DFB-Pokal:Die Bayern zeigen ihre neuen Perlen

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DFB-Pokal: Ab nun der jüngste Torschütze des FC Bayern in einem Pflichtspiel: Mathys Tel.

Ab nun der jüngste Torschütze des FC Bayern in einem Pflichtspiel: Mathys Tel.

(Foto: IMAGO/Maik Hölter/TEAM2sportphoto/IMAGO/Team 2)

Der FC Bayern erreicht gegen Viktoria Köln trotz anfänglichen Widerstandes ungefährdet die zweite Pokalrunde. Trainer Nagelsmann gibt vielen neuen Spielern eine Chance - der erst 17-jährige Mathys Tel macht sich zum Rekordtorschützen.

Von Philipp Selldorf, Köln

Gewinner und Verlierer gab es schon vor dem Anpfiff. Gewinner waren zum Beispiel Fahrradfahrer, die gemütlich vor die Einlasstore rollten, Verlierer waren die ortsunkundigen Bayern-Fans, die glaubten, sie könnten mit ihren Autos am Stadion vorfahren. Viele von ihnen standen im Stau und verpassten den Anstoß zum Pokalspiel des FC Bayern beim Drittligisten Viktoria Köln, und vermutlich befürchteten sie dabei Schlimmstes: nämlich die ersten zwei bis drei Bayern-Tore zu verpassen. Dieser Ernstfall trat jedoch nicht ein. Mehr als eine halbe Stunde musste sich der Meister bis zum ersten Treffer mühen. Am Ende war der Ertrag dennoch ausreichend: 5:0 gewannen die Bayern gegen den Drittligisten, der sich ehrenwert gewehrt hatte, aber erwartungsgemäß chancenlos blieb.

Die zu spät Gekommenen haben zwar keine Tore versäumt, aber doch immerhin ein Fußballspiel, das zunächst ganz anders lief, als alle es erwartet hatten. Es dauerte ein paar Minuten, da hatte der Außenseiter die Ehrfurcht abgelegt und ein Spiel organisiert, das dem FC Bayern nicht gefiel. Der Münchner, der am wenigsten Vergnügen an der Veranstaltung hatte, spielte allerdings gar nicht mit: Schon nach ein paar Minuten erhob sich Julian Nagelsmann schimpfend von seinem Sitzplatz, und bald machte der wütende Trainer den Eindruck, als wolle er seine Spieler im nächsten Moment eigenhändig wachrütteln und schütteln.

Möglicherweise hätte er dann bei Serge Gnabry angefangen, der die nötige Körperspannung vermissen ließ. Innerhalb der ersten Viertelstunde erlaubte sich der Nationalspieler drei stattliche Flüchtigkeitsfehler, der dritte hätte fast zur Führung des Außenseiters beigetragen. Der von Simon Handle geschlenzte Ball lag zwar im Tor, laut bejubelt von der Viktoria-Anhängerschaft, doch Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck intervenierte mit Recht - der Schütze hatte knapp im Abseits gestanden (20. Minute).

Das Pokalspiel beim Drittligisten gab Nagelsmann die Gelegenheit, die neuen Perlen zu präsentieren, die ihm der Verein im Sommer überlassen hatte: Nouassir Mazraoui, Matthijs de Ligt, Ryan Gravenberch und Mathys Tel erhielten die Startelfplätze, die ihnen bisher vorenthalten blieben. Besonders Gravenberch und Tel zeigten durch auffällige Beteiligung an, dass sie den Wettkampf vermisst hatten. Der seit April 17-jährige Mittelstürmer Tel nahm den Posten am linken Flügel ein, das Sturmzentrum besetzte Sadio Mané, aber wenn das Tor von Viktoria-Keeper Ben Alexander Voll in Gefahr geriet, dann ging sie nicht vom vormaligen Vorzeigespieler des FC Liverpool aus. Den ersten Torschuss der Bayern setzte nach der Ewigkeit von 13 Spielminuten der junge Franzose und schuf damit das Standard-Motiv der nächsten zwanzig Minuten: Immer wieder schossen die Bayern hart und entschlossen aufs Kölner Tor - und immer wieder flog Torwart Voll dorthin, wo der Ball war. Wie eine schwarze Spinne fingerte er nach der Beute. Besonders Joshua Kimmich fand die Flugparaden des Torhüters allmählich nicht mehr lustig.

Je öfter der 21-jährige Voll, Student der Viktoria-Nachwuchsschule, in höchster Not rettete, umso näher rückte die Führung der nun drückend überlegenen Bayern. Nach 35 Minuten kombinierten sie sich schneller an den Strafraum, als die Viktoria-Verteidiger gucken konnten, und am Ende profitierte Gravenberch mit dem Schuss zum 1:0, und dabei wäre es zur Pause geblieben, hätte nicht Tel mit einer starken Einzelaktion noch kurz vor dem Abpfiff das 2:0 besorgt. Tel ist mit 17 Jahren und 126 Tagen somit der jüngste Torschütze in der Geschichte des FC Bayern in einem Pflichtspiel.

Nun kannten die 50000 den weiteren Hergang des Films, aber eben deshalb waren all die Bayern-Fans aus Nah und Fern ja auch gekommen, und sie wurden im zweiten Abschnitt nicht enttäuscht: Mané (53.), der eingewechselte Jamal Musiala und der ebenfalls eingewechselte Leon Goretzka (82.) - zurück nach einer Knieverletzung - inszenierten einen standesgemäßen Sieg.

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