FC Bayern München:Demichelis droht mit Abschied

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Eklat zum Saisonauftakt: Martin Demichelis ist verärgert, weil ihn Louis van Gaal nicht für die Startelf nominiert. Daraufhin verzichtet der Argentinier auch auf einen Platz auf der Bank und spricht vom Weggang.

Moritz Kielbassa

Martin Demichelis, 29, ist ein sensibler Fußballer mit Hang zur Melodramatik, beim FC Bayern weiß man das spätestens seit jenem Freitag im März 2008, als der damalige Trainer Hitzfeld die Idee hatte, den Argentinier wegen personeller Engpässe, wie früher schon, im defensiven Mittelfeld aufzustellen. Aushelfen im Mittelfeld? No!, beschied der Innenverteidiger der argentinischen Nationalelf ehrpusselig. Demichelis fand Hitzfelds Plan respektlos, spontan weigerte er sich. Noch am selben Tag entschuldigte sich der Enttäuschte bei Klub und Trainer mit einer flammenden Ansprache im Presseraum, unter Hinweis auf seine südamerikanischen Emotionen.

Ähnlich begeistert - und diesmal womöglich folgenschwerer - reagierte Demichelis nun, als ihm Trainer Louis van Gaal ohne Raum für Debatten mitteilte, dass zum Ligastart gegen Wolfsburg van Buyten und Badstuber Bayerns Innenverteidigung bilden. Ersatzbank? No!, entschied der Heißblütige: "Er hat den Trainer gebeten, ihn aus dem Kader zu nehmen", berichtete Vorstandschef Rummenigge. Ein Frustrierter, der nicht zum Dienst erscheint - plötzlich störte ein Eklat das seit Monaten friedlich-ruhige Betriebsklima der Bayern. An eine Eskalation glaubte Rummenigge unter dem aktuellen Eindruck der Ereignisse nicht, Demichelis noch bis 31. August zu verkaufen, wies er zurück: "Man braucht vier Innenverteidiger im Kader, es ist die Saison nach der WM. Da sind wir alle gut beraten, bis Januar ruhig zu bleiben."

"Zyklus geht zu Ende"

Kaum war das Spiel beendet, festlich mit dem späten 2:1 nach zuvor einigen Münchner Schnitzern hinten (siehe Dzekos 1:1) - da verschärfte sich der Tonfall, denn von Demichelis kursierten erste Stellungnahmen, und die klangen gar nicht beschwichtigend: "Die Wahrheit ist, dass ein Zyklus zu Ende geht und es für beide Seiten besser ist, wenn wir getrennte Wege gehen", wurde der ins zweite Glied Versetzte zitiert. Van Gaal erklärte daraufhin: "So weit ist es noch nicht. Wenn Demichelis geht, hätte ich ein Problem, dann habe ich keinen Ersatz" - wie schon am Freitag, als kein echter Innenverteidiger auf der Bank saß.

Der Trainer hat inzwischen sonnenklare personelle Vorstellungen, die er hart und offen moderiert, ohne Rücksicht auf Namen - nun auch in der Abwehrmitte. Das im Champions-League-Finale an Grenzen gestoßene Duo van Buyten/Demichelis hat er getrennt. Holger Badstuber, im Frühjahr oft Aushilfe links außen, "ist wieder Innenverteidiger", legte van Gaal fest, als Linksfüßer habe er Vorteile für die halblinke Planstelle. Um die halbrechte konkurrieren van Buyten, Demichelis und der noch verletzte Breno, den der Trainer im Stadionheft lobte: "Ein Mann fürs Zentrum, mit dem wir schneller hinten rausspielen können."

Demichelis trifft die neue Hierarchie offenbar hart: "Ich habe eine Wahl gemacht, damit muss ein Spieler klarkommen", kommentierte van Gaal den Vorfall, "er war Stammspieler, jetzt ist er Reserve, das muss er noch verinnerlichen, die Zeit geben wir ihm." Falschen Umgang mit Personalentscheidungen verzeiht der Holländer nicht, das muss Demichelis wissen, mit Bockigkeit und Renitenz erreichen Reservisten bei van Gaal: nichts. Der eitle Stürmer Luca Toni floh deshalb kürzlich nach Italien. mok

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