Financial Fairplay im Fußball Es bräuchte halt Klubs, die klagen

Manchester City um Verteidiger Vincent Kompany wurde offenbar beim Financial Fairplay bevorteilt.

(Foto: REUTERS)

Die "Football Leaks" zeigen, wie sehr der heutige Fifa-Chef Infantino einst PSG und ManCity schützte. Geschädigte Vereine hätten aber durchaus eine Handhabe.

Kommentar von Thomas Kistner

Es gab schon 2014 großen Wirbel, als die Europäische Fußball-Union mit ihrem schicken neuen Instrument, dem Financial Fairplay (FFP), Klubs von Cluj bis Panevezys für Regelverstöße bestrafte, die nicht mal marginal waren - verglichen mit den Irrsinns-Beträgen, die andernorts verbrannt wurden. Bei Paris Saint-Germain schoss der Emir aus Katar locker Hunderte Millionen Euro aus dem Staatsfonds in die Klubkasse, verkauft wurde diese Finanzspritze als Sponsoring der katarischen Tourismusbehörde. Dass das Unfug war und eine verboten hohe Querfinanzierung des Investors verschleiern sollte, dass es also just jenes Finanzdoping war, welches das FFP beenden sollte, wurde europaweit heftig gerügt: von Betroffenen, Insidern und Medien. Ähnlich verhielt es sich im Fall des Großklubs Manchester City, den der Herrscherclan aus Abu Dhabi mit Dutzenden Millionen pamperte.

FFP ist eine gute Sache, wenn es seriös betrieben wird: Laut Reglement dürfen Klubs nicht mehr Geld ausgeben als einnehmen und externe Investoren höchstens 30 Millionen Euro Defizite über drei Jahre ausgleichen. Schon dieser Spielraum verrät, dass jene schützende Hand, die sich damals über die wild investierenden Scheich-Klubs gelegt hatte, auf oberster Ebene geöffnet wurde. Sie musste Uefa-Boss Michel Platini gehören, der seit 2015 wegen fragwürdiger Millionendeals gesperrt ist und heute auch wegen seiner Rolle bei der WM-Vergabe 2022 an Katar im Fokus von Strafermittlungen in Frankreich steht. Und auch der hauptamtliche Chef, Generalsekretär Gianni Infantino, musste mitgespielt haben.

Der Schaden wäre einklagbar, glauben Juristen

Jetzt zeigen Enthüllungen der Plattform Football Leaks, wie sehr sich Infantino ins Zeug legte, um PSG und ManCity vor der Wucht des Financial-Fairplay-Instrumentariums zu bewahren. Beide Klubs hätten - angesichts der Geldverschiebungen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich - aus der Champions League verbannt und mit enormen Geldstrafen sanktioniert werden müssen. Stattdessen orchestrierte Infantino nach Aktenlage die Verfahren im Sinne der mauschelnden Großklubs, vorbei an den Uefa-eigenen Gremien. Am Ende zahlte PSG lächerliche 20 Millionen Euro Strafe.

Fachjuristen in der Schweiz, wo die Uefa und auch der heute von Infantino geführte Weltverband Fifa sitzen, sehen gute Chancen, gegen die Manipulation vorzugehen. Denn hätten PSG und ManCity damals gesperrt gehört, wurden dadurch ja andere Klubs geschädigt, die deren Plätze in der Champions League (nebst garantierten Millionenprämien) hätten einnehmen können. Und wenn ein von oben abgesichertes Finanzdoping dieser Klubs zum Erwerb von Stars geführt hat, die dank ihrer spielerischen Klasse andere Vereine aus dem Bewerb beförderten, entstand dort ebenfalls ein Schaden. Der wäre einklagbar - es bräuchte halt Klubs, die sich das trauen und in den Clinch mit Infantino gehen. Mit dem Mann, der offenkundig FFP-Regeln verbogen hat.

Schritt eins also: Klubs und Verbänden muss die Angst vor Infantino genommen werden. Da ist die Uefa gefragt. Ihre Vertreter in der Fifa müssen den Ausschluss der internen Ethiker betreiben, die ganz offenkundig weder unabhängig noch neutral sind. Fifa-Chefermittlerin Rojas ist mit obskuren Funktionären verbandelt, Chefrichter Skouris ließ den neuen Ethikcode von Infantino zensieren. Solange solche Leute als Aufpasser agieren, ist der Patron geschützt. Wirklich unabhängige Ermittler hätten ja nun bereits eine Untersuchung gegen Infantino einleiten müssen. Dafür genügt die Existenz der Mails, die dessen Einmischung in die FFP-Prozesse von Paris und Manchester belegen.

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