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Fehlstarter in der Fußball-Bundesliga:Trauriger wird der Saurier

Hamburger SV v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Traurig, traurig: Artjoms Rudnevs (rechts) und Kollegen vom HSV

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Fehlstarts kommen vor, doch wenn Dino-Klubs nicht aus den Startlöchern kommen, bekommen sie Dino-Probleme. Schneller als anderswo bricht in Hamburg, Schalke, Stuttgart oder Frankfurt Angst und Nervenflattern aus. Also an jenen Orten, die sich für unverzichtbar für die Liga halten.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Warnung! Wieder ist daran zu erinnern, dass der HSV der einzige Klub ist, der 50 Jahre Bundesliga erstklassig überstanden hat. Wie er das geschafft hat, wird von Saison zu Saison mehr ein Rätsel, jedoch: Wer ihn abschreibt, wer ihn wieder auf dem Weg in die zweite Liga wähnt, hat schon verloren. Der HSV hat tausend Leben!

Wegen dieser Kunst, irgendwie dann doch zu überleben, ist der HSV der "Dino der Liga". Eine hübsche Assoziation, aber falsch: Dinosaurier sind ausgestorben, man findet allenfalls noch Haut und Knochen. Gerade deshalb würde es jetzt den Tatbestand der Beleidigung erfüllen, würde man behaupten wollen, dass das, was sich da am Samstag beim 1:5 gegen Hoffenheim über den Rasen schleppte, auch nicht viel mehr war, als H ...

Gemach! Schließlich trug jeder Profi ein Trikot. Darauf die berühmte Raute.

Fehlstarts kommen vor, doch wenn Dino-Klubs nicht aus den Startlöchern kommen, bekommen sie Dino-Probleme. Schneller als anderswo bricht dann in Hamburg, Schalke, Stuttgart oder Frankfurt, also an jenen Orten, die sich für unverzichtbar für die Liga halten, Angst und Nervenflattern aus. Dino-Klubs zeichnen sich zudem durch ein Dino-Gedächtnis aus, so hat sich auf Schalke auf ewig die Huub-Stevens-Parole eingebrannt, dass gefälligst die Null zu stehen habe. Doch ausgerechnet jetzt, nach sieben Gegentoren in erst zwei Liga-Spielen, kommt am Mittwoch die Vergangenheit zu Besuch: Maurermeister Stevens, Schalkes "Jahrhunderttrainer", schaut mit Paok Saloniki zur Champions-League-Qualifikation vorbei.

Tief ins Dino-Gedächtnis des HSV eingebrannt hat sich, dass er schon in die Vorsaison mit drei Niederlagen startete. Eilig wurde damals ein sündteures Transferpaktet (van der Vaart, Badelj, Jiracek) geschnürt, unter dem der Klub noch heute ächzt. Zwar gelang am Ende der Sprung auf Platz sieben, allerdings kein Wandel des Charakters. Der HSV bleibt das Überraschungs-Ei der Liga. Er hat unglaublich intensive Niederlagen wie jetzt dieses 1:5 oder im März das 2:9 beim FC Bayern im Programm - und lässt solchen Katastrophenspielen bisweilen ein ganz ordentliches folgen.

Sportlich wirft Hamburg Monsterwellen. Zugleich gibt eine über-ambitioniert erscheinende Führung realitätsferne Ziele aus. Sie weckt Sehnsüchte, die der offensichtlichen Qualität des Kaders nicht entsprechen. Zumal Talente wie der Koreaner Son und der Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali nach Leverkusen umzogen. Der Perspektive wegen.

1980, als der HSV groß war, als Kaltz und Jacobs hinten abdichteten, als Magath dort Regie führte und Hoffenheim noch Dorf war, hatte Hamburg einen Hit. Lonzo, bekannt als Der Teufelsgeiger von Eppendorf, präsentierte einen Refrain zum Mitsingen: "Die Dinosaurier werden immer trauriger/Die armen Saurier, die armen Saurier." Ein lustiges Liedchen, bereit für ein bitteres Comeback.

© SZ vom 19.08.2013/ebc
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