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FC Bayern:Die ungewöhnlich späte Transferoffensive ist erklärbar

FC Bayern München: Sportvorstand Hasan Salihamidzic beim Supercup 2020

Musste diesmal bis zum Schluss rackern: Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

(Foto: Getty Images)

Der Deadline Day gilt als der Tag, an dem Manager versäumte Hausaufgaben nachholen. Meist verlief dieser Tag ohne Beteiligung des FC Bayern, das ist diesmal anders.

Kommentar von Christof Kneer

Wenn das Ergebnis nicht so vorhersehbar sinnlos wäre, könnte man sich am letzten Transfertag einen ausgezeichneten Spaß erlauben. Man könnte die Telefonnummern aller Spielerberater hernehmen, die man kennt, anschließend könnte man die Telefonnummern aller Klubmanager hervorholen, die man kennt - und dann könnte man anrufen. Okay, der Sinn des Spiels würde nur darin bestehen, dass man überall das Besetztzeichen hört, exakt bis 18 Uhr, bis zum Ablauf der Transferfrist, anschließend käme man wieder durch.

Sollte dann doch noch irgendwo besetzt sein, dann vermutlich, weil wieder irgendwo ein Faxgerät klemmt und die Transferunterlagen nicht rechtzeitig ankommen. Bei Eric Maxim Choupo-Moting war das mal so, er sollte einst vom HSV nach Köln wechseln, aber eine Seite des Vertrags - die mit seiner Unterschrift - hing leider im Fax fest. Und damit zum FC Bayern.

Zwar ist auch der FC Bayern ein Klub, der ohne Faxgerät nicht denkbar ist, aber dieses Faxgerät steht in Uli Hoeneß' Privathaus am Tegernsee und ist nicht transferrelevant. Überhaupt sind zwei Dinge bisher kaum denkbar gewesen: dass einer wie Choupo-Moting mal in München landen könnte, ein Spieler mit unauffälliger Ligakarriere - und dass das Besetztzeichen am letzten Transfertag auch in München zu hören ist.

Quantitativ sind die Wünsche von Trainer Hansi Flick nun erfüllt

Der Deadline Day hat keinen guten Ruf, er gilt als der Tag, an dem die Manager atemlos ein paar versäumte Hausaufgaben nachholen. Der Musterschüler aus München hat das selten nötig gehabt, er hat gelegentlich mal auf Verletzungen reagiert und kurz vor Transferschluss Arjen Robben oder Xabi Alonso verpflichtet - aber das hektische Feilschen um ein paar lächerliche Hunderttausend war meist ebenso unter der bayerischen Würde wie bange Blicke aufs hoffentlich funktionstüchtige Faxgerät.

Muss man den Bayern jetzt also einen Brief an die Eltern mit nach Hause geben, weil sie die Hausaufgaben nicht gemacht haben? Nein, das muss man nicht. Die ungewöhnlich späte Transferoffensive (inklusive des übrigens sehr begabten Choupo-Moting) ist eine Reaktion auf eine neue konjunkturelle Lage. Die Last-Minute-Personalien sind eine Art kurzfristiges Maßnahmenpaket in einer Corona-Zeit, die keiner voraussehen konnte - keiner konnte die massiven Einnahmeverluste der Klubs ahnen, keiner konnte ahnen, dass der Spielplan so kräftezehrend getaktet sein würde. An den zentralen hierarchischen Positionen ist Bayerns Kader ja längst fertig, die Lücken klafften an den Rändern - die haben die Bayern nun, wenn auch mit Verspätung, geschlossen.

Quantitativ sind die Wünsche von Trainer Hansi Flick nun also erfüllt. Ob sie auch qualitativ erfüllt sind - die Antwort auf diese Frage wird darüber entscheiden, ob das Maßnahmenpaket nur angemessen oder auch richtig gut ist.

© SZ vom 06.10.2020/ebc

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