NFL-Playoffs:Der Super-Bowl-Champion ist plötzlich Außenseiter

Für den American Football ist es die spannendste Phase der Saison. Eine Niederlage genügt, um den Traum vom Titel zu beenden. Hier sind die verbleibenden acht Teams - mit ihren Stärken und Schwächen.

Von Ludwig Haas

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Rob Gronkowski

Quelle: AP

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New England Patriots gegen Los Angeles Chargers

Auch in dieser Saison leben die New England Patriots von ihrer Erfahrung. Mit elf Siegen und fünf Niederlagen haben sie nur knapp eine schlechtere Bilanz als ihr Playoff-Gegner, die Los Angeles Chargers (12-4). Trotz eher durchschnittlicher Leistungen der Patriots-Angriffsreihe, in der der verletzungsgeplagte Tight End Rob Gronkowski weiter nach seiner Form sucht, ist die Erfahrung noch immer das Prunkstück des Teams. Probleme bereiten könnten die schwankenden Auftritte der Abwehr gegen Laufspiele, vor allem wenn Runningback Melvin Gordon auf Seiten der Chargers noch rechtzeitig fit wird. Ein Vorteil für die Patriots ist die längere Erholungspause. Das Team von Chefcoach Bill Belichick stand nach der Regular Season automatisch in der Runde der letzten Acht. Die Chargers mussten sich in einem zusätzlichen Wildcard-Spiel qualifizieren.

NFL: AFC Wild Card-Los Angeles Chargers at Baltimore Ravens

Quelle: USA TODAY Sports

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Chargers-Quarterback Philip Rivers kommt mit mächtig viel Selbstvertrauen aus der Regular Season. Bewegte sich der 37-Jährige lange Zeit im Schatten von Quarterback-Größen wie Aaron Rodgers oder Tom Brady, hat er sich in dieser Spielzeit emanzipiert. In den ersten zwölf Spielen der Saison brachte er immer mindestens zwei Touchdown-Pässe an den Mitspieler. Nur zwei Spielern gelang in der Geschichte der NFL eine längere Serie zum Start. Der größte Faktor neben Rivers ist Runningback Melvin Gordon. Mit 10 Touchdowns und 885 gelaufenen Yards in der Regular Season ist er das Herzstück der Chargers-Offensive. Durch eine Knieverletzung ist seine Verfassung für das Duell gegen die Patriots aber fraglich. Ein Ausfall wäre ein herber Verlust für die Chargers.

Prognose: Die Chargers müssen zu den Patriots, die in dieser Saison noch kein Spiel in Foxborough verloren haben. Am Ende werden sich die Patriots wegen des Heimvorteils und aufgrund ihrer Erfahrung durchsetzen.

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Quelle: AP

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Kansas City Chiefs gegen Indianapolis Colts

Als bestes Team der AFC haben sich die Chiefs direkt für die Playoffs qualifiziert und entgingen so einem kräfteraubenden Wildcard-Spiel. In der Regular Season (zwölf Siege und vier Niederlagen) stach vor allem Quarterback Patrick Mahomes heraus. In seiner zweiten Saison in Kansas City galt der 23-Jährige anfänglich als zu unerfahren, um ein Team zu führen. Mahomes widerlegte die Kritiker aber spektakulär: Mit 50 Touchdown-Pässen in der Regular Season führt er die Statistik mit großem Abstand an. Baumeister des besten NFL-Angriffs ist Coach Andy Reid, der die Chiefs zum ernsthaften Kandidaten für den Super Bowl gemacht hat. Um die Offensive dürften sich Chiefs im Duell gegen die Indianapolis Colts nicht sorgen. In der Abwehr ist die Lage etwas anders. Zwar stellt Kansas City eine starke Pass-Verteidigung, doch Läufe der Gegner machten den Chiefs häufig Probleme.

NFL: AFC Wild Card-Indianapolis Colts at Houston Texans

Quelle: USA TODAY Sports

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Auch bei den Colts gab es anfängliche Zweifel am Quarterback. Der erfahrene Andrew Luck startete schleppend in die Saison, kämpfte mit den Folgen einer langen Schulterverletzung aus der Vorsaison. Zu Beginn gab es fünf Niederlagen und nur einen Sieg für sein Team. Der 29-Jährige fand aber seinen Rhythmus, im Lauf der Regular Season kam nur eine Niederlage hinzu. Die Statistik zählte am Ende zehn Siege. In Kansas City wird Luck sich vermehrt auf das Laufspiel seiner Mannschaft verlassen müssen, denn die Chiefs gaben in der Regular Season durchschnittliche fünf Yards pro Rush her, das ist der zweitschlechteste Wert der Liga. Die sehr junge Colts-Defensive wird ihrerseits mit den offensivgewaltigen Chiefs vor eine große Aufgabe gestellt.

Prognose: Es wird ein enges Duell zwischen den Colts und den Chiefs. Gegen die junge Defensive aus Indianapolis können sich Mahomes und die Chiefs wohl durchsetzen.

San Francisco 49ers v Los Angeles Rams

Quelle: AFP

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Los Angeles Rams gegen Dallas Cowboys

Dominanz ist ein Begriff, dem die Los Angeles Rams in dieser Saison über weite Strecken gerecht wurden. Nur die Verletzung von Receiver Cooper Kupp verursachte eine merkliche Delle in der Leistungskurve. Nichtsdestotrotz lief es insgesamt ausgezeichnet für die Rams, die mit 13 Siegen und nur drei Niederlagen aus der Regular Season kamen. Das Zusammenspiel von Quarterback Jared Goff und Runningback Todd Gurley, den zurzeit noch Verletzungssorgen plagen, funktioniert bisher perfekt. Auch die Balance zwischen Angriff und Abwehr überzeugt. In der Defensive können sich die Kalifornier auf einen der besten Abwehrspieler der Liga verlassen: Aaron Donald. Der 27-jährige Defensive Tackle spielt eine herausragende Saison und kann mit seinen wuchtigen Tackles spielentscheidend sein. Ein Fokus dürfte gegen die Cowboys auf der Laufverteidigung liegen. Ezekiel Elliott ist der Runningback, der die meisten Yards in dieser Saison zurückgelegt hat.

NFL: NFC Wild Card-Seattle Seahawks at Dallas Cowboys

Quelle: USA TODAY Sports

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Die Dallas Cowboys, die in Texas zu Hause sind, haben eine spezielle Verbindung zu Südkalifornien. In der Nähe von Los Angeles, im beschaulichen Städtchen Oxnard, haben sie seit über 20 Jahren ein Trainingscamp. Das Playoff-Spiel bei den Los Angeles Rams könnte also einen Hauch von Heimspiel-Atmosphäre mit sich bringen. Die Cowboys können gegen die favorisierten Rams jede Hilfe gebrauchen. Wollen sie in die nächste Runde einziehen, wird neben Runningback Elliott viel von der Tagesform von Quarterback Dak Prescott abhängen, der beim knappen Sieg im Wildcard-Spiel gegen die Seahawks zwar seine Fähigkeiten als Anführer demonstrierte, aber abgesehen davon eine eher durchschnittliche Saison spielt. Er bekommt es mit Rams-Tackle Aaron Donald zu tun, der in dieser Saison bisher die meisten Quarterbacks umgerissen hat.

Prognose: Gegen die ausgeglichenen Rams haben die Dallas Cowboys kaum eine Chance. Die Qualität des Heimteams wird sich durchsetzen.

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Quelle: AP

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New Orleans Saints gegen Philadelphia Eagles

Die New Orleans Saints und die Philadelphia Eagles sind die einzigen Teams in der Runde der letzten Acht, die schon in der Regular Season aufeinander trafen. Die Saints dürften sich gerne daran zurückerinnern, ihnen gelang im November ein 48:7-Kantersieg. Die Offensivleistung ist Zufall. Quarterback Drew Brees harmoniert vielleicht noch ein bisschen besser mit seinem Trainer Sean Payton als andere Quarterbacks mit ihren Coaches. Mit Wide Receiver Michael Thomas und Runningback Alvin Kamara hat Brees zudem zwei Akteure in seinen Reihen, die höchsten Ansprüchen genügen. Bereits vor der Saison galt das Team aus New Orleans als einer der Favoriten auf den Super Bowl, mit 13 Siegen und drei Niederlagen erfüllten die Saints die Erwartungen bisher.

Philadelphia Eagles - Chicago Bears

Quelle: dpa

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Obwohl die Philadelphia Eagles es als aktueller Super-Bowl-Sieger bis unter die letzten Acht geschafft haben, kann von einer souveränen Saison keine Rede sein. Im Wildcard-Spiel gegen die Chicago Bears hatte nur eine große Portion Glück das Weiterkommen gesichert. Beim entscheidenden Field-Goal-Versuch des Bears-Kickers Codey Parkey war ein doppelter Aluminiumtreffer die Rettung für die Eagles gewesen. Es war ein Sinnbild für das Auf und Ab in der bisherigen Spielzeit. Zwar gewannen die Eagles neun Spiele, sie verloren aber auch sieben. Die Defensive, die im vergangenen Jahr noch der Schlüssel zum Erfolg gewesen war, lässt die Form aus dem Meisterjahr vermissen. Sorgen macht auch die Quarterback-Position. Nick Foles musste nach der Verletzung von Stamm-Quarterback Carson Wentz erneut einspringen. Schon im vergangenen Jahr hatte der Ersatzmann in den Playoffs aushelfen müssen und sein Team am Ende zum Super-Bowl-Gewinn geführt. In diesem Jahr fehlt Foles allerding die Konstanz - so wie seinem gesamten Team.

Prognose: Angeführt von Brees, Kamara und Thomas lassen sich die Saints auch von Super-Bowl-Champion Philadelphia nicht aufhalten. Ein so klares Ergebnis wie im November ist aber nicht zu erwarten.

© SZ.de/tbr/rus
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