Formel-1-Rennen in Sotschi:Daniil Kvyat als letzte Attraktion

Die Situation sei anders als im vorletzten Jahr in Bahrain, meint Monisha Kaltenborn, die Teamchefin des Schweizer Sauber-Rennstalls. Damals hatten in den Dörfern rund um die Strecke blutige Straßenkämpfe getobt. Eine mögliche Absage war damals eine Frage der Sicherheit gewesen. Diesmal geht es um Politik. Kaltenborn sagt: "Wir betrachten es als Rennen wie jedes andere." Die Juristin ahnt, dass die Fahrer und Teams möglicherweise Prügel abbekommen werden für den Start in Russland. Sie bestreitet aber, mit einem Tunnelblick in Sotschi an den Start zu gehen ("Das ist nie gut"). Die Sauber-Mannschaft wird auch, anders als in Bahrain, im Rahmen des Rennens PR-Termine wahrnehmen.

Im vergangenen Sommer, als das Team finanziell vor dem Aus stand, war ein Konglomerat von russischen Investoren aufgetaucht, das das Überleben versprach. Im Rahmen der Absichtserklärungen war zumindest die Förderung des 18 Jahre alten russischen Nachwuchspiloten Sergej Sirotkin vereinbart worden. Der ist von einem Stammplatz weit weg, aber dass Sauber diese Vereinbarung einhält, lässt auf den Fluss der entsprechenden Gelder schließen. Die großen russischen Sponsoren-Deals aber kamen bislang nicht zustande.

Angeblich steht es auch um den Marussia-Rennstall, für den der in Japan verunglückte Bianchi startete, nicht gut. Der Automobilkonzern, der dem Team seinen Namen gab, hat seine Sportwagenprojekte im Frühjahr eingestellt. Seither geht das Gerücht im Formel-1-Fahrerlager um, dass nach dem Heimrennen auch für den Rennstall Schluss sein könnte. Das Formel-3-Team von Marussia, das seine Basis ebenfalls in England hat, reist erst gar nicht nach Sotschi - aus "kommerziellen Gründen".

Bleibt als lokale Attraktion Daniil Kvyat, nach dem ins Deutsche Tourenwagen Master abgestiegenen Witali Petrow (57 Rennen, ein Podestplatz) der einzige russische Fahrer in der Königsklasse. Gleich in seinem ersten Grand Prix holte Kvyat zwei Punkte, und zum Saisonende wird er von Toro Rosso als Ersatz für Sebastian Vettel zu Red Bull Racing befördert. Nach ihm ist eine der Tribünen im Sotschi Autodrom benannt. "Es ist definitiv ein historischer Moment", sagt der 20-Jährige. Und in Aserbaidschan hat der zuständige Sportminister keck behauptet: "Die Jugendlichen in der Stadt werden so beeindruckt sein von der Formel 1 vor ihrer Haustüre, dass sie von nun an vom Weltmeistertitel träumen."

© SZ vom 09.10.2014/ebc
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