Foul an André Hahn Wenn schon das Hinschauen wehtut

Schnell ein Arzt! Nach dem Foul an André Hahn (am Boden) winken die Gladbacher Hilfe herbei; Übeltäter Johannes Geis (rechts) ahnt wohl Schlimmes.

(Foto: Jürgen Fromme/firo Sportphoto)
  • Schalkes Mittelfeldspieler Johannes Geis kommt für sein schlimmes Foul am Angreifer der Borussia vergleichsweise glimpflich davon: Er wird fünf Spiele gesperrt.
  • André Hahn fällt monatelang aus.
Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Johannes Geis schaute elend drein, als er mit hängendem Kopf durch den Kabinentrakt des Borussia-Parks schlich. Der 22 Jahre alte Franke sah aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen. Vom Schalker Kollegen Roman Neustädter, einem ehemaligen Gladbacher, ließ sich Geis in die gegnerische Kabine geleiten, um sich bei André Hahn zu entschuldigen, doch dieser war bereits ins Krankenhaus gefahren worden. Geis verließ die Kabine mit Hahns Handynummer. Er wolle ihn anrufen, um sich zu entschuldigen.

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Geis nach dem Spiel eine ausführliche Entschuldigung, und viele der mittlerweile mehr als 4000 Menschen, die den Vorfall dort kommentiert haben, zollen Geis Respekt für seine Entschuldigung und seine demütige Haltung. Geis tut Buße, wo er nur kann, doch dem Mönchengladbacher Hahn, dem er am Sonntagabend mit dem ausgestreckten Bein eine Fraktur des Schienbeinkopfes und einen Riss des Außenmeniskus im linken Knie zugefügt hatte, hilft das aktuell auch nicht. Er wurde am Montagvormittag operiert und fällt für mehrere Monate aus.

Sporticker "Mir tut das schlimme Foul sehr leid"
Sporticker
Geis gegen Hahn

"Mir tut das schlimme Foul sehr leid"

Der Schalker Johannes Geis entschuldigt sich beim Gladbacher André Hahn, der aber lange ausfällt. Der Bahrainer Salman bin Ibrahim al-Khalifa erklärt seine Kandidatur zum Fifa-Chef. Neuseeland und Australien bestreiten das Finale der Rugby-WM.

Am Montagnachmittag ist Geis dann vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds wettbewerbsübergreifend für fünf Spiele gesperrt worden. Er darf also auch am Mittwoch im DFB-Pokal nicht mitspielen, wenn die Schalker daheim erneut gegen Mönchengladbach spielen.

Beim Urteil spielen immer auch die Vorstrafen eine Rolle

Beim Fußball passieren Fouls, die Fouls ziehen mitunter schwere Verletzungen nach sich, dieses Risiko wird allgemein akzeptiert. Doch das Foul, das Geis am Sonntag in der 80. Minute an Hahn beging, besaß eine Dimension, die es im bezahlten Fußball selten gibt. Hahn hatte sich im Mittelfeld einen hohen Ball bereits gesichert, Geis kam zu spät und drückte Hahn im Sprung mit dem gestreckten Bein die Sohle seines Stollenschuhs derart brutal aufs Knie, dass ein Fernsehkommentator entsetzt rief: "Er tritt ihm fast das Bein durch!" Berichterstatter, die sich auf der Pressetribüne hinter den Monitoren versammelten, um die Zeitlupe anzuschauen, verzogen unter Schmerz das Gesicht. Dieses Foul tat schon beim Zuschauen weh. Es gab keine offene Wunde wie damals in den Achtzigern bei Ewald Lienen, aber das Hinschauen war ähnlich schlimm.

Die bedrückende Szenerie während des Spiels bekam eine zusätzlich unangenehme Note dadurch, dass Schalker Fans den vom Feld getragenen Hahn mit "Auf Wiedersehen"-Rufen verspotteten. "Ach, wissen Sie", sagte Schalkes Manager Horst Heldt später auf eine diesbezügliche Frage, "wenn wir alle unangemessenen Reaktionen von Zuschauern zusammennähmen, dann wären die Stadien leer."