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Finale der Europa League:Der FC Sevilla gedeiht in der Nische

  • Der FC Sevilla könnte mit einem Sieg gegen Liverpool zum zweiten Mal seinen Titel in der Europa League verteidigen.
  • Die Erfolge der Spanier folgen einem Plan: Man hat es sich in der Nische bequem gemacht und holt ständig gute, unbekannte Fußballer.

Wer verstehen will, warum der FC Sevilla zu einem der erfolgreichsten Teams des europäischen Fußballs geworden ist und an diesem Mittwoch schon wieder - das heißt: zum fünften Mal seit 2006 - im Finale der Europa League steht, muss zurückgehen an den Anfang des Jahrtausends.

Damals wurde der Mannschaftsbetreuer und vormalige Torwart des Klubs, den alle Monchi rufen, zum Sportdirektor bestimmt und einem Crashkurs in Sachen Kaderplanung unterworfen. Sevilla dümpelte in der zweiten Liga herum. Die Fans ertrugen kaum den Spott der Anhänger des Lokalrivalen Betis. Und Monchi, dessen bürgerlichen Namen Ramón Rodríguez Verdejo schon damals keiner kannte, musste ein neues Team zusammenstellen.

Das Problem: Der Klub hatte nicht eine einzige Pesete. So hieß damals die Währung, die in Spanien zirkulierte. Das Finanzamt hatte die Konten des Klubs blockiert. Monchi selbst verdiente nur noch die Hälfte seines Betreuergehalts - und "hatte keine Ahnung von dem Job", wie er in einem Interview erklärte. Dafür bewies Monchi etwas, was sich im Nachhinein nur als dies lesen kann: Geschick. Er stellte für den spanischen Meister von 1946 eine Truppe zusammen, die als Tabellenerster in die erste Liga aufstieg und diese seither nie wieder verließ.

Am Mittwoch (20.45 Uhr, live in Sport1) tritt sie im Europa-League-Finale in Basel gegen den FC Liverpool an, der die Trophäe, um die es geht, bislang drei Mal gewonnen hat. Sollte der FC Sevilla siegen, wäre es die erste Mannschaft seit dem FC Bayern der Siebzigerjahre, die drei europäische Titel in Serie holt - zuvor hatten das lediglich Real Madrid und Ajax Amsterdam vollbracht.

Viermal stand Sevilla seit 2006 im Finale

"Wir haben ein Monster erschaffen", sagt Monchi. Und dieses Monster ist so gefräßig, dass die Finalteilnahmen allmählich mit der gleichen Regelmäßigkeit daherkommen wie die Osterprozessionen der andalusischen Hauptstadt. Während andere spanische Klubs wie der FC Valencia dem Größenwahn erliegen und nichts unterhalb der Champions League akzeptieren, hat der FC Sevilla Europa League und Pokal als Nische entdeckt, um zu wachsen - erst recht, seit der Europa-League-Titel zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, die man im vergangenen Jahr (Tabellen-5.) und in dieser Saison (7.) verpasste.

In den vergangenen zehn Jahren hat Sevilla vier Europa-League-Titel geholt und vier europäische Supercup-Finals (ein Sieg) gespielt. So viele letztinstanzliche Saisonauftritte können in der gleichen Zeit nur Real Madrid, der FC Barcelona, AC Mailand, Ajax Amsterdam und der FC Bayern nachweisen.