Formel 1: Vettel gewinnt in Melbourne:Beängstigende Überlegenheit

Lesezeit: 5 min

Sebastian Vettel gewinnt den Grand Prix von Melbourne vor Lewis Hamilton, ein russischer Fahrer überrascht mit dem dritten Platz. Die Mercedes-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg dagegen erleben ein schlimmes Wochenende.

Jürgen Schmieder

Als Sebastian Vettel die Ziellinie überquerte, da riss er die rechte Faust nach oben. Dann bedankte er sich bei seiner Mannschaft: "Brillantes Auto, brillantes Rennen. Was für eine Art, das Jahr zu beginnen." Die Antwort seiner Boxencrew: "Gratuliere! Aber nicht vergessen: Wir haben eine Menge gelernt heute!"

In der Tat hat Vettel viel gelernt an diesem Wochenende: Er hat gelernt, mit den neuen Reifen zurechtzukommen und rechtzeitig an die Box zu fahren. Er hat gelernt, wie man am Start seine Position verteidigt. Er hat gelernt, dass ein Pilot ohne das Umklappen des Heckflügels Rennen gewinnen kann. Vor allem aber dürfte er gelernt haben: Er ist den Konkurrenten deutlich überlegen.

Grundsätzlich dient das erste Rennen einer Formel-1-Saison dazu, den Protagonisten ein erstes Ergebnis dafür zu liefern, wie gut sie in der Winterpause im Vergleich zu den Konkurrenten wirklich gearbeitet haben. All die Interpretionen der Testfahrt-Zeiten sind hinfällig, als erste Standortbestimmung dient allein das erste Rennwochenende.

Es war weniger Sebastian Vettels Dominanz im Qualifying, sondern vielmehr die selbstbewussten Aussagen der Red-Bull-Verantwortlichen danach, die den Konkurrenten Stirnrunzeln bereiten dürften. "Das war nicht optimal", hatte Teamchef Christian Horner gesagt. Wohlgemerkt: Vettel lag fast acht Zehntelsekunden vor dem Zweitplatzierten der Qualifikation, Mark Webber stand auf Startplatz drei. So eine überhebliche Aussage ist beängstigend - und sie ist umso beängstigender, weil sie berechtigt ist.

In diesem Jahr jedoch waren aufgrund der Regeländerungen und Neuerungen auch noch andere Fragen zu beantworten: Würde es ein Gedränge an der Box geben, weil die neuen Reifen tatsächlich nur bedingt haltbar sind? Würden sich die Fahrer auf der Strecke aufgrund von Kers und verstellbarem Heckflügel tatsächlich in jeder einzelnen Runde spektakulär duellieren? "Es könnte ein bisschen chaotischer werden", hatte Vettel vor dem Rennen prophezeit.

Der Start im Albert Park verlief für Vettel zunächst einmal wenig chaotisch, er blieb vorne - übrigens ohne Zuhilfenahme der Kers-Technologie -, er fuhr rasch einen Sieben-Sekunden-Vorsprung heraus und überließ die spektakulären Duelle zunächst den anderen Piloten.

Lewis Hamilton und Mark Webber kämpfen um Platz zwei (Hamilton gewann), weiter hinten stritten sich Jenson Button und Felipe Massa (Button gewann, kürzte jedoch ab und wurde bestraft) und schließlich überholte Fernando Alonso seinen Teamkollegen Massa ohne Probleme (und wurde nicht bestraft, weil in dieser Saison Teamorder wieder erlaubt ist). In diesem Getümmel wäre beinahe unbemerkt geblieben, dass sich Renault-Pilot Witali Petrow auf den dritten Rang geschoben hatte und dort zunächst auch blieb.

Nach diesen ersten aufregenden Momenten folgten die zahlreichen Fahrten an die Boxen. "Meine Reifen lassen extrem nach", funkte etwa Sebastian Vettel seinem Teamchef, ehe er zu den Mechanikern eilte, um die Reifen austauschen zu lassen. Für Spannung sorgten der extrem hohe Reifenverschleiß und die damit verbundenen Stopps eher weniger, weil alle Piloten gleichermaßen damit zu kämpfen hatten. Vielmehr verzichteten die Fahrer auf allzu aggressive Manöver, um die Reifen zu schonen. "Solltest du nicht mehr kommen wollen, denke daran, dass noch 21 Runden zu fahren sind", bekam etwa Lewis Hamilton mitgeteilt.

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