1. Entwerteter Ballbesitz

Der Ballbesitz war van Gaals Leitkultur, sein Allerheiligstes. Der Plan war, das Spiel zu kontrollieren, den Ball viel öfter zu beschlagnahmen als der Gegner und die Kugel nach stereotypen Mustern kreiseln zu lassen: durch passen, passen, passen. An guten Tagen sah das begeisternd aus, eleganter als die von vielen Teams bevorzugte Schule effizienter Schnellangriffe. Es erinnerte an die Spielkunst von Spanien oder des FC Barcelona, nicht mehr an den spröden Ergebnisfußball der 1:0-Bayern. Doch zuletzt verkamen Ballbesitz und Positionsspiele oft zum Selbstzweck, van Gaals Stil wirkt dann wie Breitwandfußball, schematisch, ohne Tempo, rhythmische Wechsel und Geistesblitze. Gegner, die weitaus seltener am Ball sind, gewinnen. Und am Ende sind Titel fürs Briefpapier dem Klub doch wichtiger als hübsche Spielzüge.

Bild: Bongarts/Getty Images 6. März 2011, 18:012011-03-06 18:01:53 © SZ vom 7.3.2011/jbe