütige Unterbrechung.
  • Kroatiens Trainer Cacic schimpft: "Ich nenne diese Leute Hooligans, nicht Fans, das sind Terroristen!"
  • Kurz nach dem Vorfall gelingt Tschechien der Ausgleich, die Partie endet 2:2.

Mario Mandzukic stand mit ausgebreiteten Armen vor den tobenden kroatischen Fans, zischend flogen ihm die bengalischen Feuer entgegen. Auch sein Kapitän Darijo Srna versuchte vergeblich, die Szenen im Block zu unterbinden. Trotz einer 2:1-Führung lieferten sich Teile des kroatischen Anhangs wüste Schlägereien auf der Tribüne, ein herbeigeeilter Ordner wurde von einem Feuerwerkskörper getroffen und anscheinend verletzt.

"Das war Terror. Ich nenne diese Leute Hooligans, nicht Fans, das sind Terroristen!", schimpfte der erschütterte Nationaltrainer Ante Cacic: "Ihr Platz ist nicht im Stadion. Gegen Italien in Mailand gab es Nazi-Zeichen, die ruinieren alles, was wir tun. Das ist eine Schande vor den Augen ganz Europas!"

Als Schiedsrichter Mark Clattenburg (England) das Spiel nach vier Minuten Unterbrechung fortsetzte, waren die kroatischen Spieler vollkommen aus dem Konzept geraten. Den späten Ausgleich zum 2:2 (1:0) durch einen Handelfmeter von Tomas Necid (90.+3) und das Nachsitzen auf dem Weg ins EM-Achtelfinale haben sie auch dem skandalösen Verhalten ihrer Fans in St. Etienne zu "verdanken". Eine heftige Strafe der Uefa wird folgen. Am Samstag wird der Verband Ermittlungen aufnehmen.

Rakitic entschuldigt sich offiziell

"Das richtige Wort für diese Leute ist im Fernsehen nicht erlaubt!", sagte der Ex-Schalker Ivan Rakitic im ZDF: "Ich möchte mich bei der Uefa und der tschechischen Nationalmannschaft entschuldigen." Dem Schiedsrichter unterstellte er dann aber, er habe sich beeinflussen lassen: "Es ist kein Zufall, dass dann noch ein Elfmeter kommt, um uns einen mitzugeben."

Rakitic hatte nach dem Führungstreffer des früheren Wolfsburgers Ivan Perisic (37.) das 2:0 erzielt (59.), Kroatien schien mit einer grandiosen Leistung zu einem Titelanwärter aufzusteigen, ehe das Spiel kippte. Die lange überforderten Tschechen kamen durch Milan Skoda (76.) heran. In der 85. Minute begann wie aus dem Nichts die Randale im kroatischen Block.

Nach dem Sieg gegen die Türkei zum Auftakt (1:0) hat der WM-Dritte von 1998 dennoch beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. Die Tschechen, die ihr erstes Spiel 0:1 gegen Spanien verloren hatten, verbesserten ihre Ausgangsposition in der Gruppe C ein klein wenig.

© Süddeutsche.de/sid/ebc
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema