Fußball: 1860 vor der Pleite:Wettlauf gegen die Zeit

Was Schneider und Schäfer dem mit Politikern, Anwälten und Geschäftsleuten besetzten Aufsichtsrat dazu bei einer Sitzung Montagnacht mitzuteilen hatten, klang allerdings ziemlich ernüchternd. So ist weiterhin unsicher, ob das geplante Bankenkonsortium überhaupt und rechtzeitig zustande kommt. Und bei den vermeintlichen privaten Geldgebern, die sich dauernd melden, steckt oft wenig dahinter. Und falls doch jemand wirklich Geld hätte, läge gleich das nächste Problem vor. Aus Vereinskreisen ist zu hören, angeblich wolle eine Gruppe internationaler Investoren "sofort zwölf Millionen Euro" hinlegen, dafür aber den Klub gewissermaßen übernehmen, also das Sagen haben. 1860 wäre nicht mehr Herr im eigenen Haus und den Geldgebern ausgeliefert. Das will niemand beim TSV, und der Bundesliga-Verband würde dem wohl auch nicht zustimmen.

Es ist ohnehin fraglich, ob sich in wenigen Tagen ein Vertragswerk aushandeln ließe, mit dem ein Investor ganz schnell das nötige Kapital bereitstellt. Zehn Millionen, das ist nach aktuellem Status die Summe, die der TSV dringend an frischem Geld braucht, und die das Bankenkonsortium aufbringen soll: zwei Millionen Euro, um überhaupt damit beginnen zu können, den alten Schuldenberg in Höhe von nunmehr 14 Millionen Euro abzutragen; außerdem 3,5 Millionen für die laufende Saison und weitere 4,5 Millionen für die Lizenz 2011/12.

Allzu lange haben die Sechziger ihre Altschulden und die Probleme einfach vor sich hergeschoben, haben sich einen viel zu teuren Kader und sonstige Extravaganzen geleistet sowie unter der teuren Arena gelitten, die dem reichen Lokalrivalen Bayern München gehört. Erst seitdem Schäfer und Schneider am Werke sind, kommen alle Zahlen auf den Tisch, wird bilanziert und aufgeräumt. Vielleicht zu spät.

Nach der gescheiterten Krisenrunde am Flughafen schob man sich im Kreise der Finanzinstitute und weiterer Beteiligter gegenseitig die Schuld zu. In der an der Rettungsaktion beteiligten Privatbank soll man ungehalten über die öffentlichen Geldinstitute und die Politik sein. Das zielt auf die Stadtsparkasse, die BayernLB und auf die Förderbank LfA, die ebenfalls dem Freistaat gehört. Die LfA, die den Mittelstand unterstützt, sollte eine Bürgschaft übernehmen und so neue Kredite für 1860 ermöglichen. Bei der Krisenrunde scherte die LfA allerdings aus. Ihre Satzung und Auflagen der Europäischen Union (EU) machten es der Förderbank nicht möglich, den Löwen zu helfen, heißt es in Bayerns Regierung.

Stadtsparkasse und Landesbank haben ein weiteres Problem. Sie dürfen offenbar nur den kleineren Teil des notwendigen 10-Millionen-Kredits stellen, weil sonst eine verbotene Staatsbeihilfe vorliegen könnte. Ganz abgesehen davon, dass sich alle Banken einem Beteiligten zufolge "wie die Hyänen" um die letzten verbleibenden Sicherheiten streiten, die 1860 noch bieten kann - etwa die TV-Erlöse der nächsten Saison. Soll die Banken-Lösung klappen, braucht der TSV private Institute, die gut fünf Millionen Euro bereitstellen. Bisher ist davon nur die Hälfte absehbar. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB