VfB Stuttgart:Ende aller Streitfragen

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VfB Stuttgart: Kein gemeinsamer Nenner: So begründet Sven Mislintat seinen Weggang vom VfB.

Kein gemeinsamer Nenner: So begründet Sven Mislintat seinen Weggang vom VfB.

(Foto: David Inderlied/dpa)

Der VfB Stuttgart trennt sich von Sportdirektor Sven Mislintat. Zu unterschiedlich waren zuletzt die Ansichten innerhalb der Führungsriege.

Von Christoph Ruf

Den Verfassern der Pressemitteilung, mit welcher der VfB Stuttgart am Mittwoch die Trennung von seinem Sportdirektor Sven Mislintat publik machte, gebührt größte Anerkennung. Es dürfte sich nämlich um das erste Mal in der langen Geschichte einschlägiger Verlautbarungen handeln, dass die Beteuerung fehlte, wonach man sich "diese Entscheidung nicht leichtgemacht" habe. Es kommt zudem nicht oft vor, dass ein Fußball-Bundesligist Einblicke in die Gründe gibt, die dazu geführt haben, dass die Zusammenarbeit mit einem leitenden Angestellten endet. Mislintat, heißt es, habe ein "absolut marktgerechtes Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt." Statt der Verlängerung des bis Juni 2023 datierten Arbeitspapieres steht nun also eine sofortige Trennung.

In seinem abschließenden, in der selben Mitteilung versandten Statement belässt es Mislintat, der dreieinhalb Jahre beim VfB wirkte, bei der lapidaren Feststellung, man habe "keinen gemeinsamen Nenner für eine Fortsetzung der Tätigkeit" gefunden. Nach Informationen des Kicker waren dann auch nicht finanzielle Fragen allein ausschlaggebend. Vielmehr habe Mislintat sich an der vorgesehenen Streichung einer bisher geltenden Vertragspassage gestört, wonach er in sportlichen Belangen das letzte Wort habe.

Tatsächlich gab es mehrere Gründe, die letztlich zur Trennung geführt haben. Atmosphärisch und inhaltlich lag zuletzt zu viel im Argen, als dass man die Beteuerungen von Vorstand und Präsidium glauben müsste, dass man grundsätzlich gerne mit dem gebürtigen Dortmunder verlängert hätte. Zumal Mislintat ganz sicher nicht von Minderwertigkeitskomplexen gepeinigt ist und intern angeblich nicht immer so herzlich und jovial aufgetreten sein soll, wie das seine Außendarstellung nahelegt.

Und da wäre die von Mislintat verantwortete Zusammenstellung eines erstaunlich großen Kaders, in dem zahlreiche hochbegabte Talente stehen, die an guten Tagen den offensiven, attraktiven Fußball zeigen, den der VfB nach dem Wiederaufstieg 2020 zu zeigen versprochen hatte. Andererseits sah man in den meisten der bisherigen 15 Hinrundenspiele, dass es dem Team an Struktur, Erfahrung und Widerborstigkeit fehlt. Dass der Kader mehr hergeben müsste als 14 Punkte und den drittletzten Tabellenplatz, ist unstrittig. Wie stark der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim VfB auseinanderklafft, soll hingegen eine der großen Streitfragen hinter verschlossenen Türen gewesen sein.

Eine Abstimmung in der Cannstatter Kurve hätte Mislintat wohl gewonnen

Mislintat hatte zuletzt immer wieder betont, dass ein Abo-Platz im gesicherten Mittelfeld angesichts des Sparzwangs reines Wunschdenken sei. Zudem gebe es keine Alternative zu seinem Kurs, entwicklungsfähige Spieler zu scouten und im Idealfall nach einigen Jahren wieder teuer weiter zu verkaufen. Spannend dürften die kommenden Tage auch vor diesem Hintergrund werden. Mislintat galt als Fürsprecher des Interimstrainers Michael Wimmer, dem er die dauerhafte Nachfolge des Mitte Oktober geschassten Pellegrino Matarazzo zutraute. Ob das auch für Sportvorstand Alexander Wehrle gilt, wird sich bald zeigen. Dieser hatte - ohne Rücksprache mit Mislintat, der für ein Gespräch angeblich keine Zeit gehabt habe - Philipp Lahm, Christian Gentner und Sami Khedira als "Berater" in sportlichen Belangen inthronisiert. Und genoss bei deren Vorstellung seinen Auftritt im Scheinwerferlicht ebenfalls ziemlich offensichtlich. Zumindest Khediras Einfluss dürfte nach der Trennung von Mislintat nicht geringer werden.

Bis zum Trainingsstart am 12. Dezember will der VfB "die nötigen Personalentscheidungen getroffen" haben, heißt es, also die Nachfolger für Matarazzo und Mislintat benennen. Letzterer ist beim VfB derweil möglicherweise auch an seiner Popularität gescheitert. Dass er in der Außendarstellung zusehends zum Gesicht des Vereins wurde und eine Abstimmung in der Cannstatter Kurve für sich entschieden hätte, hat nicht jedem in einem Verein gefallen, bei dem sich die Entscheider zuletzt wieder voller Argwohn und Eifersucht beobachtet haben.

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