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FC Bayern:Mit James und Müller

Bayern Muenchen v Arsenal FC - Audi Football Summit

James Rodríguez beim Testspiel des Rekordmeisters in Shanghai gegen den Arsenal FC.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern verliert das Testspiel gegen Arsenal im Elfmeterschießen.
  • Trainer Carlo Ancelotti setzt im Mittelfeld auf James Rodriguez und Thomas Müller. Rodriguez spielt dabei auf dem Flügel.
  • Der wahre Konkurrenzkampf beginnt aber erst im August, wenn alle Spieler wieder zum Kader stoßen.

Von Ulrich Hartmann, Shanghai/München

Neues Spiel, neues Kopfzerbrechen. Carlo Ancelotti ist nicht zu beneiden: die Qual der Wahl auf jeder Position. Von Thiago, James Rodríguez und Thomas Müller im offensiven Mittelfeld mal ganz zu schweigen, stand der Trainer des FC Bayern München am Mittwoch in Shanghai vor der schwierigen Auswahl eines Torwarts: Tom Starke, Sven Ulreich, Christian Früchtl oder Ron Thorben Hoffmann?

Von 22 Spielern, die die Bayern mitgenommen haben, sind vier Torhüter. Vor dem Test gegen den FC Arsenal war die Nominierung überdies heikel, weil sie mit Jens Lehmann bei den Gunners von einem Experten begutachtet wurde. Der Wahl-Münchner und frühere Nationalkeeper ist neuerdings Assistent vom Trainer Arsène Wenger. Lehmann sah beim FC Bayern je eine Halbzeit den Routinier Starke und das Talent Früchtl - und er sah seinen Londoner Klub mit 3:2 im Elfmeterschießen siegen, weil es nach 90 Minuten 1:1 geheißen hatte. So lauten die Regeln des International Champions Cups. David Alaba, Juan Bernat und Renato Sanches verschossen für München.

Javi Martinez und Corentin Tolisso bildeten die Doppel-Sechs

Die Torwartfrage ist freilich keine, die die Münchner in Asien beschäftigt. Manuel Neuer, nach Fußbruch noch bis zum Saisonstart in der Rekonvaleszenz, ist nicht nur die unangefochtene Nummer eins, sondern als Nachfolger des pensionierten Verteidigers Philipp Lahm bald auch der neue Kapitän. Gegen Arsenal gönnte Ancelotti dem aushilfsweise mitgereisten Starke, 36, bei hoher Luftfeuchtigkeit und mehr als 30 Grad ein schweißtreibendes Work-Out und entschied sich in der Entweder-Oder-Wahl im Mittelfeld zwischen Müller und James für - beide. Müller durfte wie jüngst in Mönchengladbach die zentrale Offensive beackern, während James auf dem rechten Flügel den Vorzug vor Kingsley Coman erhielt. Ancelotti findet Spaß daran, allen Skeptikern zu beweisen, dass James nicht nur für Müller, sondern auch für Arjen Robben und Franck Ribery zur Konkurrenz wird. In der zweiten Halbzeit spielte James noch 20 Minuten zentral.

Der Spanier Thiago, auch ein Mann für die Zehner-Position, spielte nicht mit, weil er sich am Wochenende die Wade geprellt hatte. Javi Martínez und Corentin Tolisso bildeten die Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld, Alaba und Mats Hummels die Innenverteidigung. Sieben relevante Spieler (Neuer, Niklas Süle, Jérôme Boateng, Vidal, Joshua Kimmich, Sebastian Rudy und Robben) haben die Reise nach Asien gar nicht mitgemacht.

Ancelottis wahre Qual der Wahl beginnt erst im August. Als Aushilfskapitän hatte Müller dem Stürmer Lewandowski in der 9. Minute den Vortritt gelassen, um per Foulelfmeter das 1:0 zu erzielen. Nachdem Bernat für einen Sturz über den Ball das Wohlwollen des Schiedsrichters geerntet hatte, verwandelte Lewandowski seinen 17. Elfmeter nacheinander. Müller besann sich lieber auf Vorlagen. Sein Kopfball-Assist auf Tolisso führte in der 21. Minute zu einem Treffer, dem fälschlicherweise wegen Abseits die Anerkennung versagt wurde. Die Bayern dominierten die Partie gegen eine mit Ex-Bundesligaspielern wie Mesut Özil, Granit Xhaka und Sead Kolasinac gespickte Arsenal-Mannschaft. Starke verweigerte Özil und dem neuen Arsenal-Profi Alexandre Lacazette in der ersten Halbzeit durch ansehnliche Paraden den Torjubel.

Nach der Pause kam für den Torwart-Oldie der 17 Jahre junge Früchtl ins Tor. In der vierten Minute der Nachspielzeit musste er mit dem letzten Spielzug den 1:1-Ausgleich durch Alex Iwobi hinnehmen, wodurch es zum Shoot-Out kam. Früchtl wird in der neuen Saison die Nummer drei hinter Neuer und Ulreich, mithin also ebenso kaum zum Einsatz kommen wie die junge Bayern-Garde, die beim Abpfiff in Shanghai auf dem Feld stand: Manuel Wintzheimer, 18, Niklas Dorsch, Felix Götze, Marco Friedl, alle 19, und Milos Pantovic, 21. Bei den weiteren Spielen am Samstag gegen den AC Mailand (Shenzhen), kommenden Dienstag gegen den FC Chelsea und zwei Tage darauf gegen Inter Mailand (beide in Singapur) werden sie aber weitere Einsatzzeit erhalten.

© SZ vom 20.07.2017/schm

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