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Formel 1 in Mexiko:"Lasst ihn fahren"

F1 Grand Prix of Mexico

Schön schattig unter dem Sombrero: Lewis Hamilton zweifelte an der Strategie seines Teams. Sein Chef-Stratege beruhigte ihn persönlich.

(Foto: Clive Mason/Getty Images)
  • Dank einer überlegenen Reifen-Strategie gewinnt Lewis Hamilton den Großen Preis von Mexiko, auf seinen sechsten Weltmeistertitel muss er aber noch ein wenig warten.
  • Beim Rennen in Texas genügt ihm nun bereits Platz acht zum Titelgewinn.
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Der Tag, an dem Lewis Hamilton doch noch nicht zum sechsten Mal Weltmeister wurde, war kein schlechter Tag für Lewis Hamilton. Das wird ihm irgendwann gedämmert sein auf einer seiner letzten Umdrehungen, als er am Sonntagnachmittag in seinem Silberpfeil saß und in diesem über den Autodromo Hermanos Rodriguez pflügte.

Siehe da, wird sich Hamilton gedacht haben: Ich liege ja tatsächlich in Führung! Noch immer!

Das hatte er zuvor nicht für möglich gehalten. Er hatte seine Zweifel über die Taktik per Funk in die Ohren seiner Rennstrategen geklagt. 14 Runden früher hatten ihm diese den zweiten Satz Reifen ans Auto geschraubt als die Scuderia ihrerseits dem Wagen von Sebastian Vettel frische Gummis spendiert hatte. Aber siehe da: Es reichte. Hamilton kämpfte sich auf den alten Pneus ins Ziel. Und wieder einmal hatte James Vowles, der Chef-Stratege von Mercedes, Recht behalten. Manchmal wirkt es so, als kenne Vowles Hamilton besser als Hamilton sich selbst. "Das Rennen war ein ganz schöner Kampf", sagte der Fahrer. Und Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes, erklärte: "Wir wussten nicht, ob es reicht. Es war ein Experiment."

Formel 1 Hamilton gewinnt Großen Preis von Mexiko
Formel 1

Hamilton gewinnt Großen Preis von Mexiko

Der Brite siegt vor Vettel im Ferrari und seinem Teamkollegen Bottas. Die Entscheidung um den WM-Titel ist jedoch noch einmal vertagt.

Teamkollege Bottas verschiebt Hamiltons Titelfeier

Dass sich Hamilton nun mindestens noch bis zum Rennen in Texas in der kommenden Woche gedulden muss, wo ihm bereits ein achter Platz zum Titelgewinn genügt, lag nicht an ihm. Sondern an seinem rechnerisch letzten verbliebenen Konkurrenten, dem Teamkollegen Valtteri Bottas. Der schleppte sich als Dritter ins Ziel, hinter Vettel und noch vor Charles Leclerc in den Ferraris, obwohl er als Sechster ins Rennen gerollt war. Am Tag nach einem heftigen Crash in der Qualifikation.

Dass man sich noch etwas länger erinnern wird an den Großen Preis von Mexiko des Jahres 2019, lag überhaupt an der Qualifikation. Und an Max Verstappen und seiner irritierenden Vorstellung. Hernach erinnerte sich mancher wieder an eine Einschätzung von Niki Lauda im Vorjahr, der über die charakterliche Reife Verstappens als Rennfahrer gesagt hatte: "Normalerweise wächst man mit seinen Fehlern. Verstappen wird nur kleiner. Das scheint mir auch eine Intelligenzfrage zu sein."

Auf seiner Lieblingsstrecke hatte der Niederländer bereits die Pole Position sicher, als Bottas mit seinem Mercedes in den letzten Sekunden der Qualifikation in die Mauer der Zielkurve krachte. Gelbe Flaggen wurden geschwenkt, die Fahrer, die die Unfallstelle vor Verstappen passierten, gingen vom Gas. Hamilton bremste, Vettel bremste. Verstappen bremste nicht.

Das Reglement sieht vor, dass die Piloten bei gelben Flaggen so langsam fahren müssen, dass sie jederzeit anhalten können. Verstappen? Dachte nicht an Anhalten. Er stellte eine neue Bestzeit auf! Obwohl nach Bottas' Crash auch Streckenposten auf dem Asphalt hätten stehen können.

Die Kommissare ließen sich viel Zeit, ehe sie eine Strafe verhängten, die sie verhängen mussten, allein schon, weil im Falle einer Nicht-Ahndung ein Präzedenzfall geschaffen worden wäre: Verstappen wurde um drei Startplätze versetzt, weswegen die Ferraris von Charles Leclerc und Vettel die erste Reihe besetzten in Mexiko.

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