Fußball-Bundesliga Wolfsburg irrt beim Zähneputzen

Hat strahlende Beißerchen: Wolfsburgs Trainer Martin Schmidt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Trainer Schmidt fordert: nach jedem Spiel und jedem Training Zähne putzen! Das soll die Regeneration fördern. Eine leider ziemlich sinnfreie Maßnahme.

Kommentar von Werner Bartens

Die Stadt Wolfsburg ist weithin bekannt für ihre pfiffigen Innovationen. Sie hat den Magath-Hügel wie auch das (fast) abgasfreie Auto erfunden, und der örtliche Traditionsverein ist für seine ausgefeilten Trainingsmethoden legendär. Seit gerade mal einem Monat ist der - "Wer hat's erfunden?" - Schweizer Martin Schmidt Trainer des VfL. Schon hat er den Grund für die sportliche Misere entdeckt, die den Klub die vergangene Saison nur auf Relegationsplatz 16 beenden ließ (derzeit: Platz 14): Die Spieler putzen sich zu selten die Zähne - oder vielmehr: zur falschen Zeit.

"Wenn du dich komplett auspowerst, gibt es eine Säurereaktion", verriet Schmidt, selbst übrigens ausgebildeter Automechaniker, dem zahnärztlichen Fachmagazin kicker. "Die Säure geht ins Blut, das kann die Regeneration beeinflussen." Der Schweizer fordert daher, dass seine Schützlinge nach jedem Spiel und jedem Training noch auf dem Vereinsgelände ihre Zähne putzen sollen. Ob die Zahnputzbecher in den Vereinsfarben Grün-Weiß gehalten sein müssen und ob manuell oder elektrisch gebürstet wird, war bisher nicht zu erfahren.

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Es ist leider nur ein kruder Vorschlag

Nichts gegen strahlende Beißerchen und frischen Atem beim Kopfballduell. Auch Heiko Herrlich wird sich seinerzeit vermutlich gewünscht haben, dass Oliver Kahn vor dem Spiel auf gründliche Mundhygiene geachtet hat, als er ihm 1999 mit geblecktem Gebiss an die Gurgel ging. Doch abgesehen davon - und außerdem abgesehen von der existenziellen Frage, ob sich die Spieler des VfL Wolfsburg in dieser Saison schon jemals "komplett ausgepowert" haben - ist die Schmidt'sche Zahnputztheorie ähnlich weit von der Realität entfernt wie der Abgaswert eines VW-Diesel.

Sportmediziner reagieren wahlweise mit Belustigung oder Befremden auf den kruden Vorschlag. Zwar ist gründliches Zähneputzen unbedingt sinnvoll. Und mindestens so wichtig wäre auch Zahnseide. Ein Zusammenhang zwischen regelmäßiger Mundhygiene direkt nach dem Leistungssport und der anschließenden Regeneration ist jedoch abwegig.

Hingegen ist unbestritten, dass chronische Entzündungen wie Parodontose den Körper schwächen. Starke körperliche Belastung wie beim Sport stimuliert Entzündungsreaktionen, der Effekt wird jedoch nicht vom Griff zur Zahnbürste beeinflusst - egal wann. Auch die angebliche Säurebildung im Mund ist medizinisch gesehen irrelevant.

Martin Schmidt weiß das womöglich alles. Als findiger Schweizer hat er aber die Dentalhygiene als neue, unschädliche Motivationshilfe entdeckt. Über glühende Kohlen oder Glasscherben zu laufen, ist nicht nur so was von 90er-Jahre, sondern auch schädlich. Da das Potenzial des Wolfsburger Kaders ähnlich begrenzt ist wie derzeit die Zuschüsse von VW, muss ein anderer Ansporn her. Zähneputzen als Placebo ist wenigstens originell. Und der Glaube an den Kampf gegen Karius und Baktus hilft vielleicht sogar im Kampf gegen den Abstieg.

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