Simone Laudehr "Ein Anruf wäre schön gewesen"

Bei der WM 2019 nicht dabei: Simone Laudehr (li.).

(Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa)

Simone Laudehr wartete bei der WM-Kader-Präsentation der Bundestrainerin vergeblich auf ihren Namen. Sie hat ihr Aus erahnt - ist nach all den Jahren beim Nationalteam aber dennoch enttäuscht.

Von Anna Dreher

Das berühmteste Tor von Simone Laudehr war zugleich eines der wichtigsten für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Ein Tor, das sie zu Weltmeisterinnen machte - und Laudehr von einer kaum bekannten zu einer sehr bekannten Fußballerin. Deutschland hatte es 2007 in China bis ins Finale geschafft. Birgit Prinz schoss gegen Brasilien in der 52. Minute das 1:0. Dann, in der 86. Minute, sprang Laudehr nach einer Ecke höher als alle anderen: Kopfball, 2:0, Weltmeister! Laudehr rannte nach ihrem einzigen Tor dieses Turniers über das Feld, zog sich das Trikot übers Gesicht und zeigte allen ihren durchtrainierten Bauch und einen schwarzen Sport-BH. Die Bilder dieser Szene gingen um die Welt, danach kannte sie jeder. Und Laudehr dachte ans Aufhören, weil nun jeder etwas von ihr wollte.

Mehr als elf Jahre später hat Laudehr wieder darüber nachgedacht, aufzuhören. Dieses Mal aber hat sie ihre Karriere als Nationalspielerin tatsächlich beendet.

Als Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Dienstag in Frankfurt ihren Kader für die WM in Frankreich (von 7. Juni an) bekannt gab, sah sich Laudehr die Übertragung der Pressekonferenz an. Vielleicht würde ihr Name ja auch genannt werden, ganz ausgeschlossen war das nicht, zumindest hatte sie Hoffnung. Sie fühlte sich bereit für ein weiteres großes Turnier. Die nominierten Spielerinnen flimmerten in kurzen Clips über Bildschirme im Saal der Pressekonferenz. 23 Namen, der von Laudehr war nicht dabei.

Wenige Stunden später veröffentlichte die 32-jährige Mittelfeldspielerin auf sozialen Netzwerken ein Bild, das sie im bunten Konfettiregen nach dem gewonnenen Finale der Europameisterschaft 2013 zeigt, die Augen geschlossen, die Arme weit ausgebreitet. Nach reiflicher Überlegung sei sie zum Entschluss gelangt, "mich in Zukunft nur noch auf mein Engagement beim FC Bayern zu konzentrieren", schrieb sie. Die Erlebnisse und Eindrücke aus den mehr als zehn Jahren im DFB-Team "werden mich ein Leben lang begleiten".

Ihre Karriere in der Nationalmannschaft begann so steil wie nur von wenig anderen. Drei Monate nach ihrem ersten Lehrgang fuhr sie 2007 mit zur WM und war danach lange nicht aus dem Team wegzudenken. Erst als neue, freche und lustige Spielerin, dann als eine wichtige Stütze - auch außerhalb des Platzes. In 103 Länderspielen schoss Laudehr 26 Tore. Die Regensburgerin ist bekannt für ihren Ehrgeiz, ihre Zielstrebigkeit und ihr kampfbetontes, zweikampfstarkes, laufintensives Spiel. Sie wurde 2007 Welt-, 2009 und 2013 Europasiegerin, 2008 gewann sie Bronze bei den Olympischen Spielen, 2016 in Rio Gold. Doch trotz der Medaille begann in Brasilien ihre schwere Phase: Nach nur 18 Minuten im Auftaktspiel gegen Simbabwe (6:1) musste Laudehr verletzt ausgewechselt werden, das Turnier war für sie vorbei. Und es begann ein Kampf gegen Verletzungen, die sie immer wieder zurückwarfen. Am 24. Oktober 2017 gegen die Färöer wurde sie noch mal eingesetzt, danach reichte es nicht mehr.

"Nachdem ich zuletzt nicht mehr eingeladen wurde, hatte ich mir schon gedacht, dass ich nicht mehr dabei bin", sagte Laudehr am Mittwoch der SZ. "Aber nachdem man jahrelang alles für dieses Team gegeben hat, wäre es schön gewesen, wenn zumindest ein Anruf gekommen wäre von der Bundestrainerin."

Durch Laudehrs Rücktritt hat sich nun auch die letzte noch aktive Weltmeisterin von 2007 verabschiedet. Ende April hatte Babett Peter, 30, ihren Abschied aus der Nationalelf bekanntgegeben, nachdem sie nicht für die Lehrgänge berücksichtigt worden war. Es waren die letzten Schritte auf dem Weg zum Umbruch eines Teams, das nun von anderen geprägt werden wird. Der Mannschaft wird damit die Erfahrung aus 221 Länderspielen fehlen, die Erfahrung von zwei wichtigen Persönlichkeiten. "Die Tage kam alles wieder hoch, all die Momente", sagte Laudehr, "ich wollte mir am Ende meiner Karriere immer sicher sein, alles gegeben zu haben. Und ich glaube, das kann ich auch sein."

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