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Motorsport:Vollbremsung in der Formel 1

Formel-1

Als die Autos noch fuhren: Der Ferrari von Sebastian Vettel bei einer Testfahrt vor Saisonbeginn

(Foto: dpa)

Die Formel 1 vertagt in der Corona-Krise die Reform, die ihren Fortbestand sichern sollte. Ob sie das übersteht?

Die Nachricht ging ein wenig unter in der Flut der Meldungen, für die das Coronavirus auf der Nebenbühne des Weltenlaufs, dem internationalen Sportgeschehen, tagtäglich sorgt: Einige Formel-1-Teams haben sich bereit erklärt, mit ihrer Expertise die Folgen der Pandemie abzuschwächen. Die Spezialisten in den britischen Fabriken in Brackley, Woking und Grove planen, Geräte weiterzuentwickeln und in geringem Umfang zu produzieren, die in der Corona-Krise dringend benötigt werden. Motoren zu Beatmungsgeräten! Das klingt nach einer begrüßenswerten Idee.

Zumal die Formel 1 garantiert nichts Sinnvolleres zu tun hat, nachdem sie nun endlich eine der globalen Krise angemessene Konsequenz zeigt und entschieden hat, dass die ersten sieben Rennen der Saison entweder ausfallen oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden müssen. Die Initiative mit den Beatmungsgeräten ist verabredet worden zwischen den Teams und den Marketing-Verantwortlichen der Formel 1.

Niemand kann sagen, wann und in welcher Form der Sport zurückkehren wird

Marketing. Irgendwie im Gespräch bleiben. Auch darum geht es in diesen Zeiten, in denen der Sport unfreiwillig von der Bühne verschwindet und niemand sagen kann, wann und in welcher Form er zurückkehren wird. Diese Sorge gilt auch der Formel 1. Sie hat nach anfänglichem Rollenlassen eine Vollbremsung vollzogen, die Spuren auf dem Asphalt hinterlassen wird. Während in anderen Sportarten der Kalender geschüttelt und Turniere verschoben werden, während sich die ersten Verteilungskämpfe abzeichnen, hat die Formel 1 eine Reform um ein Jahr vertagt, die ihren Fortbestand garantieren sollte. Ob sie das übersteht?

Die für 2021 geplante Regelnovelle war das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Autoverband Fia und der Formel-1-Führung. Sie sah neue Autos vor, die technisch simpler sein würden. Und die sich vor allem dank veränderter Luftströme einfacher gegenseitig überholen lassen würden. Die Formel 1, das war die Grundidee, sollte ab 2021 mehr Chancengleichheit ermöglichen und vor allem mehr Spektakel bieten. Daraus wird nun frühestens 2022 etwas. Die Technik von 2020, die es wegen der Pandemie bislang nur zu den Testfahrten in Barcelona geschafft hat, wird zu großen Teilen auch 2021 noch zu sehen sein.

Dass die Verschiebung einstimmig beschlossen wurde von Teamchefs, der Fia und Formel 1, zeigt, wie stark Verzweiflung und finanzielle Not in der Formel 1 längst grassieren. Diesen Eindruck hinterlässt auch jene merkwürdige Ankündigung vom Freitag, es würden, beginnend mit dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag, die verlegten Rennen an der Konsole gefahren. Namentlich nicht genannte "aktuelle Formel-1-Fahrer" sollen sich mit offenbar illustren Daddelkönigen in Rennsimulationen messen.

Im Gespräch bleiben wird nicht reichen. Weil etliche Rennen wegfallen in dieser Saison, leiden vor allem die kleineren Teams unter drastischen Einnahmenreduzierungen. Ihnen fehlt das nach einem Schlüssel auf die Teams verteilte Antrittsgeld, das die Veranstalter der ersten sieben Rennen des Jahres an die Formel 1 gezahlt hätten. Und sie müssen auch in der Coronapause ihre laufende Kosten decken und Personal bezahlen. Parallel dazu schon die 2021er-Boliden zu entwickeln, daran war in vielen Teams nicht mehr zu denken. Sie müssen sich jetzt irgendwie ins nächste Jahr retten, wenn zumindest ein Teil der angedachten Reform greift: ein Kostendeckel, der die Ausgaben der Teams auf 175 Millionen US-Dollar begrenzt - ausgenommen davon sind Gehälter der Spitzenverdiener.

Nach der Finanzkrise 2008 zogen sich Honda, Toyota und BMW aus der Formel 1 zurück. Diesmal könnten die Folgen noch gravierender ausfallen.

© SZ vom 22.03.2020/sonn
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