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FC Ingolstadt 04:Wiederwahl ohne Gegenkandidaten

Aktuell stellen sich die Besitz- und Machtverhältnisse nun so dar: Audi ist Hauptsponsor, besitzt das Stadion und das Trainingsgelände, vermietet beides an die Fußball GmbH - an der der Konzern wiederum fast 20 Prozent der Anteile hält. Außerdem kontrolliert Audi den Aufsichtsrat. In dem sechsköpfigen Kontrollgremium sitzen von Vereinsseite Jackwerth und seine beiden Vorstandskollegen Martin Wagener und Andreas Schleef.

Hinzu kommen der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Dreves, Produktionsvorstand bei Audi, Wendelin Göbel, Generalbevollmächtigter der Audi-Mutter Volkswagen, sowie Ingolstadts Oberbürgermeister Alfred Lehmann. Da Wagener als Chefjurist bei Audi angestellt ist, sind de facto drei der sechs Aufsichtsratsmitglieder mit dem Konzern verbunden.

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Ein Affront und ein Phantompfiff

Zudem war Schleef 35 Jahre für den Autobauer tätig, unter anderem als Vorstand und Seat-Chef. Ob all das noch dem Geist der 50+1-Regel entspricht, darf bezweifelt werden. Solange aber kein offizieller Regelverstoß vorliegt, sieht der Ligaverband keinen Grund zum Handeln - im Gegensatz zu einem Teil der FCI-Fans.

Auf der jüngsten Mitgliederversammlung mussten sich Jackwerth und seine beiden Vorstandskollegen bei der Wiederwahl erstmals einem Gegenkandidaten stellen. Das war neu beim 2004 gegründeten Klub, der am Freitag einen Punkt (1:1) beim SC Paderborn holte. Zudem stellten die Fans einen Antrag auf Satzungsänderung, damit der Verkauf von Vereinsanteilen an Investoren wie Audi nur noch von der Mitgliederversammlung beschlossen werden kann. Beide Ansinnen scheiterten, für Jackwerth nur logisch, denn die ganze Aufregung um den Verkauf seiner Anteile kann er nicht verstehen.

Entscheidend seien schließlich nicht die Besitzverhältnisse bei der Fußball GmbH, sondern das Stimmverhältnis in der Gesellschafterversammlung, erklärt der Vereinspräsident. Solange der Verein hier gemäß der 50+1-Regel die Mehrheit halte, bleibe man Herr im eigenen Hause. Nur: Wie sollte der FCI im Zweifelsfall auf Konfrontationskurs zum omnipräsenten Investor gehen? Und was wäre, wenn Audi sein Engagement einmal überdenken sollte?

Um einen Ausstieg des Investors möglichst auszuschließen, lautet die Taktik offenbar, den Konzern so eng wie möglich an den Verein zu binden. Dass er das Stadion und seine weiteren Klub-Anteile an Audi verkauft habe, sei daher auch als taktisches Manöver zu sehen, der Verkaufspreis sei "ein Witz" gewesen, erklärt Jackwerth: "Ich wollte Audi mit einem günstigen Angebot locken."

Fest steht, dass Profifußball in Ingolstadt ohne Audi nicht möglich wäre. Der Verein wurde praktisch aus dem Boden gestampft, mittelfristig soll es in die Bundesliga gehen. Für derartig ehrgeizige Vorhaben gibt es sicher schlechtere Partner als den Weltkonzern. Trotz der Symbiose mit Audi sei man aber kein Werksklub, meint Jackwerth. Und er verspricht: "Wir werden es auch nicht sein". Die Tatsachen lassen allerdings auch eine andere Schlussfolgerung zu.