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Sportpolitik:Fifa klagt gegen Blatter und Platini

Joseph Blatter und Michel Platini

Einstmals ziemlich gute Freunde: Der ehemalige Fifa-Chef Blatter (li.) und sein Vize Platini.

(Foto: Patrick B. Kraemer/dpa)
  • Die Fifa hat Klage gegen Sepp Blatter und Michel Platini eingereicht - sie fordert von ihren früheren Spitzenfunktionären zwei Millionen Franken zurück.
  • Ex-Fifa-Präsident Blatter vermutet ein Ablenkungsmanöver.

Der Fußball-Weltverband hat in der Schweiz Klage gegen Sepp Blatter und Michel Platini eingereicht, die Fifa fordert von ihren früheren Spitzenfunktionären zwei Millionen Franken zurück. Diese Zahlung hatte 2011 der damalige Uefa-Präsident Platini von seinem Fifa-Amtskollegen erhalten. Beide beteuern, es habe sich dabei um eine nachträgliche Gehaltszahlung für Beratertätigkeiten gehandelt. Als im Herbst 2015 die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) Ermittlungen aufnahm, sperrte das Fifa-Ethikkomitee die Funktionäre für mehrere Jahre. Als Vertreter Platinis zog überraschend dessen langjähriger Uefa-Generaldirektor Gianni Infantino in den Wahlkampf; seit 2016 ist er Fifa-Boss.

In der Branche wird spekuliert, dass der plötzliche Sturz Platinis, der bis zu Beginn der Ermittlungen der Berner BA als Blatter-Nachfolger gesetzt war, von interessierter Seite gesteuert worden sein könnte. Für diesen Verdacht sprechen seitdem immer mehr Sachverhalte. So wurde die BA, die auch wegen ihrer schleppenden Arbeit in der Kritik steht, damals sehr früh durch einen Hinweisgeber auf die Zwei-Millionen-Zahlung gestoßen. Kurz zuvor, im Juli 2015, hatte BA-Chef Michael Lauber mit Infantinos privatem Vertrauten zusammengesessen, der nach Infantinos Kür auch mehrere stille Treffen des neuen Fifa-Bosses mit Lauber einfädelte; teilweise war er selbst dabei.

Wegen der Treffen mit Infantino, in dessen direktem Zuständigkeitsfeld die BA damals sogar ebenfalls ermitteln musste, verlor Lauber fast sein Amt; seit Sommer ist er von allen Fußballverfahren seiner eigenen Behörde suspendiert. Nur der Auftakt war spektakulär: Seit vier Jahren zieht sich das Verfahren gegen Blatter/Platini dahin. Umso mehr fällt auf, dass die Fifa gerade jetzt Privatklage erhebt, ohne weiter die strafrechtliche Klärung abzuwarten. Offiziell folgt sie damit der Empfehlung ihres Governance-Komitees. Doch nicht nur Blatter vermutet, dass dieses verbandseigene Gremium unter Leitung des Inders Mukul Mudgal eine politische Vorgabe umgesetzt habe - er halte die Klage für "ein Ablenkungsmanöver", sagte Blatter der SZ am Montag.

Platini will seinerseits die Hintergründe seines Sturzes 2015 juristisch klären lassen

Das erscheint nicht abwegig. Die Fifa ist wieder unter Druck. Kritisiert wird Infantinos diskrete Suche nach Milliarden-Investoren, spekuliert wird, dass er diese heimlich schon gefunden habe. Am Donnerstag endet eine nur zweiwöchige Rechteausschreibung für die Klub-WM 2021, die in der Branche als alibihaft bewertet wird. Erwartet wird, dass Infantino danach ein Milliardenangebot vorlegen werde, das auf die Schaffung einer weltweiten Superliga der Großklubs zielt. Zu den im Hintergrund lauernden Großinvestoren wird der Privatfond CVC gezählt.

Ablenkung wäre wohl auch an anderer Front hilfreich. In Paris betreibt Platini eine Verleumdungsklage zur Klärung der Hintergründe seines Sturzes 2015. Es geht um die "kriminelle Verschwörung zur Begehung der Straftat der Verleumdung", das Gericht ließ die Klage nach Vorermittlungen zu und delegierte sie in die Schweiz; wegen des dort schon laufenden BA-Verfahrens. Mit der Auflage, betonte Platinis Anwalt William Bourdon jüngst in Le Monde, dass die Berner Behörde "ihrer Verantwortung gerecht werden muss und zu einer gründlichen Ermittlung verpflichtet ist, um den Verschwörern die Maske zu entreißen". Eine Reihe von Zeugen steht bereit.

Was aber nun die zeitgleiche Fifa-Klage gegen Platini/Blatter angeht, lässt sich Letzterer "nicht die Laune verderben". Die Zahlung sei damals "intern und extern von Buchprüfern begutachtet" und im Kongress 2011 abgesegnet worden. Die Fifa gebärde sich "wie ein Hund, der sich selber in den Schwanz beißt".

© SZ vom 17.12.2019/chge
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